Genf: Krankenkassen wollen drei Aids-Kranke sterben lassen
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Genf: Krankenkassen wollen drei Aids-Kranke sterben lassen

In Genf ist die Behandlung von drei HIV-Positiven eingestellt worden, weil sie ihre Krankenkassenprämien nicht bezahlten. Die Krankenkassen weigerten sich, für die Medikamente aufzukommen.

Der Zahlungsstopp der Krankenkassen geht auf eine seit dem 1. Januar geänderte Verordnung zum Krankenversicherungsgesetz zurück, sagte Deborah Glejser von der Aids-Hilfe Genf. Diese sieht vor, dass ein Versicherer seine Zahlungen vorübergehend einstellen kann, wenn Prämien oder Kostenbeteiligungen nicht bezahlt wurden.

Medikamente verweigert

Das sei nicht akzeptabel, sagte Glejser am Freitag. Gesundheitsminister Pascal Couchepin habe bei der Änderung der Verordnung erklärt, Zahlungsunwillige und nicht -unfähige anzupeilen. Überlebenswichtige Behandlungen seien nicht gefährdet.

Konkret händigten Genfer Apotheken - gemäss Glejser gegen den eigenen Willen und auf Geheiss der Krankenkassen - den drei HIV- positiven IV-Rentnern ihre Medikamente für die anti-retrovirale Tritherapie nicht aus.

Einige Apotheken hätten die Medikamente sogar trotz anderslautender Anweisung abgegeben. Die Rechtsabteilung der Aids- Hilfe befasse sich nun mit den Fällen.

Schock bei der Aids-Hilfe Schweiz

Die Aids-Hilfe Schweiz reagierte empört auf die Ereignisse in Genf. Mediensprecher Thomas Lyssy sagte auf Anfrage der Nachrichtenagentur SDA, seines Wissens sei so etwas in der Schweiz bisher nicht vorgekommen. Jetzt erkundige sich die Aids-Hilfe bei ihren kantonalen Stellen nach ähnlichen Fällen.

Seiner Ansicht nach sei das Vorgehen der Krankenkassen in Genf rechtswidrig, fuhr Lyssy fort. Die Verordnung lasse eine Leistungseinstellung bei Betreibungen wegen nicht bezahlter Prämien zu. Die Kosten einer lebenswichtigen Behandlung müssten aber weiter übernommen werden.

Gefährlicher Behandlungsunterbruch

Die Tritherapie sei für Aids-Kranke und HIV-Positive ganz klar lebenswichtig, sagte Lyssy. Diese Kombinationstherapie kostet rund 2000 Franken im Monat.

Glejser sagte, ein Unterbruch der Tritherapie sei gefährlich. Die regelmässige Einnahme der Mittel sei unerlässlich. Ein Behandlungsunterbruch könne ein Wiedererstarken des Virus zur Folge haben, die Immunabwehr sinke und ziehe Folgekrankheiten nach sich. Zudem bestehe die Gefahr, dass das Virus gegen den Medikamentencocktail resistent werde.

Sozialdienste müssten Prämien übernehmen

Beim für die Krankenversicherung zuständigen Bundesamt für Gesundheit sagte Mediensprecher Daniel Dauwalder, solche Fälle seien Sache von Kantonen und Gemeinden. Sie müssten schauen, dass die Prämien bezahlt würden oder sie über ihre Sozialdienste übernehmen.

Ähnliche Töne beim Krankenversicherungsverband santésuisse: Seine Sprecherin Ursula Vogt sagte, laut Gesetz sei vorgesehen, dass die Sozialdienste informiert würden, wenn Patienten ihre Prämien nicht mehr bezahlen könnten. Zu Unterbrüchen in der Behandlung sollte es nicht kommen. (sda)

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