Aktualisiert 10.10.2016 11:24

FussproblemeGeneration Turnschuh hat Mühe mit Kampfstiefeln

Wer den ganzen Tag Turnschuhe trägt, bekommt in Kampfstiefeln entzündete Sehnen. Nun setzt das Militär auf eine langsame Eingewöhnung und Turnschuhe.

von
A. Hirschberg

Die Turnschuh-tragenden Jugendlichen von heute kommen mit den hohen schweren Kampfstiefeln nicht mehr klar. Derzeit wird in einem Pilotversuch während einer RS versucht, die Rekruten langsam auf die Stiefel vorzubereiten. Zwischendurch dürfen die Rekruten Turnschuhe tragen.

Die Jugendlichen von heute gehören zur Generation Turnschuh. Sie sind sich weder hohe Stiefel, die weit über den Knöchel reichen, noch robuste Schuhe mit harten Sohlen gewöhnt. Eine Tatsache, die im Militär zu Problemen führt. In der Rekrutenschule, wo die jungen Soldaten von Tag eins an Kampfstiefel tragen müssen, kommt es deswegen immer öfter zu Ausfällen.

Laut Armee gibt es keine Zahlen dazu, wie viele Rekruten Probleme mit den Füssen haben oder aufgrund des Schuhwerks Verletzungen erleiden. Aus Armeekreisen heisst es aber, die Rekruten sollen überdurchschnittlich oft entzündete Sehnen und Gelenke haben. Besonders betroffen sei die Achillessehne.

Frische Rekruten sind zu wenig fit

Darum braucht es dringend eine Lösung für dieses Problem. Die Studie Progress aus dem Jahr 2013, die das Bundesamt für Sport im Auftrag der Schweizer Armee durchführte, hat analysiert, wie allgemein das Verletzungsrisiko in der Armee gesenkt werden kann. Konzepte und Massnahmen gibt es auch zum Verhindern von Verletzungen oder Überbelastungen an den Füssen.

In einem Pilotversuch setzt die Infanterie RS 5 diese Massnahmen bereits um, sagt Caspar Zimmermann, Sprecher der Logistikbasis der Armee. Das Konzept beruhe auf dem Prinzip, die Belastung langsam zu steigern. «Die Analyse zeigt, dass die militärischen Anforderungen eine robuste körperliche Disposition erfordern, welche viele zu Beginn der Rekrutenschule nicht erreichen.»

Mal Turnschuhe, mal Kampfstiefel

In der Infanterie RS 5 seien die Marschstrecken zu Beginn darum verkürzt und die grossen Kampfrucksäcke würden am Anfang wenn möglich auf den Ausbildungsplatz gefahren. Doch nicht nur bei den Distanzen macht die Armee im Rahmen des Pilotversuchs Zugeständnisse. Auch beim zu tragenden Schuhwerk ist man weniger streng: «Die Verschiebung auf die Plätze findet in den ersten Wochen auf dem Hinweg in Kampfstiefeln statt, auf dem Rückweg in Turnschuhen oder umgekehrt.»

In der Kaserne dürfen die Rekruten ebenfalls Turnschuhe tragen und müssen nicht mehr ständig mit den schweren Stiefeln herumlaufen. Zimmermann sagt dazu: «Generell trägt man auch in anderen Lebensbereichen nicht während mehrerer Stunden die gleichen und schweren Schuhe.»

Kampfstiefel hat 1950er-Passform

Dies ist umso wichtiger, als auch die Form des Kampfstiefels für Rekruten der heutigen Generation problematisch ist. «Dieser wurde 1990 in der Armee eingeführt, beruht aber auf einer Passform aus den 1950er-Jahren», sagt Zimmermann. Der Kampfstiefel erfülle darum die Anforderungen an einen modernen Schuh nur noch bedingt.

Die Armee will neue Kampfstiefel einführen, doch das dauert. Zimmermann: «Zur Zeit laufen Pilotversuche mit neuen Schuhen, 2020 ist die Einführung geplant.»

Gab es während Ihrer Zeit im Militärdienst Probleme mit Kampfstiefeln? Was haben Sie erlebt? Melden Sie sich bei uns per Mail an feedback@20minuten.ch und geben Sie auch Ihre Telefonnummer an.

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