Dingdong?: Genfer erhält Busse, weil seine Standuhr zu laut ist
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Dingdong?Genfer erhält Busse, weil seine Standuhr zu laut ist

Mit dem Einzug neuer Nachbarn kamen für einen 70-jährigen Genfer die Probleme. Weil seine Pendeluhr klingt, «als stehe man in einer Kirche», muss er jetzt eine Busse zahlen.

von
vro
Manche erben sie, manche sammeln sie. Einem Genfer bescherte seine Standuhr jetzt einen Nachbarschaftsstreit.

Manche erben sie, manche sammeln sie. Einem Genfer bescherte seine Standuhr jetzt einen Nachbarschaftsstreit.

Ganze 53 Jahre lang hat sie dem Genfer treue Dienste geleistet: Die Standuhr, die der Mann 1962 von seinem Grossonkel geerbt hatte. Jetzt ist sie Ursache eines Nachbarschaftsstreits. Mitte September wurde sie gar stillgelegt. Und der Genfer sitzt jetzt auf einer Busse von 350 Franken. Bezahlt er diese nicht, muss er zwei Tage ins Gefängnis, erzählt er «Le Matin».

Angefangen hat alles im Sommer 2014. Bis dahin lebte der Mann mit seiner Standuhr in seiner Genfer Wohnung, ohne dass sich jemand beklagte. Doch dann zogen neue Nachbarn in das Haus aus den 50er-Jahren. «Von der ersten Nacht an war es der Horror», sagen diese der Zeitung. «Im Schlafzimmer hatte man das Gefühl, man stehe in einer Kirche. Es war unerträglich.» Die Pendeluhr mache einen «ohrenbetäubenden Lärm», es handle sich «nicht einfach um eine Uhr, die ticke».

Polizei überzeugte sich selbst

Die Nachbarn geben an, mit dem Besitzer der Standuhr das Gespräch gesucht zu haben. «Vergeblich. Deshalb mussten wir die Polizei rufen. Nur weil die früheren Nachbarn nichts gesagt haben, müssen wir nicht auch schweigen. Es gibt Gesetze», sagen die schlafgeplagten Anwohner.

Und diese Gesetze besagen, dass Nachbarn zwischen 22 und 7 Uhr nicht belästigt werden dürfen. Auch Lärm oder Musik dürfen ausserhalb der Wohnung nicht hörbar sein. Dass sich der 70-Jährige nicht daran hält, davon wollte sich die Polizei selbst überzeugen und schickte am 24. August zwei Beamte pünktlich für den 22-Uhr-Schlag zum Haus der Streithähne. Tatsächlich: Das Glockenspiel war zu hören.

Streit ist «lächerlich»

«Am nächsten Tag schrieben sie deshalb eine Anzeige wegen Lärmbelästigung», erklärt Silvain Guillaume-Gentil, Sprecher der Genfer Polizei, der Zeitung. Diese Belästigung beziehe sich auf ein «exzessives Glockenspiel, das die öffentliche Ruhe stört». Dem Mann wurde eine Busse von 250 Franken ausgestellt. Weil er diese nicht bezahlen wollte, wurde sie auf 350 Franken erhöht.

Für den Besitzer ist die Angelegenheit «lächerlich», wie er sagt. Zudem beklagt er sich seinerseits über laute Geräusche der Nachbarn. Eine Mediation zwischen den beiden Parteien wurde ausgesetzt. Währenddessen läuft auch für die Uhr die Zeit weiter. Davon trennen will sich der Besitzer keinesfalls. Könnte er auch nicht, würde er es wollen: Das Testament des Grossonkels verbietet es ihm.

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