Gericht: Chodorkowski darf nicht gequält werden
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Gericht: Chodorkowski darf nicht gequält werden

Ein russisches Gericht hat eine im Januar verhängte Disziplinarmassnahme gegen den inhaftieren ehemaligen Chef des Ölkonzerns Jukos, Michail Chodorkowski, nachträglich für unzulässig erklärt.

Die fünftägige Isolationshaft sei nicht rechtmässig gewesen, urteilte das Gericht in der sibirischen Stadt Krasnokamensk am Dienstag, wie die Nachrichtenagenturen Interfax und RIA-Nowosti meldeten.

In Krasnokamensk lieg das Gefangenenlager, in dem Chodorkowski seine achtjährige Haftstrafe verbüsst. Der einst reichste Mann Russlands war im Mai vorigen Jahres wegen Betrugs und Steuerhinterziehung verurteilt worden. Kritiker werteten den Prozess als Versuch des Kremls, Chodorkowski auf Grund seiner politischen Ambitionen mundtot zu machen.

Der 42-Jährige wurde Anfang des Jahres fünf Tage in Einzelhaft gehalten, nachdem in seiner Zelle Dokumente des Justizministeriums über die Rechte von Gefangenen gefunden worden waren. Das Gericht folgte dem Einspruch der Verteidigung, wonach der Besitz der Dokumente nicht strafbar sei. Chodorkowskis Anwältin Natalja Terechowa zeigte sich zufrieden mit dem Urteil. Das Anwaltsteam des früheren Ölmagnaten will auch gegen eine weitere Einzelhaftstrafe Einspruch einlegen, die wegen Teetrinkens an einem unerlaubten Ort verhängt worden war. Die Anwälte sehen dies als Versuch, Chodorkowskis Führungsakte zu beschmutzen, um zu verhindern, dass seine Strafe zur Bewährung ausgesetzt werden kann.

Chodorkowski war in der Nacht zum Freitag von einem Mithäftling mit einem Messer angegriffen und im Gesicht verletzt worden. Die Anwälte warfen den Behörden vor, den Vorfall vertuschen zu wollen. (dapd)

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