Generationenwechsel vor der EM?
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Generationenwechsel vor der EM?

Der historische Länderspielsieg vom Mittwoch in Genf über den Weltranglisten-Siebten Holland könnte für einige arrivierte Schweizer Nationalspieler noch vor der EM 2008 unliebsame Folgen haben.

Erfolgt der Generationenwechsel noch vor der Euro im eigenen Land?

Gutgelaunte Gesichter überall nach dem ersten Schweizer Sieg über einen ganz Grossen des Weltfussballs seit 1993: Das begeisterte Publikum feierte eine Mannschaft mit der Welle, die auf mehreren Positionen ein nicht erwartetes Gesicht aufgewiesen hatte. Und die Spieler sowie der Trainerstab feierten überglücklich einen langersehnten Triumph, «auf den wir schon so lange gewartet haben» (Kuhn).

Nicht nur das Resultat war an diesem wunderbaren Abend jedoch erfreulich gewesen, sondern vor allem die Leistung auf dem Feld. Das Team hat damit die Herzen der Fans gewonnen, wie Kuhn nach dem Spiel gutgelaunt anmerkte. Noch zuversichtlicher für die kommenden Monate und Jahre dürfte ihn aber stimmen, dass der eingeleitete Generationenwechsel - bedingt auch durch zahlreiche Verletzungen- so problemlos über die Bühne ging.

Für die betroffenen Routiniers könnte der verdiente 2:1-Sieg über die holländischen Superstars bedeuten, dass ihr Abschied aus der Schweizer Nationalmannschaft möglicherweise früher als geplant bevorsteht. Betroffen von diesem Schnitt, der eigentlich für die Zeit nach der EM in der Schweiz und Österreich vorgesehen war, sind in erster Linie die Ü30-Spieler Pascal Zuberbühler, Raphaël Wicky, Patrick Müller, Hakan Yakin und Benjamin Huggel sowie möglicherweise auch Ricardo Cabanas (28), Stéphane Grichting (28) und die Eventual-Rückkehrer Fabio Celestini (31) sowie Boris Smiljanic (30).

Starker Coltorti

Im Schweizer Tor hat Fabio Coltorti mit grosser Ruhe und Sicherheit gezeigt, dass er auch gegen starke Gegner ein sicherer Wert ist. Gegen die Holländer kassierte er seinen ersten Treffer im Nationalteam nur, weil die Konzentration seiner Vorderleute Sekunden nach der 2:0-Führung für einen Moment abhanden gekommen war. In seinen fünf Einsätzen seit der WM blieb der GC-Goalie ohne Niederlage, denn beim 1:2 gegen Österreich bestritt er nur die «siegreiche» zweite Halbzeit (1:0). Bis zum definitiven Nummer-1-Entscheid von Trainer Kuhn bleiben dem Innerschweizer in diesem Jahr noch zwei Bewährungschancen.

Müllers Platz besetzt?

In der Innenverteidigung hat Patrick Müller am Mittwoch mit Steve von Bergen weitere Konkurrenz erhalten. Der Neu-Berliner fügte sich in seinem zweiten Länderspieleinsatz nahtlos in die Schweizer Abwehr ein. Sollte Müller in den nächsten Monaten zu oft verletzt sein oder beim französischen Meister Lyon nur auf der Ersatzbank sitzen, ist sein Platz im Team anderweitig besetzt. Johan Djourou hat mit seinem Wechsel von Arsenal zu Birmingham bewirkt, dass er regelmässig spielt, und Philippe Senderos zeigte gegen Holland deutlichen Aufwärtstrend. Er könnte bald wieder so stark sein wie vor der letzten WM.

Gerangel um Nummer 6

Ebenso beeindruckend wie Tranquillo Barnetta und Johan Vonlanthen auf den Flanken agierten im Schweizer Mittelfeld die beiden Scheibenwischer Gelson Fernandes und Gökhan Inler. Furchtlos, abgeklärt und kampfstark agierten sie wie zwei Routiniers, obwohl sie zusammen erst sieben Länderspiele auf dem Buckel hatten. Wenn auch Blerim Dzemaili noch rechtzeitig vor der EM fit werden sollte, wird auf der Nachfolge-Position von Johann Vogel künftig ein derartiges Gedränge herrschen, dass für Celestini, Huggel und Wicky schlicht kein Platz mehr frei ist.

Verwaiste Nummer 10

Noch nicht überzeugend besetzt scheint einzig die Nummer 10: Xavier Margairaz konnte am Mittwoch - wie früher schon Hakan Yakin und Ricardo Cabanas - den Beweis nicht erbringen, dass er der ideale Mann für diese Position ist. Vielleicht aber braucht es gar keinen offensiven Zentrumsspieler, wenn dahinter zwei Defensivleute stehen und sich Kuhn im Angriff auf zwei Stürmer festlegt? Mit Blaise Nkufo und Alex Frei verfügt er nun über zwei international erprobte Angreifer, die sich auch von der Spielart her gut ergänzen würden.

(si)

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