Aktualisiert 18.12.2008 12:56

RuandaGenozid: Bagosora muss lebenslang hinter Gitter

Der frühere ruandische Verteidigungschef Theoneste Bagosora ist als Drahtzieher des Völkermords von 1994 zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Das UN-Sondertribunal für Ruanda sprach den 67-Jährigen des Genozids schuldig, bei dem innerhalb von hundert Tagen hunderttausende Tutsi und gemässigte Hutu umgebracht wurden.

Bagosora habe Waffen verteilt und militante Angehörige der Volksgruppe der Hutu, darunter die berüchtigte Interahamwe-Miliz, in ihren Gräueltaten dirigiert, erklärte die Vorsitzende Richterin Monica Weinberg de Roca. Er habe auch seine Position genutzt, um Hutu-Soldaten anzuweisen, Tutsi zu töten, sagte Richter Erik Moses. Der ehemalige Direktor des ruandischen Verteidigungsministeriums wurde ausserdem für den Tod der früheren Ministerpräsidentin Agathe Uwilingiyimana und von zehn belgischen UN-Soldaten verantwortlich gemacht.

Ebenso wie der einstige Verteidigungschef müssen die ehemaligen Militärkommandeure Anatole Nsegiyumva und Alloys Ntabakuze wegen Völkermords und Verbrechen gegen die Menschlichkeit lebenslang in Haft. Der frühere Chef der militärischen Operationen, Gratien Kabiligi, wurde von allen Vorwürfen freigesprochen.

Bagosora hatte die gegen ihn erhobenen Vorwürfe in dem vor mehr als sechs Jahren eröffneten Prozess als bösartige Anschuldigungen zurückgewiesen. Er galt während des Genozids als Machthaber über die Streitkräfte und als derjenige, der die politischen Angelegenheiten des ostafrikanischen Landes kontrollierte, nachdem Präsident Juvenal Habyarimana beim Abschuss seines Flugzeuges am 6. April 1994 ums Leben kam. Einen Tag nach dem tödlichen Angriff auf Habyarimana begann das Massaker in Ruanda.

In einem weiteren Verfahren wurde am Donnerstag ein Ruander wegen Organisation eines Massakers, bei dem hunderte Tutsi getötet wurden, zu 20 Jahren Haft verurteilt.

(dapd)

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