Aktualisiert 21.11.2017 14:18

Strafgericht Zug«Genügend Stoff für einen Fernsehkrimi»

Vor dem Zuger Strafgericht stand heute ein Paar, das versucht haben soll, den Ehemann der Frau umzubringen. Die Beschuldigten streiten alles ab.

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dag
Vor dem Zuger Strafgericht steht ein Liebespaar, das den Ehemann der Frau aus dem Weg räumen wollte.

Vor dem Zuger Strafgericht steht ein Liebespaar, das den Ehemann der Frau aus dem Weg räumen wollte.

20 Minuten

In tausenden von Chats hatten die beiden Beschuldigten ihren Tötungsplan detailliert abgesprochen – vor dem Strafgericht Zug stritten sie am Montag alles ab: Die Nachrichten seien falsch interpretiert worden. Die Hauptverhandlung wird am Dienstag mit den Verteidiger-Plädoyers fortgesetzt.

Bei den Beschuldigten handelt es sich um eine 39-jährige Frau und einen 46-jährigen Mann, zum Zeitpunkt der Tat in den Jahren 2015 und 2016 ein Liebespaar. Sie wollten gemäss Anklage den heute 51-jährige Ehemann der Frau beseitigen.

Der Fall biete «genügend Stoff für einen Fernseh-Krimi», sagte der Staatsanwalt in seinem Plädoyer. Die beiden Beschuldigten hätten einen «perfiden Plan» geschmiedet. Der Schweizer Ehemann sollte sterben, damit die Frau ihn beerben könnte - zuvor aber wollte sich die Ökonomin aus Rumänien noch ihre erleichterte Einbürgerung in der Schweiz sichern.

Im August 2016 flog der Plan auf, «weil die Beschuldigten zu geldgierig waren», so der Staatsanwalt. Die Frau hatte ihrem Schweizer Liebhaber, einem glücklosen Gastrounternehmer, die Kreditkarten-Daten ihres Ehemannes gegeben. Er gab damit mehrere tausend Franken aus. Daraufhin reichte der Geschädigte wegen Kreditkartenmissbrauchs Anzeige gegen Unbekannt ein - die Ermittler kamen auf den Beschuldigten.

Kompromittierende Chats

Dieser stiess die Polizisten förmlich auf das Mordkomplott: Er behauptete nämlich, er sei berechtigt, die Kreditkarte zu benutzen - dies gehe aus verschiedenen WhatsApp-Chats auf seinem Handy hervor. Die Polizei überprüfte zehntausende Kurznachrichten und entdeckte die Konversationen über die Mordpläne.

Über ein Jahr lang beschaffte der Mann demnach über eine Krankenschwester, mit der er ebenfalls liiert war, Schmerzmittel und andere Medikamente. Diese mischte die Frau ihrem Ehemann in immer höheren Dosen in die Getränke. Dabei nutzten sie bewusst die Tatsache aus, dass der Mann aufgrund seines Alkoholkonsums eine bereits geschädigte Leber hatte und ohnehin regelmässig Tabletten einnahm.

Eine im Lauf der Untersuchungen vorgenommene Haaranalyse durch das Zürcher Institut für Rechtsmedizin ergab derart hohe Konzentrationen des Schmerzmittel-Wirkstoffs, dass die Geräte für genaue Messungen nicht genügten, wie der Staatsanwalt ausführte.

Sterbehilfemittel? «Cooool!»

In der Verhandlung wurden den Beschuldigten zahlreiche Chats vorgelegt. So schrieb der Beschuldigte etwa, er könne möglicherweise ein Mittel bekommen, das von Sterbehilfe-Organisationen verwendet werde.

Die WhatsApp-Reaktion der Frau: «Wowwwww! Cooool!» Sie wolle ihrem Mann das Mittel in Zypern geben - dort seien die Untersuchungen wohl weniger genau als in der Schweiz. In Zypern weilte das Ehepaar oft monatelang in einer eigenen Wohnung.

«Nicht ernst gemeint»

Obwohl solche eindeutigen Chats die beiden schwer belasteten, stritten sie vor Gericht alles ab. Das sei alles nicht ernst gemeint gewesen, behauptete die Frau. Sie habe gegen den Beschuldigten «etwas in der Hand haben wollen» - für den Fall, dass ihrem Ehemann «etwas passieren sollte».

Der Beschuldigte gab sich seinerseits besorgt um die Gesundheit des Ehemannes. Er habe der Frau Ratschläge erteilt, wie dessen Schmerzen gelindert werden könnten. Die Frau habe es mit dem trinkenden Mann nicht immer leicht gehabt, und er habe sie unterstützt, «wenn ihr die Decke auf den Kopf fiel».

In seinem Plädoyer bezeichnete der Staatsanwalt den Beschuldigten als treibende Kraft bei den Mordplänen, die Frau als Mittäterin. Aus «verwerflichen Beweggründen» und «heimtückisch» hätten sie «alles getan, um den Tod des Ehemanns zu erwirken» - ein klarer Fall von Mord. Nur durch Zufall sei der Plan aufgeflogen, so dass es beim Versuch blieb.

Der Ankläger forderte für beide Freiheitsstrafen von je zehn Jahren wegen versuchten Mordes. Allenfalls sollten sie wegen Vorbereitungshandlungen zu Mord zu je fünf Jahren verurteilt werden. Den Mann beschuldigte er zudem des Betrugs und anderer Delikte und forderte dafür eine bedingte Geldstrafe und eine Busse. In diesen Sachen ist der Beschuldigte geständig.

Der Ehemann, ein gesundheitlich schwer angeschlagener Alkoholiker, hält übrigens nach wie vor zu seiner Frau. Er passte in der Untersuchung gar seine Aussagen zu seinem Medikamentenkonsum zu Gunsten der Frau an.

Die Plädoyers der Verteidiger folgen am Dienstag. Die Eröffnung des Urteils ist auf den 12. Dezember vorgesehen.

(dag/sda)

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