Uni Basel : «Gerade erfahren, dass mein Professor eine Studentin sexuell belästigt hat»

Publiziert

Uni Basel «Gerade erfahren, dass mein Professor eine Studentin sexuell belästigt hat»

2019 schreibt eine Doktorandin über die sexuellen Übergriffe ihres Professors. Nun beschwert sich eine studierende Person, dass sie vom Institut nicht transparent über den Fall informiert wurde. Den Schutz vor sexueller Belästigung nehme sie sehr ernst, so die Uni.

von
Jeanne Dutoit
1 / 5
2019 veröffentlicht eine Frau auf einem Blog, dass sie anhaltend sexuellen Übergriffen ihres Professors ausgesetzt gewesen sein soll.

2019 veröffentlicht eine Frau auf einem Blog, dass sie anhaltend sexuellen Übergriffen ihres Professors ausgesetzt gewesen sein soll.

20min/Taddeo Cerletti
Der Professor wurde von der Universität abgemahnt. Ein halbes Jahr später kehrte er vor die Studierenden zurück.

Der Professor wurde von der Universität abgemahnt. Ein halbes Jahr später kehrte er vor die Studierenden zurück.

© Daniel Fuchs
Auf Twitter fordert eine studierende Person nun Transparenz vonseiten der Universität.

Auf Twitter fordert eine studierende Person nun Transparenz vonseiten der Universität.

Screenshot Twitter

Darum gehts

«Der Professor wollte meine Jeans öffnen», mit diesen Worten ging die Doktorandin Esther Uzar 2019 an die Öffentlichkeit. Die Frau brach nach sieben Jahren ihr Doktorat an der Universität Basel ab, nachdem sie fünf Jahre lang sexuellen Übergriffen ihres Professors ausgesetzt gewesen sein soll. Sie habe Nein gesagt, seine Hände weggeschoben. Doch seine sexuellen Avancen hätten nicht aufgehört. «Er schrieb mir E-Mails. Er rief mich an. Er fragte im Büro, auf Konferenzen, bei Institutsveranstaltungen und bei Besprechungen meiner Dissertation», schilderte sie damals in einem Studierenden-Blog.

Im Frühling 2018 hat sie Beschwerde eingereicht. Die Universität Basel leitete ein Verfahren ein. Nachdem der Fall öffentlich geworden war, trat der Professor freiwillig von seiner Leitungsfunktion zurück. Die Betroffene erfährt, dass das Verfahren der Universität abgeschlossen ist – das Ergebnis wird ihr aber aus Persönlichkeitsschutz vorenthalten.

Nach halbem Jahr Auszeit lehrte er wieder

Erst als der Fall von den Medien aufgenommen wird, erfährt sie die Konsequenzen, die der Fall für den Professor hatte: eine schriftliche Abmahnung der Universität. In einer Mail, die er ihr schickte, bekennt er sich schuldig. Gegenüber einer Journalistin des «Tages-Anzeiger» sagte er gar, er sei bereit, der Frau eine Entschädigung zu bezahlen. Ein Strafverfahren gab es nicht. Sexuelle Belästigung ist ein Antragsdelikt, das innert drei Monaten nach der vorgeworfenen Tat angezeigt werden muss. Diese Frist war bei Bekanntwerden der Vorwürfe längst verstrichen.

In einem offenen Brief, der im Herbst 2019 unter den Studierenden kursierte, kritisierten «Studierende der Universität Basel», dass der Professor nach einem halben Jahr Auszeit bereits wieder lehrte. 

Nun wird der Fall in den sozialen Medien erneut thematisiert. Eine Person, die in Basel studiert, macht der Universität auf Twitter anonym schwere Vorwürfe. «Ich habe gerade erfahren, dass mein Professor eine Studentin mehrmals sexuell belästigt hat». Sie habe sowohl ihre Bachelorprüfung als auch ihre Seminararbeit bei dem Mann geschrieben. Mehrfach habe sie völlig unwissend alleine mit ihm Gespräche geführt. «Wieso habt ihr mich nicht geschützt?», stellt sie die Universität in einem Tweet zur Rede. Es sei nichts geschehen, aber der fahle Nachgeschmack bleibe. «Es hätte genau so gut wieder etwas passieren können», schreibt sie. 

«Versuchen, allfällige Ungereimtheiten im Dialog zu klären»

Ihre Forderung ist klar: Gerne hätte sie die Möglichkeit gehabt, gut informiert die Entscheidung zu treffen, ob sie sich mit dem Professor alleine in einem Raum aufhalten will.

Eine Gruppe von Studierenden habe den abgeschlossenen Fall nun wieder thematisiert und sei damit ans Rektorat getreten, so der Uni-Sprecher Matthias Geering gegenüber 20 Minuten. «Wir stehen in Kontakt mit dieser Gruppe und versuchen, allfällige Ungereimtheiten im Dialog zu klären. Studierende, die sich nicht sicher fühlen, können sich an die Koordinatorin Persönliche Integrität wenden.»

Zur Kritik auf Twitter äussert sich Geering wie folgt: Dem Professor seien Massnahmen auferlegt worden. Da es sich nicht um ein Strafverfahren handle, seien diese aber nicht öffentlich kommuniziert worden. Und: «Als Konsequenz des beschriebenen Falls wurde das Reglement zum Schutz der persönlichen Integrität grundlegend revidiert (beziehungsweise neu verfasst), ein Code of Conduct verfasst, die Stelle der Koordinatorin für persönliche Integrität geschaffen und die Sichtbarkeit auf unserer Website verbessert.» 

Wirst du oder wird jemand, den du kennst, sexuell belästigt?

Hier findest du Hilfe:

Belästigt.ch, Onlineberatung bei sexueller Belästigung am Arbeitsplatz

Verzeichnis von Anlaufstellen

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Deine Meinung

45 Kommentare