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Arbeitslos im KnastGenfer Häftlinge werden fürs Nichtstun bezahlt

Weil die Genfer Gefängnisse überfüllt sind, hat nicht jeder Insasse einen Arbeitsplatz. Trotzdem bekommen sie ein Entgeld von bis zu 18 Franken pro Tag. Genfer Politiker wittern einen Skandal.

von
ame

«Unter sich sagen sie, dass sie arbeitslos sind – und lachen», berichtet ein Gefängniswärter einer Genfer Strafvollzugsanstalt. «Darüber hinaus werden sie dafür noch entlöhnt. Das ist doch verkehrte Welt», doppelt ein zweiter Wärter nach. Im «Le Matin» sagen sie, dass es aufgrund der hohen Zahl an Gefangenen nicht mehr genug Arbeitsplätze in den Werkstätten der Genfer Gefängnisse gäbe. Trotzdem erhalten sie 15 bis 18 Franken Lohn pro «Arbeitstag» – das entspricht knapp dem Lohn, den ein tatsächlich arbeitender Insasse pro Tag verdient.

Jean-Pierre Bissat, Mitarbeiter beim Amt für Strafvollzug in Genf, bestätigt. «Wenn die Strafvollzugsanstalt dem Gefangenen keine Stelle anbieten kann, bekommt er Geld als Ersatz.» Wie viele Personen in Genf diese Leistung in Anspruch nehmen, könne man nicht sagen. Für den Genfer CVP Politiker Fabiano Forte ist jeder einzelne einer zu viel. «Jede Arbeit soll entlöhnt werden – ohne Arbeit kein Lohn» Er hoffe, dass in den entsprechenden Gefängnissen genug Arbeitsplätze für alle Insassen geschaffen würden.

Auch Roger Golay, Präsident der Genfer Partei MCG, übt Kritik. «Diese Situation ist skandalös und inakzeptabel.» Die Gefangenen würden ja bereits kostenlose medizinische und zahnärztliche Versorgung, Nahrung und Logis erhalten. Golay macht noch auf einen weiteren problematischen Punkt aufmerksam. «In einem Monat können arbeitslose Insasse mehr als 500 Franken verdienen.» Dieser Betrag möge unbedeutend erscheinen, in anderen Ländern wie Westafrika, wo das durchschnittliche Gehalt bei etwa 50 Franken pro Monat liege, sei dies aber viel Geld. So könne das Gefängnis schnell zum Paradies werden.

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