Kater Ayelu (2): Gequält, ausgesetzt, aufgepäppelt – und nun verstorben
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Kater Ayelu (2)Gequält, ausgesetzt, aufgepäppelt – und nun verstorben

Zwei Jahre lang hat Liliana F. (23) ihren Kater Ayelu gepflegt, der Tierquälern zum Opfer gefallen war. Nun ist das Büsi infolge Nierenversagens gestorben – ein schwerer Schlag für die Besitzerin.

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Haut und Knochen: So präsentierte sich Kater Ayelu, kurz nachdem ihn Liliana F. bei sich aufgenommen hatte.

Haut und Knochen: So präsentierte sich Kater Ayelu, kurz nachdem ihn Liliana F. bei sich aufgenommen hatte.

zvg
Die Katze war von einem Hautpilz befallen …

Die Katze war von einem Hautpilz befallen …

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… und musste darum im Zuge der Behandlung geschoren werden. 

… und musste darum im Zuge der Behandlung geschoren werden.

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Darum gehts

  • Im Herbst 2019 nahm Liliana F. (23) einen im Kanton Solothurn ausgesetzten Kater bei sich auf.

  • Aufgrund erlittener Misshandlungen war er in einem erbärmlichen Zustand.

  • Die neue Besitzerin päppelte das Tier wieder auf und entwickelte eine innige Beziehung zu ihm.

  • Nun ist das Büsi seinem Nierenleiden erlegen.

Stirbt ein geliebtes Haustier, ist das für den Besitzer oder die Besitzerin immer schmerzhaft. Handelt es sich um ein Tier mit Handicap, um das man sich intensiv gekümmert hat, fällt der Abschied oft umso schwerer. Das bekam auch Liliana F.* zu spüren. «Für mich ist eine Welt zusammengebrochen», sagt sie, deren fast zweijähriger Kater Ayelu am Mittwoch letzter Woche dahinschied. Dabei hatten ihm die Tierärzte zunächst ein weit weniger langes Leben prophezeit.

Rückblende: F. nahm Ayelu im Oktober 2019 bei sich auf, nachdem er im Kanton Solothurn ausgesetzt worden und allem Anschein nach Tierquälern zum Opfer gefallen war. Die Halterin erinnert sich noch genau an den traurigen Anblick des damals ungefähr drei Monate alten Katers. «Er war komplett verwahrlost und abgemagert, die Augen waren entzündet und er konnte kaum laufen», erzählt die 23-Jährige, die heute in St. Gallen lebt.

Ausgeprägtes Krankheitsbild

Die Liste von Ayelus Krankheiten und Gebrechen war lang: Bei Tierarztbesuchen stellte sich heraus, dass er von Hautpilz befallen war; am Rücken wies er Verbrennungen auf, die sehr wahrscheinlich darauf zurückzuführen waren, dass man ihn in einen Auspuff gesteckt hatte; Luft- und Speiseröhre waren verätzt, weshalb er nicht miauen konnte; eine auf Tiere spezialisierte Augenärztin attestierte dem Büsi vollständige Blindheit. «Sie meinte, Ursache dafür sei wohl, dass es vergiftet wurde», so F.

Die Auslagen für Medikamente, Spezialnahrung und Untersuchungen brachten die damals frisch gebackene Maturandin in finanzielle Nöte. Nur schon, um Ayelu in den ersten Wochen wieder aufzupäppeln, habe sie rund 2000 Franken ausgegeben. «Es gab Tage, da kaufte ich ihm etwas zu essen und hatte selber nichts», sagt F. Den kranken Stubentiger aufzugeben, sei dennoch nie in Frage gekommen. «Mensch und Tier sind für mich gleichgestellt», sagt F., die sich selbst als grosse Tierliebhaberin bezeichnet und einmal eine Tierorganisation gründen möchte.

Nach und nach ging es Ayelu besser. F. kommt ins Schwärmen, wenn sie von den herausragenden Fähigkeiten berichtet, die ihr gehandicapter Pflegling mit der Zeit entwickelte: «Trotz Blindheit konnte er zum Beispiel jede Tür öffnen, indem er hochsprang und sich an die Falle hängte.» Aufgrund der intensiven Pflege musste Ayelu in seiner Besitzerin eine Art Ersatzmami gesehen haben. Das zeigte sich vor allem dann, wenn F. nicht zugegen war. «Als ich ihn einmal zwei Wochen zu meinen Eltern gab, machte er ständig auf den Boden.» Sobald er zuhause war, habe er sein Geschäft wieder brav im Kistchen erledigt.

Nierenversagen aufgrund von Vergiftung

In der vergangenen Woche verschlechterte sich Ayelus Zustand drastisch. «Er war apathisch, frass nicht mehr und seine Atmung war schwer», erzählt F. Erneut suchte die medizinische Praxisassistentin mehrere Tierärzte auf, die jedoch allesamt nichts mehr für den geschwächten Vierbeiner tun konnten. Die letzten Infusionen verabreichte sie ihm persönlich zuhause. Als am 31. März auch noch epileptische Anfälle hinzukamen, beschloss F., Ayelu von seinen Leiden zu erlösen und ihn einschläfern zu lassen. Das sei ein schwerer Schlag gewesen, sagt sie. «Zugleich bin ich froh, dass ich ihn auf seinem Leidensweg begleiten konnte.»

Todesursache war laut Tierärzten akutes Nierenversagen. Die zugrunde liegende chronische Niereninsuffizienz des Büsis dürfte ebenfalls auf dessen Vergiftung zurückzuführen sein.

*Name der Redaktion bekannt

Du weisst von einem Tier in Not?

Hier findest du Hilfe:

Feuerwehr, Tel. 118 (Tierrettung)

Polizei, Tel. 117 (bei Wildtieren)

Tierrettungsdienst, Tel. 044 211 22 22

Schweizerische Tiermeldezentrale, wenn ein Tier entlaufen/zugelaufen ist

Stiftung für das Tier im Recht, für rechtliche Fragen

GTRD, Grosstier-Rettungsdienst, Tel. 079 700 70 70 (Notruf)

Schweizerische Vogelwarte Sempach, für Fragen zu Wildvögeln, Tel. 041 462 97 00

Tierquälerei:

Meldung beim kantonalen Veterinäramt oder beim Tierschutz Schweiz (anonym möglich)

(sul)

Deine Meinung

53 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Agnostiker

09.04.2021, 14:44

Es tut gut zu wissen, dass es Menschen gibt, die auch für Tiere das Herz am rechten Fleck haben.

IstNichtWichtig

09.04.2021, 11:11

Das zu lesen tut nur weh :( Habe selber 3 Katzen und wenn ich dran denke das das meinen kleine passieren hätte können, bricht es mir das Herz Es tut mir so leid was dem kleinen passiert ist. Danke das du alles versucht hast!

Gary70

09.04.2021, 10:48

Danke für das was DU getan hast. Auch wenn es jetzt nicht einfach ist, musst du dir selber sagen, das du alles mögliche unternommen hast und er wenigstens zwei Jahre hatte in denen sich jemand gut um ihn kümmerte.