ZSC-Trainer liebäugelt mit der Nati: Gerät Sean Simpson in Teufels Küche?
Aktualisiert

ZSC-Trainer liebäugelt mit der NatiGerät Sean Simpson in Teufels Küche?

ZSC-Trainer Sean Simpson ist offizieller Kandidat für die Nachfolge von Nationalcoach Ralph Krueger. Entsprechende Verhandlungen laufen. ZSC-Manager Peter Zahner bestätigt gegenüber 20 Minuten Online einen entsprechenden Bericht der Zeitung «Sonntag». Und ist schon etwas ratlos.

von
Klaus Zaugg

Ralph Kruegers Vertrag läuft Ende Saison aus und Swiss Ice Hockey (die Nachfolgeorganisation des Verbandes) hat bereits entschieden, dass der Vertrag mit dem charismatischen Deutschkanadier nicht mehr verlängert wird. Auch das Anforderungsprofil von Kruegers Nachfolger ist erstellt.

- Erfahrung im internationalen Eishockey.

- Auslaufender Vertrag (es wir niemand aus einem laufenden Vertrag herausgekauft).

- Kenntnisse des Schweizer Eishockeys.

- Kenntnisse einer Landessprache, am besten Deutsch.

- Erfahrung im Nachwuchshockey.

- Bereitschaft zu einer längerfristigen Zusammenarbeit mit einem Vertrag für zwei oder drei Jahre. Ein Einjahresvertrag ist nicht vorgesehen.

Anders als Kruger, der nur zu 70 Prozent angestellt war, soll der neue Mann eine Vollzeitstelle bekommen. Dafür muss er sich, anders als Krueger, auch um die Junioren-Nationalteams kümmern. Köbi Kölliker bleibt zwar Cheftrainer der U20-Nationalmannschaft. Aber vom neuen Nationaltrainer wird erwartet, dass er sich in Ausbildungscamps engagiert und die Schweiz an der U20-WM in der Altjahrswoche mitbetreut.

Simpson Wunschkandidat

Ein Termin für die Anstellung des neuen Nationaltrainers hat sich der Verwaltungsrat von Swiss Ice Hockey zwar nicht gesetzt. Aber die Stunde der Entscheidung naht. Denn der Wunschkandidat steht bereit. ZSC-Trainer Sean Simpson. Peter Zahner, sein Vorgesetzter bei den ZSC Lions, bestätigt gegenüber 20 Minuten Online: «Ja, wir sind von Swiss Ice Hockey offiziell über die Verhandlungen mit Simpson informiert worden. Wir wissen, dass sich unser Trainer für den Job eines Nationalcoaches interessiert.»

Simpson ist der perfekte Nachfolge-Kandidat für Krueger. Er war unter anderem 1994 Meister mit den Zuger Elitejunioren, später Meister mit dem EV Zug und in der DEL, er gewann mit den ZSC Lions die Champions Hockey League, mit Team Canada den Spengler Cup und 2006 als Trainer-Assistent mit Weissrussland das entscheidende Spiel um den Einzug in die WM-Viertelfinals. Er spricht Englisch und Deutsch. Und sein Vertrag läuft im Frühjahr aus. Er erfüllt alle Kriterien mit Maximalnoten und Ausrufezeichen.

Loyaler Simpson in Verlegenheit

Aber das alles bringt nicht nur ZSC-General Zahner in Verlegenheit. Sondern möglicherweise Sean Simpson in Teufels Küche. Der Kanadier geht sozusagen fremd: Er ist noch mit den ZSC Lions verheiratet, liebäugelt aber bereits mit dem Job eines Nationaltrainers. Diese Situation ist dem durch und durch loyalen Simpson gar nicht recht. Aber er gesteht, mit etwas gequältem Gesicht, dass ihn der Job des Nationaltrainers wirklich reizt. Es ist im Grunde sein Traumjob. Wen er denn ab Frühjahr oder Sommer 2010 will, dann muss er bald «Ja» sagen.

Was soll Zahner nun machen? Raschmöglichst auf eine Entscheidung drängen, damit er sich auf die Suche nach einem Simpson-Nachfolger machen kann? Oder besser Simpson vorzeitig den Vertrag verlängern, damit er bleibt?

Und was ist, wenn die Saison bei den ZSC Lions nach der Playoff-Pleite vom letzten Frühjahr (im Viertelfinale als Sieger der Champions Hockey League gegen Fribourg kein Spiel gewonnen) nicht nach Wunsch läuft? Ist dann Swiss Ice Hockey mit seinem (unmoralischen) Angebot an Simpson schuld?

Zahner ist sichtlich ratlos und will sich zur ganzen Sache möglichst wenig zitieren lassen. Wohlwissend, dass jedes Wort wie Öl im Feuer wirken kann.

Teurer Wunschkandidat

Schliesslich geht es noch um eine letzte Frage: Kann sich Swiss Ice Hockey Simpson überhaupt leisten? Der ZSC-Coach ist nicht nur einer der erfolgreichsten, sondern auch einer der teuersten Trainer Europas. Aber der Wunsch von Swiss Ice Hockey ist es, weniger Geld auszugeben als für Krueger. Zahner kennt als ehemaliger Verbandsdirektor das Gehalt von Krueger und von Simpson exakt. Aber er mag sich dazu nicht äussern. Dafür sagt ein bekannter international angesehener Spieleragent gegenüber 20 Minuten Online: «Für das Geld, das die Schweizer für Krueger ausgegeben haben, bekommen sie weltweit jeden Trainer ausser Wayne Gretzky.»

Am Geld dürfte die Sache also kaum scheitern. Denn so teuer wie Gretzky ist Simpson nicht.

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