Spengler Cup: Genf stemmt den Pokal zum zweiten Mal in Folge
Aktualisiert

Spengler CupGenf stemmt den Pokal zum zweiten Mal in Folge

Servette feiert seinen zweiten Spengler-Cup-Triumph! Chris McSorleys Team bezwingt Ufa im Final 3:0 und ist seit 2003 das erste Team, das den Turniersieg verteidigt.

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Mittwoch, 31. Dezember 2014:Servette kann seinen Spengler-Cup-Triumph vom Vorjahr wiederholen, verteidigt damit den Titel und dies bei der erst dritten Teilnahme. Genf schlägt Ufa im Final 3:0.

Mittwoch, 31. Dezember 2014:Servette kann seinen Spengler-Cup-Triumph vom Vorjahr wiederholen, verteidigt damit den Titel und dies bei der erst dritten Teilnahme. Genf schlägt Ufa im Final 3:0.

Keystone/Peter Schneider
Genf spielt nicht das attraktivste, aber das erfolgreichste Eishockey. Taktikfuchs Chris McSorley stellt seine Mannen perfekt auf die Gegner ein.

Genf spielt nicht das attraktivste, aber das erfolgreichste Eishockey. Taktikfuchs Chris McSorley stellt seine Mannen perfekt auf die Gegner ein.

Keystone/Peter Schneider
Ufa kommt im Final nicht an seine Leistungsgrenze heran und scheint das zusätzliche Viertelfinal-Spiel in den Knochen zu spüren.

Ufa kommt im Final nicht an seine Leistungsgrenze heran und scheint das zusätzliche Viertelfinal-Spiel in den Knochen zu spüren.

Keystone/Peter Schneider

Genf-Servette ist beim Spengler-Cup weiterhin unschlagbar gut. Die imposanten Romands besiegten den chancenlosen KHL-Klub Salawat Ufa 3:0 und wiederholten ihren Turnier-Coup vom Vorjahr.

Mit dem zweiten Triumph in Folge erreichten die Romands die uralte Marke der ZSC Lions, die 1945 als bislang einzige Schweizer Equipe neben dem Gastgeber HCD ebenfalls eine Cup-Doublette zelebrierten. Und die Grenats setzten eine weitere verblüffende Tradition fort: Auch in der fünften Begegnung mit einem Vertreter der besten Liga Europas in Serie waren sie nicht zu stoppen.

Siegesserie geht weiter

Servette hat beim weltweit wichtigsten Klub-Turnier auf allen Ebenen Massstäbe gesetzt. Innerhalb von etwas mehr als zwölf Monaten und acht Spielen sind sie im Kurort verlustpunktlos. Derweil Jokerit im Rahmen seiner sieben Teilnahmen in 21 Jahren nur acht Siege erreichte, waren die Servettiens in zehn von zwölf Fällen erfolgreich.

Chris McSorley, seit Jahren ein glühender Befürworter des Spengler-Cups, hat seinen Klub zur TV-Primetime wunderbar positioniert. In der NLA kämpfte das Team zuletzt mit einigen Problemen, beim Turnier mit über 99-prozentiger Stadionauslastung (68'934 Zuschauer) gewann Genève-Servette indes beim Publikum unzählige Sympathiepunkte.

Rubins entscheidendes 2:0

Im Vergleich zur mitreissenden ersten Spielhälfte gegen das Team Canada (5:0 nach 31 Minuten) dosierte Genève-Servette das Risiko gegen den unberechenbaren Herausforderer Salawat zunächst. Aber bei der ersten Gelegenheit packte Arnaud Jacquemet in der 23. Minute zu. Mit dem 1:0 wuchs das Selbstverständnis der Genfer weiter an, derweil Ufas Energie spürbar schwand.

Das wegweisende 2:0 markierte Daniel Rubin im Powerplay. Der Stürmer steht exemplarisch für den Spirit Genfs. In Bern war er nahezu von der Bildfläche verschwunden, seit seiner Rückkehr an den Lac Léman blüht der energische Flügel wieder auf. Er gehört auch zu jener Fraktion, welche die Exhibition als Chance betrachtet, um zu zeigen, «dass wir nicht nur immer die Bösen sind, sondern auch gutes und erfolgreiches Hockey spielen können», wie er unlängst betonte. Den Schlusspunkt setzte Taylor Pyatt. Der Saurier mit der Erfahrung von 928 NHL-Partien raubte den Russen mit seinem fünften Skorerpunkt die letzte Hoffnung auf eine späte Wende.

Genfer Derniere?

Mit einer dritten Genfer Turnierauftritt in Folge ist 2015 eher nicht mehr zu rechnen. McSorley schwebt vor, andernorts und beispielsweise in der Champions Hockey League Akzente zu setzen. Neue Impulse gehören beim kanadischen Strategen der Westschweizer Organisation zum Erfolgsprogramm. «Der grösste Feind eines Teams ist der Status quo», erklärte der Coach in einem Interview mit dem «Tages-Anzeiger».

Turnierchef Fredi Pargätzi mochte am letzten Tag des Jahres noch nicht allzu sehr spekulieren und beantwortete entsprechende Fragen mit der Diplomatie des Veranstalters: «Selbstverständlich steht es dem Sieger zu, seinen Titel verteidigen zu können. Ob Genf unsere Einladung dann auch wirklich annehmen wird, ist aber offen.»

Pargätzi nahm die Westschweizer abermals «als wunderbare Botschafter» wahr, die ihre Rolle perfekt spielten. Auch der zweite Finalist habe überzeugt: «Die Russen wurden mir im Vorfeld etwas zu negativ dargestellt.» Jokerit hingegen hätte auch der Mister Spengler-Cup kompetitiver erwartet: «Helsinki ist für mich derzeit eines der besten Teams von Westeuropa. Ich hätte sie gerne länger im Turnier gesehen.»

Die Tirade von Boucher

Das Out im spektakulären Halbfinal gegen Genf (5:6) verdauten einige Kanadier nicht. Wegen einer späten Bankstrafe (unkorrekter Wechsel) rastete Guy Boucher nach Spielende aus. Der Headcoach des SCB beschimpfte die beiden NLA-Referees Eichmann und Kurmann in übler Form. «Ihr seid verdammte Idioten», brüllte der Ex-NHL-Trainer vor den TV-Kameras.

Die unschönen Szenen wurden inzwischen auch in der Heimat Bouchers thematisiert. Auf der Homepage des US-Senders «CBS Sports» schilderte ein Reporter den Tobsuchtsanfall des 43-Jährigen im Detail. Im Championat hat der Berner Trainer indes nichts zu befürchten. Schiedsrichter-Chef Beat Kaufmann bedauert den Vorfall zwar, solche Auftritte seien nicht imagefördernd, aber unternehmen könne die Liga nichts: «Juristisch können wir diesen Fall nicht behandeln, weil der Spengler-Cup ein Turnier mit einem eigenständigen Rechtspflegereglement ist.»

Zum Liveticker im Popup

Salawat Ufa - Genève-Servette 0:3 (0:0, 0:2, 0:1)

6300 Zuschauer (ausverkauft). - SR Kurmann/Nicholson (Ka), Fluri/Tscherrig.

Tore: 23. Jacquemet (Tom Pyatt/Ausschlüsse Gerber; Kulda, Chlystow) 0:1. 35. Rubin (Almond, Loeffel/Ausschluss Kutusow) 0:2. 50. Taylor Pyatt (Tom Pyatt, Rubin) 0:3.

Strafen: je 5mal 2 Minuten.

Salawat Ufa: Irving; Heikkinen, Kulda; Wasilewski, Kutusow; Subarjew, Wischnewski; Lekomsew; Hartikainen, Gluchow, Slepyschjew; Golowanow, Chlystow; Dubrowski; Pihlström, Kaigorodow, Pankow; Semin, Mereskin, Tolpeko; Skatschkow.

Genève-Servette: Schwendener; Loeffel, Mercier; Vukovic, Iglesias; Antonietti, Bezina; Bouillon; Rubin, Tom Pyatt, Taylor Pyatt; Jacquemet, Romy, Picard; Pestoni, Lombardi, Almond; Wick, Kast, Gerber; Traber.

Bemerkungen: Genève-Servette ohne Mayer (rekonvaleszent), D'Agostini (beide verletzt), Trutmann, Rivera, Untersander, Douay (alle überzählig), Rod, Descloux (beide U20-WM), Ranger (nicht im Aufgebot). 53. Timeout von Genève-Servette. 59. (58:12) Timeout von Salawat Ufa, danach ohne Goalie. (si)

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