Koch-Areal Zürich: Gericht erhöht Strafe gegen Hausbesetzer

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Koch-Areal ZürichGericht erhöht Strafe gegen Hausbesetzer

Zwei Aktivisten des Koch-Areals hatten bei einem Discounter Esswaren gestohlen und gingen dann bei einer Kontrolle auf die Polizisten los. Sie kassierten bedingte Geldstrafen.

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Das Bürogebäude auf dem Koch-Areal ist seit Mai 2013 besetzt - jetzt können die Aktivisten dank der Stadt sogar bis auf Weiteres bleiben.

Das Bürogebäude auf dem Koch-Areal ist seit Mai 2013 besetzt - jetzt können die Aktivisten dank der Stadt sogar bis auf Weiteres bleiben.

Keystone/Steffen Schmidt
Transparente an diversen Gebäuden weisen auf die Besetzung des Areals hin.

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Keystone/Steffen Schmidt
Die Begrüssung ist freundlich ...

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Keystone/Steffen Schmidt

Das Zürcher Obergericht verurteilte die zwei Aktivisten des besetzten Zürcher Koch-Areals am Dienstag wie bereits die Vorinstanz wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte. Der Richter sprach in beiden Fällen von einer erheblichen Renitenz und Geringschätzung gegenüber den Polizisten.

Der 21-jährige Schweizer wurde zu einer bedingten Geldstrafe von 160 Tagessätzen zu 10 Franken verurteilt. Sein 23-jähriger Kollege aus Italien, der noch etwas härter zugeschlagen hatte und deswegen auch noch wegen Körperverletzung schuldig gesprochen wurde, erhielt eine bedingte Geldstrafe von 190 Tagessätzen zu 10 Franken.

Weil beide Männer vorbestraft sind und während der Probezeit wieder straffällig wurden, legte das Gericht die Probezeit bei drei Jahren fest.

Die Schuldsprüche liegen damit beim Schweizer 70 und beim Italiener 60 Tagessätze über jenen des Bezirksgerichts. Man könne nicht von einem leichten Verschulden sprechen, sagte der Richter am Dienstag.

Das Bezirksgericht hatte die Tat noch als «Kurzschlusshandlung» taxiert und von einem leichten Verschulden geredet. Dies kritisierte der Staatsanwalt am Dienstag heftig. Er war deshalb auch gegen das Urteil in Berufung gegangen.

Für die zwei Beschuldigten forderte er denn auch unbedingte Freiheitsstrafen von sieben Monaten - oder mindestens den Vollzug der Geldstrafen. Ein Gericht dürfe nicht der Polizei in den Rücken fallen, sagte er mit Blick auf die Urteile der Vorinstanz. Lediglich glückliche Umstände hätten Schlimmeres verhindert.

Lebensmittel geklaut

Zur Auseinandersetzung war es gekommen, als zwei Polizisten die jungen Männer in einer Nacht im Oktober 2015 kontrollieren wollten. Sie hatten einen Veloanhänger voller Lebensmittel dabei und waren unterwegs zum Koch-Areal. Die Nahrungsmittel hatten sie bei der naheliegenden Aldi-Filiale mitgehen lassen.

Weil sich der italienische Beschuldigte nicht ausweisen konnte, wurde er aufgefordert, auf die Wache mitzukommen. Seinem Kollegen gaben die mittlerweile verstärkten Polizisten mehrfach zu verstehen, er solle weggehen. Als er dem nicht nachkam, packte ihn einer der Beamten an den Armen und versuchte ihn wegzubringen.

Dagegen wehrte sich der 21-Jährige und es kam zu einer Rangelei. Gemäss Anklage gingen die Hausbesetzer mit Tritten und Schlägen gegen Kopf, Oberkörper und Genitalbereich auf die Polizisten los. Beim Einladen ins Transportfahrzeug verletzte der 22-jährige Italiener einen der Ordnungshüter am Auge.

Den Einsatz der beteiligten Polizisten bezeichnete der Richter am Dienstag als verhältnismässig. Während der Auseinandersetzung waren rund 30 weitere Hausbesetzer aufgetaucht. «Die Lage hatte sich zugespitzt», sagte der Richter. Die Beschuldigten hätten vorsätzlich Gewalt angewendet.

Freispruch gefordert

Die Verteidigung sprach am Dienstag von einem «ungeplanten Gerangel», gezielte Schläge seien keine nachweisbar gewesen. Von einem Vorsatz könne deshalb keine Rede sein. Der 21-Jährige müsse vom Vorwurf der Gewalt und Drohung gegen Beamten freigesprochen werden, forderte dessen Verteidiger sogar.

Der zwischenzeitlich in der Schweiz wohnhafte Italiener hatte das Urteil der Vorinstanz akzeptiert. Dem Polizisten muss er eine Genugtuung von 500 Franken bezahlen. Ihr Mandant habe sich lediglich zur Wehr gesetzt, sagte seine Verteidigerin. Die Situation habe den jungen Mann überfordert - auch wegen der sprachlichen Hürden. (sda)

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