Aktualisiert 08.03.2013 12:45

Kardinäle redenGerangel hinter den Mauern des Vatikans

Papst Benedikt XVI. ist Vergangenheit. Nun richtet sich die Aufmerksamkeit der Kardinäle auf seinen Nachfolger. Ein Termin für den Beginn des Konklaves dürfte noch heute festgelegt werden.

Die Kardinäle sind gründlich vor dem Konklave und haben keine Eile. Was es mit dem «Vatileaks«-Skandal auf sich hat und wie die Kurie in Rom reformiert werden kann, wollten sie in dieser Woche wissen. Viele meldeten sich zu Wort. Gesucht wird so das Profil des neuen Papstes.

Immerhin: Ein Termin für den Beginn des Konklaves zur Wahl des neuen Papstes soll noch heute Freitag festgelegt werden. Das sagte Vatikan-Sprecher Federico Lombardi nach der Morgensitzung der in Rom versammelten Kardinäle. Die Kardinäle müssen darüber abstimmen, wann das Konklave beginnt. Die Nachrichtenagentur AFP meldete, das Ergebnis der Generalkongregation vom Nachmittag sollte gegen 19 Uhr bekannt gemacht werden.

In Rom zusammengetrommelt für die Wahl eines Nachfolgers für Benedikt XVI., lassen sich die Kardinäle aus aller Welt Zeit für Diskussionen. Sie haben eine Menge Informationsbedarf und loten die Fronten vor dem Urnengang für den nächsten Pontifex aus.

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Hinter den verschlossenen Türen des Vatikans setzte sich am Freitag das Gerangel um den Termin für den Beginn des Konklaves fort. Die Rednerliste war auch am fünften Tag der Kardinalsversammlung nicht erschöpft.

Kardinäle bereiten das Konklave vor

Wie es denn um die Finanzen des Heiligen Stuhls steht und welche Enthüllungen noch rund um die unangenehme «Vatileaks«-Affäre zu befürchten sind - solche brisanten Fragen brannten doch etlichen unter den Nägeln.

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Grosser Redebedarf

Schon mit dem Start der Sedisvakanz - als Joseph Ratzinger am 28. Februar den Stuhl Petri geräumt hatte - waren gleich mehrere Fronten unter den Purpurträgern aufgebrochen. Sollte nach den Krisen im Pontifikat des deutschen Papstes eher ein nichteuropäischer Pontifex gewählt werden oder ein Kenner der Kurie, um diese von verkrusteten Strukturen zu befreien?

Und war es nicht besser erst einmal etwas klare Sicht zu gewinnen? Mit einem schon vorher ausdiskutierten Profil desjenigen, der die Weltkirche der 1,2 Milliarden aus den Krisen und in die Neuzeit führen müsste, könnte das bevorstehende Konklave dann kurz sein. Bis Palmsonntag, also zum Beginn der Karwoche, sollten die Katholiken einen neuen Papst haben.

An den ersten vier Tagen der Kardinalsversammlung gab es bereits mehr als 80 Wortmeldungen aus dem Kreis der Purpurträger, denen man die Redezeit begrenzen musste. Während die Medien schon tagelang den kommenden Montag für einen vorgezogenen Konklave-Beginn festgeklopft zu haben schienen, gaben die Kirchenmänner diese Losung aus: «Keine Eile.»

Sie redeten über die bitter nötige Reform der Kurie, die nach dem spektakulären «Vatileaks«-Skandal um den Klau von Dokumenten und um Machenschaften und Intrigen im Vatikan mehr denn angesagt scheint. Wie die Beziehungen zwischen dem Papst in Rom und seinen Bischöfen in der Welt verbessert werden könnten, schien den Kardinälen ebenfalls wichtig. Im Hintergrund immer die Frage: Wer kann das alles managen?

Kandidatenkarussell dreht sich munter

Zum Gerangel um Kandidaten und Koalitionen gibt es täglich neue Wasserstandmeldungen der Medien und der Vaticanisti. Gerade spült die Flut der Informationen wieder den von Benedikt geschätzten Mailänder Erzbischof Angelo Scola ganz nach oben. Er gilt als «Rom-fern» und könnte so die Rückendeckung auch amerikanischer, osteuropäischer und deutscher Papstwähler haben, spekulierte am Freitag das Turiner Blatt «La Stampa».

Als Mann der Kurie wird dagegen öfter der brasilianische Kardinal Odilo Pedro Scherer, Erzbischof von São Paulo, genannt. Das hiesse: Es geht nicht darum, ob der nächste Pontifex aus Europa kommen soll oder aus der südlichen Hemisphäre, von dort, wo die Weltkirche wächst. Entscheidend wäre eher, ob er der Kurie nahestehen muss.

Wieder ist alles möglich und eine Überraschung ganz und gar nicht ausgeschlossen. 115 Kardinäle sind wahlberechtigt, notwendig ist eine Zweidrittelmehrheit, das Quorum liegt damit bei 77 Purpurträgern.

Es braucht also eine breitere Feinabstimmung über das, was den nächsten Oberhirten auszeichnen soll - und ob die Kirche schon bereit ist für einen «schwarzen Papst», einen aus Asien oder auch aus Lateinamerika.

Kein kurzes Konklave erwartet

Im Karussell der Spekulationen spielten die US-Kardinäle eine besondere Rolle. Einer von ihnen rückte ein Stück weit nach vorne: Donald William Wuerl aus Washington. «Für die Zukunft der Kirchen brauchen wir eine klare Kommandokette», gibt der Erzbischof aus der US-Hauptstadt eine Losung vor. «Noch gibt es keine eindeutige Auswahl bei den Kandidaten», sagt Wuerl. Dieses Konklave werde nicht kurz sein.

Von dem im Alter von 85 Jahren abgetretenen Benedikt ist in Rom derweil nur noch wenig die Rede. Die Kirche sucht ihren Weg in die Zukunft - und den, der sie dahin führt. (sda)

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