Studie beweist: Gentech schadet der Gesundheit nicht
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Studie beweistGentech schadet der Gesundheit nicht

Die Skepsis gegenüber gentechnisch veränderten Pflanzen ist gross. Zu Unrecht, wie eine Schweizer Studie jetzt zeigt. Weder beim Menschen noch bei der Umwelt würden Schäden entstehen.

Aus wissenschaftlicher Sicht spricht nichts dagegen, in der Schweiz gentechnisch veränderte Pflanzen anzubauen. Zu diesem Schluss kommt ein Nationales Forschungsprogramm. Die Verantwortlichen gehen einen Schritt weiter und empfehlen, den Anbau zuzulassen.

Während fünf Jahren befassten sich Forscherinnen und Forscher mit dem Nutzen und den Risiken gentechnisch veränderter Pflanzen. Am Dienstag hat der Schweizerische Nationalfonds nun dargelegt, welche Schlüsse er aus den 30 Forschungsprojekten des NFP 59 zieht. Die Hauptaussage: Das Gentech-Verbot lässt sich wissenschaftlich nicht rechtfertigen.

«Die Politik muss sich fragen, ob sie den Entscheid nicht dem Markt überlassen will», sagte Politikwissenschaftler Thomas Bernauer vom Nationalen Forschungsrat vor den Medien in Bern. Eine Sonderbehandlung gentechnisch veränderter Pflanzen erweise sich zunehmend als fragwürdig. Dies sei kein Plädoyer für die Gentechnik, sondern das Resultat einer nüchternen Analyse.

Keine Gefahr für Gesundheit und Umwelt

Die Forschenden sind zum Schluss gekommen, dass gentechnisch veränderte Pflanzen nach derzeitigem Wissensstand weder der menschlichen Gesundheit noch der Umwelt schaden. In eigenen Untersuchungen an Weizen, Mais und Erdbeeren konnten sie keine negativen Auswirkungen auf nützliche Insekten, Mikroorganismen oder die Bodenfruchtbarkeit feststellen.

Auch die Analyse von über Tausend wissenschaftlichen Publikationen ergab keine Hinweise auf Schäden. Wo unerwünschte Effekte aufträten, seien diese nicht eine Folge der Gentechnik selbst, sondern vielmehr auf mangelhafte landwirtschaftliche Praktiken wie Monokulturen zurückzuführen, heisst es im Schlussbericht.

Konsumenten wollen nicht

Die NFP-Untersuchungen zeigten allerdings auch, dass nur rund ein Viertel der Konsumentinnen und Konsumenten bereit wäre, Lebensmittel zu kaufen, die mit Hilfe der Gentechnik hergestellt wurden.

Michael Siegrist vom Institut für Umweltentscheidungen der ETH Zürich führt dies darauf zurück, dass Gentech-Produkte für die Konsumenten noch keinen direkten Nutzen haben. «Die Produkte sind nicht billiger und schmecken nicht besser», gab er zu bedenken. Ändere sich dies, könnte auch die Akzeptanz zunehmen.

Koexistenz möglich, aber teuer

Sicher ist aber, dass die Konsumentinnen und Konsumenten die Wahl haben möchten zwischen Produkten mit und ohne Gentechnik: Über 80 Prozent sprachen sich für die Wahlfreiheit aus. Ob diese überhaupt zu gewährleisten wäre, war eine der Fragen, die der Bundesrat beantwortet haben wollte. Inzwischen ist eine gesetzliche Regelung der Koexistenz in Arbeit.

Die Wissenschaft gab grünes Licht: Laut den Forscherinnen und Forschern ist die Koexistenz landwirtschaftlicher Anbauformen mit und ohne Gentechnik auch in der kleinräumigen Schweiz möglich. Das Nebeneinander kostet aber - unter anderem wegen der Isolationsabstände zwischen den Feldern und der Trennung der Warenflüsse.

Nutzen für die Bauern gering

Damit stellt sich die Frage, ob der Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen denn auch rentabel wäre. Im Zentrum stehe nicht mehr die Risiko-Diskussion, stellte Bernauer fest. Im Moment hielten sich der finanzielle Zusatznutzen gentechnisch veränderter Pflanzen und die Kosten ungefähr die Waage. Die Kosten könnten sinken, wenn sich Landwirtschaftsbetriebe absprechen und zu Produktionszonen zusammenschliessen würden.

Der Nutzen für die Bauern wäre derzeit laut den Forscherinnen und Forschern zwar relativ gering. Dies könnte sich jedoch ändern - dann etwa, wenn gentechnisch veränderte Pflanzen angebaut würden, denen bestimmte Krankheitserreger nichts anhaben können.

Öko-Beiträge auch für Gentech

All dies führt die NFP-Verantwortlichen zum Schluss, die Schweiz sollte den Markt über die Wettbewerbsfähigkeit von gentechnisch veränderten Pflanzen entscheiden lassen.

Damit der Wettbewerb nicht verzerrt wird, dürften die gentechnisch veränderten Pflanzen aber bei den Direktzahlungen nicht diskriminiert werden, fordern sie. Gentech-Pflanzen könnten zu einer nachhaltigen, ökologischen Landwirtschaft beitragen, sagte Dirk Dobbelaere, der Präsident der NFP-Leitungsgruppe.

Moratorium für kurze Zeit verlängern

Das Moratorium für den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen, dem Volk und Stände 2005 zugestimmt hatten, galt bis 2010. In der Folge wurde es um drei Jahre verlängert, um die Resultate des Forschungsprogramms abzuwarten. Im November läuft es aus.

Der Bundesrat möchte das Verbot für eine gewisse Zeit verlängern, um den Anbau gentechnisch veränderter Pflanzen gesetzlich zu regeln. Eine solche Verlängerung ist auch aus Sicht der Forscherinnen und Forscher möglich. Hingegen würde eine langfristiges Verbot eine Änderung der Bundesverfassung erfordern. (sda)

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