So viele Lehrabbrecher wie noch nie – das sagt die Community dazu

Publiziert

RekordzahlenGeneration Lehrabbruch – «Und die sollen unsere Renten bezahlen?»

Noch nie zuvor haben so viele Jugendliche ihre Lehre abgebrochen. Leserinnen und Leser sind besorgt – und wünschen sich mehr Ausdauer für die Gen Z.

von
Gabriela Graber
1 / 5
Der Bund verzeichnete einen Rekord bei den Lehrvertragsauflösungen.

Der Bund verzeichnete einen Rekord bei den Lehrvertragsauflösungen.

20min/Ela Çelik
Noch nie wurden so viele Verträge aufgelöst und Ausbildungen abgebrochen.

Noch nie wurden so viele Verträge aufgelöst und Ausbildungen abgebrochen.

20min/Ela Çelik
Besonders betroffen sind handwerkliche Berufe. Bei einigen wird fast die Hälfte der Verträge aufgelöst.

Besonders betroffen sind handwerkliche Berufe. Bei einigen wird fast die Hälfte der Verträge aufgelöst.

20min/Ela Çelik

Darum gehts 

  • Noch nie wurden so viele Lehrverträge aufgelöst.

  • Marco Mettler, Vizedirektor von Pro Juventute, überrascht das nicht. Bei den meisten Lehrvertragsauflösungen gebe es einen Mix aus Gründen.

  • Viele Userinnen und User können die Beweggründe von Lehrabbrecherinnen und Lehrabbrechern nachvollziehen, viele sind aber auch der Ansicht, dass sich junge Menschen mehr anstrengen sollten. 

11’810 Lehrlinge, die 2017 ihre Ausbildungen begonnen hätten, lösten ihre Verträge wieder auf, schreibt «Tages-Anzeiger». Das sind 22,4 Prozent aller Lehrlinge – so viele wie nie zuvor. Zwar bedeutet eine Vertragsauflösung nicht zwingend einen Abbruch, es kann sich dabei auch um einen Vertragswechsel handeln, etwa wenn der Betrieb gewechselt oder die Lehre verlängert wird. Bei den tatsächlichen Lehrabbrüchen seien es 4,4 Prozent – also weit weniger, aber auch das sei ein Rekord. Insbesondere bei handwerklichen Berufen gebe es viele Vertragsauflösungen.

Die hohen Zahlen erstaunen Marco Mettler, Vizedirektor von Pro Juventute, nicht, wie er der Zeitung gegenüber erklärt. Seit 2020 sei die Anzahl der Beratungsstunden gestiegen. Die Klimakrise sei bei Jugendlichen allgegenwärtig, dazu sei die Corona-Pandemie gekommen und seit diesem Jahr der Ukraine-Krieg. Bei den meisten Lehrvertragsauflösungen gebe es einen Mix aus Gründen. So sei die Zeit nach dem Schulabschluss ein genereller Umbruch im Leben. Ausserdem wolle die Generation Z häufiger sinnstiftende Berufe ausüben: «Sie wollen nicht einfach eine billige Arbeitskraft sein.»

In der 20-Minuten-Community herrschen geteilte Meinungen zum Thema. Viele Leserinnen und Leser zeigen Verständnis für die Situation und Probleme der jungen Menschen, während andere finden, dass sich die Generation Z mehr Mühe geben sollte. 

«Typisch für eine weichgespülte Gesellschaft»

«Das Leben ist kein Ponyhof und findet nicht im Internet statt», kommentiert GiuseppeReset. Dem stimmt whitecat zu. «Spätestens in der Lehre bemerken Jugendliche, dass das Leben kein Wunschkonzert ist.» User Oberwurzinger findet: «Typisch für eine weichgespülte Gesellschaft.»

Mehrere Mitglieder der Community besorgt diese Entwicklung: «Und die sollen unsere Renten bezahlen?», fragt _leser007_.  Leser Hugohabicht ist der Ansicht, dass Werte wie Zuverlässigkeit und Durchhaltevermögen in der Erziehung vieler gefehlt hätten. Auch User donschelcone erachtet die Erziehung als mitverantwortlich für diese Tendenz: «Schuld ist auch das Elternhaus – und die Pseudo-Selbstständigkeits-Erziehung in der Schule.» 

 «Das Problem ist die mangelnde Ausdauer der Jungen»

«Na ja, alternativ können die Jugendlichen mit Dropshipping, als Influencer oder mit Onlyfans Geld verdienen», so Leser HarryKant. «Das Problem ist vor allem die mangelnde Ausdauer der Jungen. Sie möchten schnell und mit minimalem Aufwand viel Geld verdienen», sagt MAK2. «Eine Lehre dagegen dauert zwei bis vier Jahre, ein Studium zwischen drei und fünf Jahren. Wer so lange nicht durchhalten kann, sollte Hilfsarbeiter bleiben!»

Dem entgegengesetzt zeigen sich sehr viele Leserinnen und Leser verständnisvoll gegenüber Lehrabbrecherinnen und Lehrabbrechern. «Wenn ich sehe, was mit meinen Kindern in der Lehre alles gemacht wird, ist es kein Wunder, dass viele abbrechen», schreibt eine Mutter. «Mit 15 Jahren sind viele Kinder noch zu jung, um in die harte Arbeitswelt einzusteigen», findet AlbiPeter. Seiner Meinung nach sollte deshalb der Schuleintritt ein Jahr nach hinten geschoben werden.

«Es wird zu viel von uns Lehrlingen erwartet»

Auch viele ehemalige Lehrabbrecherinnen und Lehrabbrecher melden sich in den Kommentaren zu Wort. «Mich haben sie im dritten Lehrjahr rausgeschmissen, weil ich psychisch krank war und so grosse Probleme zu Hause hatte, dass ich obdachlos wurde und mit 17 ausziehen musste», erzählt ein Leser. 

Ein anderer meint: «Ich habe schon zweimal eine Lehre abgebrochen und bin jetzt an der dritten. Es wird viel zu viel von uns Lehrlingen erwartet.» – «Die Berufsschule ist viel zu intensiv», schreibt ein weiteres Mitglied der Community. «Ich habe meine Lehre Anfang 2019 wegen meines Lehrmeisters abgebrochen. Er hat im ganzen Betrieb schlecht über mich geredet und mich dauernd angeschrien», erzählt eine Leserin. Viele Userinnen und User geben zudem an, die tiefen Lehrlingslöhne ungerecht zu finden, da Lehrlinge oft fast wie ausgebildete Fachkräfte arbeiten würden. 

Hast du deine Lehre abgebrochen? 

Keine News mehr verpassen

Mit dem täglichen Update bleibst du über deine Lieblingsthemen informiert und verpasst keine News über das aktuelle Weltgeschehen mehr.
Erhalte das Wichtigste kurz und knapp täglich direkt in dein Postfach.

Deine Meinung

211 Kommentare