Russland bombardiert weiter: Georgien verlässt die GUS
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Russland bombardiert weiterGeorgien verlässt die GUS

Russland hat seine Luftangriffe in Georgien offenbar trotz des von Präsident Dmitri Medwedew angekündigten Endes des Militäreinsatzes fortgesetzt. Georgien kündigte derweil an, aus der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) auszutreten.

Russland wird nach Worten von Präsident Dmitri Medwedew auch seine nach Südossetien entsandten Truppen wieder abziehen.

Georgien wird nach Angaben von Präsident Michail Saakaschwili die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) verlassen. «Wir haben die Entscheidung gefällt: Georgien verlässt die GUS», sagte Saakaschwili am Dienstag bei einer Grosskundgebung im Zentrum der Hauptstadt Tiflis. Dazu hatten sich mehr als 70 000 Menschen in der Stadt versammelt. Die GUS ist ein von Russland geführter Staatenverbund ehemaliger Sowjetrepubliken.

Die Streitkräfte hätten Angriffe gegen zwei Dörfer in der Nähe von Südossetien geflogen, hiess es in Tiflis. Medwedew hatte einen Stopp des Einsatzes angeordnet und erklärt, die Streitkräfte hätten Georgien nun bestraft. Die Soldaten sollten sich jedoch bei Angriffen verteidigen und jede aggressive Aktion und bewaffneten Widerstand der georgischen Streitkräfte zerstören.

Sarkozy zeigt Verständnis für Moskaus Interessen

Der französische Staatschef und amtierende EU-Ratspräsident Nicolas Sarkozy äusserte in Moskau Verständnis für Russlands Interessen in Südossetien, hob aber Georgiens Recht auf territoriale Integrität hervor.

«Es ist völlig normal, dass Russland seine Interessen verteidigen möchte ebenso wie die der Russen in Russland und der russischsprachigen Menschen ausserhalb von Russland», sagte Sarkozy bei seinem Treffen mit dem russischen Präsidenten Medwedew.

Ebenso normal sei es jedoch, «dass die internationale Gemeinschaft die Integrität, die Souveränität und die Unabhängigkeit Georgiens garantieren möchte». Frankreichs Präsident bemüht sich um Vermittlung in dem Konflikt und will nach seinem Moskau-Besuch nach Tiflis weiterreisen.

Tausende auf der Flucht

Mindestens 100 000 Menschen sind laut UNO aus den Krisengebieten vertrieben worden. Diese Zahl nannte am Dienstag das Hochkommissariat für Flüchtlinge (UNHCR) in Genf.

Die UNO-Organisation rief die Verantwortlichen vor Ort auf, humanitäre Korridore zur Versorgung der Menschen zu öffnen. Unter Berufung auf Angaben der georgischen und der russischen Regierung nannte das UNHCR die Zahl von rund 30 000 Menschen, die von Südossetien nach Nordossetien flohen.

80 Prozent der Bevölkerung von Gori auf der Flucht

Zudem gebe es in Südossetien rund 12 000 Binnenflüchtlinge. Aus der georgischen Stadt Gori, die mehrere Tage lang das Ziel russischer Luftangriffe war, flohen demnach 56 000 Menschen. Das entspreche 80 Prozent der Bevölkerung der Stadt. Viele suchten vermutlich Zuflucht in der Hauptstadt Tiflis.

Ein erstes Flugzeug mit 34 Tonnen Hilfsgütern aus UNO-Beständen landete am Dienstagmittag in Tiflis. Zelte, Decken und Kochgerät stammen aus einem UNHCR-Lager in Dubai. Eine zweite Maschine soll am Mittwoch von Kopenhagen aus nach Tiflis starten.

UNO-Flüchtlingskommissar António Guterres hat insgesamt zwei Millionen Dollar aus den Notfallreserven der Organisation für Hilfstransporte in die umkämpfte Region bewilligt.

Auch das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) will in Kürze eine Hilfslieferung in den Südkaukasus schicken. 15 Tonnen Medizinalgüter wurden für einen Charterflug ab Genf bereitgestellt. Auch Material für die sichere Trinkwasser-Versorgung von rund 20 000 Menschen soll ins Gebiet geschickt werden.

(dapd)

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