Gentests bei künstlicher Befruchtung erlaubt

Aktualisiert

Gentests bei künstlicher Befruchtung erlaubt

Der Nationalrat will die Präimplantationsdiagnostik (PID) künftig zulassen. Mit 92 zu 63 hiess die Grosse Kammer nach einer emotionalen Debatte eine entsprechende Motion gut.

Die PID, die bereits Ende der 80er-Jahre eingesetzt wurde, erlaubt es, bei durch In-vitro-Fertilisation erzeugten Embryonen im Acht- oder 16-Zell-Stadium eine Zelle herauszulösen und diese hinsichtlich ihrer genetischen Eigenschaften zu untersuchen, wie Kommissionssprecher Johannes Randegger (FDP/BS) sagte. Mit dem Verbot der PID stehe die Schweiz in Europa und auch weltweit isoliert da, zusammen Deutschland und Italien. In elf europäischen Ländern werde die PID zugelassen und weltweit seien Tausende von Kindern nach PID gesund geboren worden. Es sei nicht einsichtig, warum die Pränataldiagnostik in der zwölften Schwangerschaftswoche zulässig sein solle, die Präimplantationsdiagnostik am Embryo aber nicht, sagte Felix Gutzwiller (FDP/ZH), der die Forderung nach einer Aufhebung des Verbotes eingebracht hatte.

Der Graben zwischen Befürwortern und Gegner verlief quer durch die Parteien. Hinter die Aufhebung des Verbotes stellten sich die FDP, eine Mehrheit der SVP sowie Minderheiten der SP und der Grünen. Es gehe nicht darum, die Tür zur Eugenik zu öffnen, sagte Christine Egerszegi (FDP/AG). Missbräuche müssten durch klare Leitplanken verhindert werden. Mehrmals erwähnt wurde auch die positive Stellungnahme der Nationalen Ethikkommission zur PID. Auch Bundesrat Pascal Couchepin stellte sich hinter eine Aufhebung.

Die Gegner kritisierten, das Verbot sei bei der Abstimmung im Jahr 2000 ein entscheidendes Argument gegen die restriktive Volksinitiative «für eine menschenwürdige Fortpflanzung» gewesen. Nur knapp vier Jahre nach der Inkraftsetzung des Gesetzes solle das Ganze schon wieder geändert werden, obwohl es keine grundlegend neue Situation gebe. Zu den klaren Gegnerinnen zählte die CVP. Die PID sei ein Einfallstor für eugenische Überlegungen. Mit der Aufhebung würde Tür und Tor für Missbräuche geöffnet, sagte Brigitte Häberli-Koller (CVP/TG). Es gebe kein Recht auf ein gesundes Kind, und auf ein massgeschneidertes Kind schon gar nicht. Auch eine Mehrheit der SP stemmte sich gegen die Abschaffung des Verbotes. Damit würde menschliches Leben unter Vorbehalt erzeugt und einer vorsätzlichen Qualitätskontrolle unterzogen, sagte Hans Widmer (SP/LU). Die Hemmschwelle für eine Selektion dürfe nicht verschoben werden, forderten die Grünen. Die PID sei eine Ohrfeige für alle Behinderten, hiess es bei der EDU/EVP-Fraktion. Sie werde zudem mittelfristig die Gesundheitskosten weiter in die Höhe treiben. (dapd)

Deine Meinung