Aktualisiert 11.08.2009 13:38

FatahGenerationswechsel im Zentralkomitee

In der palästinensischen Fatah-Bewegung hat künftig eine neue Generation von jüngeren Politikern das Sagen. Nach der ersten Neuwahl der Führung seit 20 Jahren gehören nur noch vier der 18 Mitglieder des Zentralkomitees der alten Garde um Präsident Mahmud Abbas an, die vom Exil im Ausland geprägt wurde.

14 jüngere Funktionäre, die vielfach die besetzten Gebiete nie verlassen haben, wurden erstmals in das Gremium gewählt, wie aus vorläufigen Ergebnissen vom Dienstag hervorgeht.

«Mit dieser Wahl gibt es eine neue Zukunft für die Bewegung, eine neue demokratische Ära», sagte der ehemalige Sicherheitschef im Gazastreifen, Mohammed Dahlan, eines der neu gewählten Führungsmitglieder. Ebenfalls mit dabei ist der 50-jährige Marwan Barghuti, der in Israel inhaftiert ist und für die Abbas-Nachfolge als Präsident des palästinensischen Autonomierats im Gespräch ist. Der ehemalige Berater des verstorbenen Fatah-Chefs Jassir Arafat, Dschibril Radschub, sprach von einem «Schlag gegen eine Führung, die die Bewegung viel zu lange monopolisiert hat».

Auch der langjährige Unterhändler Sajeb Erakat wurde neu ins ZK gewählt. Ein grosser Teil der Welt warte darauf, dass die gemässigten Palästinenser ihre Autorität stärkten und wieder die Kontrolle über den Gazastreifen erlangten, sagte Erakat. Dieser Teil des Autonomiegebiets wird seit 2007 von der radikalislamischen Hamas regiert.

Hamas verhindert Teilnahme von Fatah-Delegierten

Mit neuen, pragmatischen Politikern in der Führung, die oftmals jahrelang in israelischen Gefängnissen waren, aber auch mit Israelis zusammengearbeitet haben und Hebräisch sprechen, wächst wieder die Hoffnung auf Frieden im Nahen Osten. So billigten die 2.300 Delegierten der Konferenz ein Konzept eines palästinensischen Staates an der Seite Israels, der durch friedliche Verhandlungen erlangt werden soll. Die Fatah behält sich aber auch das Recht vor, wieder zu den Waffen zu greifen, wenn die Verhandlungen scheitern sollten.

Ein grosser Hinderungsgrund für einen Frieden ist derzeit aber noch die Spaltung der Palästinenser und die Herrschaft der Hamas im Gazastreifen, der ebenfalls zu einem künftigen palästinensischen Staat gehören soll. Fatah-Delegierte aus dem Gazastreifen wurden von der Hamas am Verlassen des Gebietes gehindert und stimmten telefonisch ab. Hamas-Sprecher Mahmud Sahar äusserte aber die Hoffnung, dass mit der neuen Führung der Dialog wiederaufgenommen werden könne.

Das Zentralkomitee ist das Entscheidungsgremium der Fatah. Neben den 18 gewählten Mitgliedern werden vier weitere von Abbas ernannt. Ausserdem wählte der Parteitag in Bethlehem 80 der 120 Mitglieder im Revolutionsrat. Dazu lagen zunächst keine Ergebnisse vor. Der letzte Parteitag der Fatah fand unter Arafat 1989 in Tunis statt.

(dapd)

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