23.07.2020 11:59

«Rädchen der Mordmaschinerie»

Gericht spricht Ex-KZ-Wachmann schuldig, in Haft muss er aber nicht

Bruno R. stand während des Zweiten Weltkriegs im Konzentrationslager Stutthof im Einsatz. Jetzt wurde er zu einer Bewährungsstrafe verurteilt.

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Bruno D. hatte als SS-Mann in einem KZ nahe Danzig Dienst geleistet.

Bruno D. hatte als SS-Mann in einem KZ nahe Danzig Dienst geleistet.

REUTERS
Die Jugendstrafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig.

Die Jugendstrafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig.

keystone-sda.ch
Der Prozess wurde nach Jugendstrafrecht geführt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit 1944 erst 17 Jahre alt war.

Der Prozess wurde nach Jugendstrafrecht geführt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit 1944 erst 17 Jahre alt war.

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Ein ehemaliger SS-Wachmann im Konzentrationslager Stutthof ist in Deutschland zu zwei Jahren Jugendstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Die Jugendstrafkammer sprach den 93 Jahre alten Angeklagten am Donnerstag der Beihilfe zum Mord in 5232 Fällen und wegen Beihilfe zu einem versuchten Mord schuldig.

Der Angeklagte hatte als SS-Mann von August 1944 bis April 1945 in dem Lager nahe Danzig (Gdansk) im heutigen Polen Dienst geleistet. Er war Posten auf einem Wachturm. Er sei ein «Rädchen der Mordmaschinerie» der Nationalsozialisten gewesen, befand die Anklage. Die Verteidigung hatte Freispruch gefordert. Der Prozess wurde nach Jugendstrafrecht geführt, weil der Mann zu Beginn der Tatzeit 1944 erst 17 Jahre alt war.

Eine Beteiligung an einem konkreten Verbrechen wurde dem Angeklagten nicht vorgeworfen. Er selbst hatte mehrfach erklärt, dass er als nicht frontdienstfähiger Wehrmachtssoldat nach Stutthof abkommandiert worden sei und dort ohne seine Zustimmung in die SS übernommen wurde. Er habe kein einziges Mal von seiner Waffe Gebrauch gemacht.

Bei der Aufarbeitung der Nazi-Vergangenheit hatte die deutsche Justiz über Jahrzehnte nur diejenigen verfolgt, die zur Leitung der Konzentrationslager gehört oder selbst gemordet hatten oder durch besondere Grausamkeit aufgefallen waren, sogenannte Exzesstäter. Ein Wendepunkt war der Prozess gegen den früheren Wachmann John Demjanjuk, der 2011 wegen seiner Tätigkeit im Vernichtungslager Sobibor im besetzten Polen verurteilt wurde. Heutzutage wird auch die allgemeine Dienstausübung in einem Lager, in dem erkennbar systematische Massenmorde stattfanden, juristisch geahndet.

(SDA)

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