Zürich: Gericht glaubte «Räuberstory» nicht
Aktualisiert

ZürichGericht glaubte «Räuberstory» nicht

Ein Blaufahrer ist in Hinwil in das Eisentor des militärischen AMP-Areals hinein gekracht. Vor Obergericht machte der Lenker vergeblich einen unbekannten Dieb für den Vorfall verantwortlich.

von
Attila Szenogrady

Am Zürcher Obergericht standen sich am Montag bei einem Prozess gegen einen 29-jährigen Autolenker aus Rapperswil zwei Wahrheiten gegenüber. Die erste Wahrheit lieferte der Angeklagte, der am 25. März 2007 den «Pirates Club» in Hinwil aufgesucht hatte. Unbestritten war, dass der Techniker nicht zum Teetrinken gekommen war, sondern kurz nach Mitternacht mindestens 1,75 Promille Alkohol intus hatte. Kurz nach Mitternacht wollte er nach seinem teuer renovierten Personenwagen der Marke «BMW Cabrio» sehen und erlitt gemäss seinen Angaben einen Schock. So war sein Fahrzeug vom Parkplatz verschwunden. Kurz darauf entdeckte er sein Vehikel, das in einem Eisentor des AMP-Geländes gelandet war und massive Beschädigungen aufwies. Der Angeklagte liess darauf einen Türsteher des Clubs die Polizei alarmieren und erklärte, dass Diebe seinen Wagen entwendet hätten.

Blaufahrer oder Opfer eines Diebstahls?

Die zweite Wahrheit lieferte die Staatsanwaltschaft See/Oberland. Demnach hatte der Angeklagte auf seiner Heimfahrt nach Glarus schon nach wenigen Metern selber den Unfall verursacht und seine Unschuldsversion nachgeschoben. Der spannende Fall beschäftigte in der Folge die Zürcher Justiz. Für den Angeklagten sprachen die Tatsachen, dass er die Polizei eingeschaltet hatte und keine direkten Augenzeugen die Kollision beobachtet hatten.

Gegen den Angeklagten sprachen aber die Angaben der beiden Türsteher. Demnach hatte der Beschuldigte einem von ihnen vor der Fahrt klar mitgeteilt, dass er nun seinen Heimweg an seinen damaligen Wohnort in Glarus mit dem Auto zurücklegen werde. Zudem hatte die Polizei im Unfallauto keine Schlüssel im Zündschloss gefunden. Weiters stellten die Beamten sicher, dass das Fahrzeug nicht mit einer Überbrückung gestartet worden war.

Freispruch in Hinwil

Zunächst hatte der heute in Rapperswil wohnhafte Glarner Angeklagte Glück. Er wurde im letzten März am Bezirksgericht Hinwil nach dem Grundsatz «im Zweifel für den Angeklagten» umfassend freigesprochen. Er hatte erfolgreich geltend gemacht, dass er seine Fahrzeugtüre vor seinem Clubbesuch nicht verschlossen und der Dieb seinen Ersatzschlüssel gefunden habe. Die Staatsanwaltschaft akzeptierte den Freispruch nicht und legte Berufung ein.

Diebstahl-Theorie verworfen

Mit Erfolg. So hob das Obergericht den Hinwiler Entscheid auf und kam einstimmig zu einem vollen Schuldspruch wegen vorsätzlichen Fahrens im fahrunfähigen Zustand sowie Nichtbeherrschens des Fahrzeugs. Für die Oberrichter wogen die Indizien gegen den Techniker zu schwer. Referentin Claire Brenn zeigte in logischen Schritten auf, dass die Diebstahls-Theorie des Angeklagten gar nicht aufgehen konnte. So hätte der professionelle Dieb in der Dunkelheit alle Sicherheitssysteme des Fahrzeugs mit viel Mühe ausser Kraft gesetzt. Das alles, um nach wenigen Metern die begehrte Beute vor einem Eisentor zu Schrott zu fahren. Das sei einfach lebensfremd, sagte Brenn. Hinzu kam, dass man beim Angeklagten in der Tatnacht Prellungen an der linken Hand festgestellt hatte. Was ihn als Unfallverursacher entlarvte. Zudem hatte die Polizei am beschädigten Fahrzeug keine offensichtlichen Einbruchsspuren festgestellt.

Es wird teuer

Der Schuldspruch kommt den bisher nicht vorbestraften Angeklagten teuer zu stehen. So wurde er zu einer bedingten Geldstrafe von 45 Tagessätzen zu 160 Franken sowie zu einer Busse von 1500 Franken verurteilt. Zudem muss er sämtliche Gerichtskosten von 5000 Franken tragen. Nicht zuletzt die Untersuchungskosten von rund 2700 Franken sowie die Aufwendungen für seinen Rechtsanwalt.

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