Genf: Gefängnis droht aus allen Nähten zu platzen
Aktualisiert

Genf: Gefängnis droht aus allen Nähten zu platzen

Die Genfer Polizei hat am Dienstag wegen der überbelegten Strafanstalt Champ-Dollondie Alarmglocke gezogen.

Die Situation wirke sich belastend auf die Arbeit der Beamten aus. Auf gewisse Einsätze müsse aus Mangel an Haftplätzen verzichtet werden.

Die Genfer Polizei muss bei den Einsätzen jeweils eine strenge Auswahl treffen, wie Polizeichef Urs Rechsteiner vor den Medien sagte. Das hat Folgen: Laut Rechsteiner gerät die Moral der Truppe ins Wanken. Immer mehr Beamte hätten den Eindruck, dass kleine Delikte ungestraft bleiben.

«Es handelt sich um einen regelrechten Teufelskreis», sagte Rechsteiner bei der Präsentation des Jahresberichts 2004. Denn die Straflosigkeit von gewissen Delikten führe wiederum zu einer Erhöhung der Kleinkriminalität.

Wachsendes Unsicherheitsgefühl

Abgesehen von diesem Problem hat die Genfer Polizei in den letzten Jahren bei der Bevölkerung eine Zunahme des Unsicherheitsgefühls festgestellt. Eine Umfrage ergab, dass sich nach 22.00 Uhr immer mehr Menschen in der Stadt unsicher fühlen.

Eine Möglichkeit zur Verbesserung der Sicherheit liegt laut Polizeichef Rechsteiner in der Aufstockung des Personals. Im laufenden Jahr werde denn auch ein Akzent auf die Rekrutierung von neuen Polizeibeamten gesetzt. Seit 2004 sind in Genf auch einbürgerungswillige Ausländer mit Permis C zur Polizeiausbildung zugelassen.

In ihrer Jahresstatistik 2004 hat die Genfer Polizei im Vergleich zum Vorjahr eine Zunahme der Straftaten um 6 Prozent verzeichnet. 80 Prozent der Fälle stehen im Zusammenhang mit Eigentumsdelikten. 5766 Personen wurden im vergangenen Jahr in Genf verhaftet - gegenüber 5495 im Vorjahr.

(sda)

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