Antikörpertest – Genesene kommen jetzt per Webcam an ihr Zertifikat
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AntikörpertestGenesene kommen jetzt per Webcam an ihr Zertifikat

Ein Zürcher Start-up bietet Antikörper-Tests für zu Hause an. Dank Videoüberwachung soll Betrug ausgeschlossen werden. Ein Infektiologe ist skeptisch.

von
Christina Pirskanen
Daniel Graf
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Mit einem Antikörpertest können von Covid-19 Genesene seit Dienstag ein Covid-Zertifikat erlangen. 

Mit einem Antikörpertest können von Covid-19 Genesene seit Dienstag ein Covid-Zertifikat erlangen.

20min/Marco Zangger
Dieses ist für 90 Tage und nur in der Schweiz gültig. 

Dieses ist für 90 Tage und nur in der Schweiz gültig.

URS JAUDAS
Um den Antikörpertest durchführen zu können, sind ein paar Tropfen Blut nötig. 

Um den Antikörpertest durchführen zu können, sind ein paar Tropfen Blut nötig.

URS JAUDAS

Darum gehts

  • Seit Dienstag können ungeimpfte Schweizerinnen und Schweizer, die sich zuvor mit Covid-19 angesteckt haben, ein 90-tägiges Zertifikat beantragen.

  • Der dazu nötige Antikörper-Test kann auch zu Hause ausgeführt werden. Mittels Selfie-Video soll Betrug ausgeschlossen werden.

  • Infektiologe Andreas Cerny sagt, solche Informatik-Lösungen könnten sinnvoll sein. Der Kanton werde diese aber wohl genau prüfen.

Seit Dienstag können Genesene mithilfe eines positiven Antikörpertests ein Covid-Zertifikat erhalten. Dies beschloss der Bundesrat Anfang November. Ein solches Zertifikat ist 90 Tage gültig und auf die Schweiz beschränkt.

Von dieser neuen Bestimmung macht nun unter anderem auch das Zürcher Start-up Health Yourself Gebrauch: Im Netz werden Antikörper-Test-Kits für 89 Franken angeboten. Zusammen mit dem Schweizer Labor Synlab werden die Tests ausgewertet und bei positivem Ergebnis mit einem Covid-Zertifikat bestätigt. Unklar ist derzeit noch, wie hoch die Antikörperkonzentration im Blut sein muss, damit das Zertifikat ausgestellt wird. Auch international herrscht dazu noch kein Konsens (siehe unten).

«Riesen-Run auf Apotheken»

«In vielen Apotheken und bei Ärzten ist der Run auf Antikörpertests immens. Das macht es schwierig, noch einen Termin zu erhalten», sagt Anna Rosenkranz, CEO von Health Yourself. Hier will ihr Unternehmen Abhilfe schaffen: «Dank unseren Home-Sampling-Kits kann jede und jeder selbst zuhause einen Antikörpertest durchführen und diesen von einem Labor auswerten lassen. So kommen Genesene an ihr Zertifikat, ohne sich an Öffnungszeiten halten oder Termine vereinbaren zu müssen.»

Für den Test müssen einige Blutstropfen vom Finger entnommen werden. Danach verpackt man die Probe in einen Beutel, der versiegelt werden muss. «Einmal verschlossen, kann dieser nicht mehr geöffnet werden, ohne dass unser Partnerlabor das merken würde», sagt Rosenkranz. Ins Labor kommt das Blut per Post.

Dank Selfie-Video zum Zertifikat

Um sicherzustellen, dass niemand mogelt, geschieht alles vor laufender Kamera. «Bevor wir unserem Partnerlabor Bescheid geben, dass sie die Probe auswerten können, sichten wir jedes Video», sagt Rosenkranz. Auf diesem muss anhand einer in die Kamera gehaltenen ID die Identität der Person klar erkennbar sein. Ausserdem muss von der Probenentnahme bis zum Versiegeln des Beutels alles nahtlos dokumentiert sein. «Wir sind überzeugt, dass wir so eine unrechtmässige Ausstellung von Zertifikaten verhindern können», sagt Rosenkranz.

Aus wissenschaftlicher Sicht sind die Antikörper-Tests gemäss dem Tessiner Infektiologen Andreas Cerny eine sinnvolle Sache. Bei Do-it-yourself-Lösungen brauche es aber eine gewisse Regulierung: «Letztlich wird der Kanton, welcher die ausgestellten Zertifikate zu verantworten hat, die Hoheit darüber haben wollen.» Cerny kann sich deshalb vorstellen, dass die Gesundheitsbehörden Angebote wie jenes von Health Yourself noch genau unter die Lupe nehmen werden. «Wenn fälschlicherweise Zertifikate ausgestellt werden, muss schliesslich auch der Kanton dafür geradestehen.»

Antikörperkonzentration wirft Fragen auf

Gemäss Cerny lässt sich durch eine Corona-Infektion eine gute Immunisierung aufbauen. «Bei der Impfung bildet das Immunsystem nur Antikörper gegen das Spike-Protein. Das ist aber nur eines von über 25 Proteinen, welches das Virus abgibt und gegen die der Körper bei einer Infektion Antikörper bildet.» Wie hoch die Antikörperkonzentration im Blut sein muss, um einen guten Schutz zu haben, ist noch nicht klar. «Bei schon lange bekannten Krankheiten sind diese Werte breit abgestützt», sagt Cerny. Anders bei Covid-19: «Je nachdem, welches Labor man anfragt, heisst es, dass ein guter Schutz schon bei 50 BAU-Einheiten pro Milliliter erreicht sei oder erst bei 300.» Grosse Schwankungen können laut Cerny zum Problem werden: «Insbesondere, weil man weiss, dass der Impfschutz mit der Zeit abnimmt. Je nachdem in welchem Labor das Zertifikat ausgestellt wurde, könnten die Personen also unterschiedlich gut und lange geschützt sein.»

Bei Synlab heisst es auf Anfrage: «In Übereinstimmung mit dem BAG und mit den Empfehlungen der Schweizerischen Gesellschaft für Mikrobiologie vom zwölften November 2021 wird bei einem positiven Nachweis von anti-S1-IgG Antikörpern ein für die Schweiz 90 Tage gültiges Covid-Zertifikat ausgestellt.» Das Bundesamt für Gesundheit hat eine Stellungnahme für Mittwochmorgen in Aussicht gestellt. Fragen rund um Antikörper und Booster-Impfungen haben wir hier beantwortet.

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