26.09.2020 16:13

Überflüssige StellenGeneriert die Kurzarbeit Zombie-Jobs in der Schweiz?

Kurzarbeit bewahrt viele Menschen in der Krise vor der Arbeitslosigkeit. Die Frage ist aber, ob dadurch zu viele Jobs erhalten bleiben und es 2021 zu einer Entlassungswelle kommt.

von
Barbara Scherer
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Viele Unternehmen leiden unter der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Massnahmen.

Viele Unternehmen leiden unter der Corona-Pandemie und den daraus folgenden Massnahmen.

KEYSTONE
Damit es nicht zu Massenentlassungen kommt, setzten viele Firmen auf Kurzarbeit.

Damit es nicht zu Massenentlassungen kommt, setzten viele Firmen auf Kurzarbeit.

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Laut «CNBC» werden in Europa aber viele Jobs nur dank Kurzarbeit erhalten. Es werden sogenannte Zombie-Jobs kreiert.

Laut «CNBC» werden in Europa aber viele Jobs nur dank Kurzarbeit erhalten. Es werden sogenannte Zombie-Jobs kreiert.

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Darum gehts

  • Kurzarbeit sorgt dafür, dass es keine Massenentlassungen gibt.
  • Gleichzeitig erhält das Instrument gewisse Jobs künstlich am Leben.
  • Auch in der Schweiz gibt es laut einem Ökonomen Zombie-Jobs.

Millionen von Menschen können in Europa dank Kurzarbeit ihren Job behalten. So sind allein in Grossbritannien, Frankreich, Italien, Spanien und Deutschland 45 Millionen Menschen von Kurzarbeit betroffen. Doch 9 Millionen davon sind laut «CNBC» sogenannte Zombie-Jobs.

Diese Stellen existierten nur dank Kurzarbeit überhaupt noch. Bis Ende 2021 würden diese Jobs gestrichen. Auch in der Schweiz gebe es in gewissen Sektoren Zombie-Jobs. «Das Problem ist hierzulande aber sicher weniger gross wie im Ausland», sagt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch zu 20 Minuten.

Unnötige Stellen in der Reise- und Event-Branche

Gerade in der Reise- und Event-Branche werden einige Jobs durch das veränderte Kundenverhalten oder die Digitalisierung verloren gehen. «Dort werden sicherlich einige Stellen durch die Kurzarbeit künstlich erhalten», sagt Minsch. So beanspruchten laut Staatssekretariat für Wirtschaft im Juni noch eine halbe Million Schweizer Kurzarbeit.

Allgemein sei der hiesige Arbeitsmarkt aber in den letzten Krisen bereinigt worden, so Minsch. «Seit 2015 fallen in der Schweiz jedes Jahr rund 10 Prozent der Jobs weg.» Gleichzeitig würden aber jedes Jahr mindestens gleich viele neue Stellen geschaffen. Dadurch verschwinden unnötige und veraltete Stellen laufend. Deshalb werde es auch nicht zu einer riesigen Entlassungswelle kommen.

Es wird weitere Entlassungen geben

Dass Jobs in der Schweiz nur dank Kurzarbeit erhalten bleiben, glaubt auch Arbeitgeberpräsident Valentin Vogt nicht: «Dafür ist die Schweizer Wirtschaft zu effizient unterwegs.» Weitere Entlassungen werde es in den nächsten Monaten aber geben.

Die Stellen würden als Folge von Sparmassnahmen gestrichen. Damit können die Unternehmen eine neue wirtschaftliche Basis finden: «Das bedeutet aber nicht, dass es diese Jobs bisher nicht gebraucht hätte», so Vogt.

Zustände wie in den USA

Die Unia findet die Diskussion rund um Zombie-Jobs daneben: «Es macht betriebswirtschaftlich keinen Sinn Mitarbeiter in Kurzarbeit zu behalten, um sie dann in einigen Monaten zu entlassen», sagt Sprecher Serge Gnos zu 20 Minuten.

Ob Unternehmen nach Ablauf der Kurzarbeit viele Mitarbeiter entlassen müssen, könne niemand genau voraussagen. «Fest steht, ohne Kurzarbeit hätten wir in der Schweiz Zustände wie in den USA», so Gnos. Dann würde es zu massiven wirtschaftlichen Einbrüchen kommen.

Was tun im Zombie-Job?

Mit Kurzarbeit können Unternehmen die Arbeitszeit der Angestellten vorübergehend reduzieren oder den Betrieb ganz einstellen. Mit der Massnahme sollen Arbeitsplätze in Krisenzeiten erhalten bleiben. Kurzarbeitsentschädigungen werden von der Arbeitslosenkasse ausgezahlt. Ob ein Job nur dank der Kurzarbeit weiterbestehe, würden die Betroffenen vielfach selber merken: «Jede Person in Kurzarbeit sollte sich überlegen, ob der eigene Job nach der Krise noch nötig ist», erklärt Economiesuisse-Chefökonom Rudolf Minsch. Man dürfe nicht vergessen, dass die Wirtschaft 2021 nicht mehr die gleiche sein werde wie 2019. Die Wirtschaftsstrukturen passten sich im Lauf der Zeit an. Wer nicht sicher sei, ob er nach der Kurzarbeit wieder an den alten Arbeitsplatz zurückkönne, solle sich jetzt schon eine Weiterbildung überlegen, so Minsch.

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791 Kommentare
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RedSea Diver

27.09.2020, 11:42

In unserem Staatsbetrieb spielte das Corona durch die vielen Oneliner ein Wachstum zu. Im eigentlichen Betrieb zwar abfallend, aber durch neue Arbeitsgebiete konnten viele Temporäre mit hohen Pensen eingestellt werden. Was mich jedoch erstaunte: 95% aller Bewerber waren ausländische Mitarbeiter. An alle die gegen die BGI sind, wieso melden sich keine Schweizer? 3 Schichten, Wochenende, das ist halt kein 08:00h - 17:00h Job und Körperlich auch noch anstrengend.

heno

27.09.2020, 10:38

bei uns ist es gleich. wir sind auch in kurzarbeit. wir haben noch ein paar wenige welche wir vor corona begonnen haben. neue aufträge kommen einfach nicht. sie sind nicht weg aber alles geschoben. wenn diese coronapanik nicht bald aufhört machen wir nächstes jahr auch dicht.und das hat nichts mit billiglohnkräften zu tun. wenn nix kommt kann man auch nix mehr bezahlen.

Andrea

27.09.2020, 10:10

Die Kurzarbeit spielt hauptsächlich den Arbeizgeber in die Hände. Das Risiko der Wirtschaftszyklen wird auf das gemeine Volk abgewählzt und wird mit Dteuergelder bezahlt. Die Unternehmer verdienen dann gleich doppelt... Und ich finde es eine riesige Unverschämtheit, dass gerade Economie Suisse solche Aussagen öffentlich kund tun, anstatt dem Volk danke sagen... Deshalb: klares Ja zur Begrenzungsinitiative