Ausschlussverfahren: Genossenschaft will kritische Mieter rauswerfen

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AusschlussverfahrenGenossenschaft will kritische Mieter rauswerfen

In einem einmaligen Akt will der Sunnige Hof sechs Mitglieder ausschliessen. Der Schweizer Dachverband unterstützt das Vorgehen.

Aus dieser Zürcher Genossenschaft sollen sechs Mitglieder ausgeschlossen werden: Sunnige Hof in Schwamendingen.

Aus dieser Zürcher Genossenschaft sollen sechs Mitglieder ausgeschlossen werden: Sunnige Hof in Schwamendingen.

Foto: Andrea Zahler/Tamedia

Die Genossenschaft Sunnige Hof will sechs Mitglieder ausschliessen und damit aus ihren Wohnungen werfen. Den unbequemen Mitgliedern droht der Ausschluss, weil sie gegenüber dem Verwaltungsrat Vorwürfe erhoben haben, etwa fehlende Transparenz und zu hohe Ausgaben, wie der «Tages-Anzeiger» berichtet. Die Genossenschaft Sunnige Hof wehrt sich gegen diese Vorwürfe, hält sich auf Anfrage allerdings sehr grundsätzlich: Wer dem Ansehen der Genossenschaft schade, kann laut Statuten ausgeschlossen werden.

Eine Ausschlussklausel haben die meisten Genossenschaften in ihren Statuten. Angewendet wird diese allerdings nur höchst selten. Damit eskaliert nun ein Zwist zwischen Mitgliedern und dem Vorstand, der schon Jahre andauert. Brisant dabei: Absender der schriftlichen Ausschlussdrohung ist der Dachverband der Wohnbaugenossenschaften (WBG) Schweiz, schreibt die Zeitung weiter. Dessen Rechtsdienst führt das Verfahren im Auftrag vom Sunnigen Hof. Pro Stunde verrechnet der Verband für diese Dienstleistung 220 Franken.

«Ein Missverständnis»

Bei der Zürcher Sektion des WBG ist man über die Rolle des nationalen Dachverbands nicht gerade erfreut, wie mehrere voneinander unabhängige Personen bestätigen. In Gesprächen hätten die Zürcher gegenüber dem Dachverband ihren Unmut kundgetan. Öffentlich darüber sprechen will man allerdings nicht. Der Zürcher Präsident hat nach einem längeren Telefongespräch seine Zitate für den Artikel des «Tages-Anzeigers» zurückgezogen.

Der Schweizer Verband äussert sich aufgrund der Schweigepflicht inhaltlich nicht zum Ausschluss. Eine Pressesprecherin hält aber fest: «Entstünde der Eindruck, der Verband würde das Verfahren von sich aus führen, wäre das zweifellos ein Missverständnis.»

Die Verwaltungsratspräsidentin des Sunnigen Hofs will nichts zum laufenden Verfahren sagen. Ebenso liessen die betroffenen Genossenschafter Anfragen unbeantwortet.

(chk)

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