Bedrohte Schwarzstörche: Geplanter Wanderweg ist für Tierschützer ein Alptraum
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Bedrohte SchwarzstörcheGeplanter Wanderweg ist für Tierschützer ein Alptraum

Zum Schutz von Schwarzstörchen wollen Vogelschützer einen geplanten Wanderweg im Appenzellerland durch die Rückzugszone der Tiere verhindern. Unterstützung bekommen sie von Vertretern, die Wildtiere schützen wollen.

von
Jeremias Büchel
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Ein Schwarzstorch, aufgenommen im Jahre 2010 beim Greifensee. 

Ein Schwarzstorch, aufgenommen im Jahre 2010 beim Greifensee.

Heinz Zumbuehl/freshfocus
Schwarzstörche werden in der Schweiz selten gesichtet. 

Schwarzstörche werden in der Schweiz selten gesichtet.

MUNA e.V.
«Wenn die Art hierzulande brüten würde, wäre das eine Sensation», … 

«Wenn die Art hierzulande brüten würde, wäre das eine Sensation», …

MUNA e.V.

Darum gehts

  • Der Schwarzstorch ist selten und gehörte einst zu den sogenannten bedrohten Tierarten.

  • Ausgerechnet an einem möglichen Brutplatz soll ein Wanderweg entstehen.

  • Dagegen wehren sich nun Vogelschützer.

  • Ob der Weg realisiert wird, ist unklar – das entsprechende Verfahren läuft noch.

«Schwarzstörche sind scheue Tiere», sagt Reto Zingg, Geschäftsstellenleiter der Schweizerischen Stiftung für Vogelschutzgebiete (SSVG). Er setzt sich seit Jahren für Störche ein und wird liebevoll auch Storchenvater genannt. Seine derzeitige Sorge ist ein geplanter Wanderweg zwischen Gais und Bühler AR, entlang des Rotbaches an der Kantonsgrenze zwischen Appenzell Ausserhoden und Appenzell Innerhoden. Der Weg würde durch eine Zone führen, die laut Zingg als Lebensraum eines Schwarzstorchenpaares gilt. Wanderer im Gebiet der seltenen und scheuen Tiere – für Zingg ein Alptraum. Für ihn ist deshalb klar: «Man sollte auf die Errichtung eines Wanderwegs verzichten.» Vögel und auch Wildtiere bräuchten Ruhezonen. «Es gibt in der Region bereits genug Wanderwege», so der Storchenvater. Laut Zingg gab es in der Schweiz bislang noch keinen Brutnachweis von Schwarzstörchen. «Wenn es das gäbe, wäre es eine Sensation.»

Derzeit sind keine Schwarzstörche im Appenzellerland anzutreffen. «Sie verbringen den Winter jeweils im Süden», sagt Zingg. Der Lebensraumschützer hofft, dass eines Tages Schwarzstörche in der Schweiz heimisch werden. In Osteuropa ist das Vorkommen der Tiere deutlich grösser. In der Ukraine konnte Zingg in seiner Tätigkeit diverse Schwarzstörche beobachten.

Hunde schlimmer als Autos

Beim Kanton Appenzell Innerrhoden, auf dessen Territorium ein grosser Teil des kritischen Abschnitts des Weges verlaufen würde, kann man sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht näher zum Thema äussern.

Klar ist, dass Bedenken nicht nur von Vogelschützern, sondern auch von Seiten der Vertreter der Wildtiere bestehen, da auch das Wild auf Ruhezonen angewiesen ist. Dass in der Nähe auch eine Bahnlinie und Strassen verlaufen, sei sekundär. «Das Wild fühlt sich viel mehr von Hunden und Menschen bedroht, als von Autos und Zügen», heisst es aus Fachkreisen. Verkehr sei für Tiere berechenbar und daran seien Vögel und Wild mittlerweile gewohnt.

Wild war bereits bei einem früheren Wanderwegprojekt in der gleichen Region ein Thema. Initianten wollten einen Weg zum 750-Jahr-Jubiläum von Gais realisieren. Doch wegen des Wildschutzes ist das Projekt Ende 2019 sistiert worden. Ein national bedeutender Wildtierkorridor erschwerte die geplante Wegführung.

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