Blasphemie in Pakistan: Gericht stellt Verfahren gegen junge Rimsha ein

Aktualisiert

Blasphemie in PakistanGericht stellt Verfahren gegen junge Rimsha ein

Die junge Christin Rimsha stand in Pakistan wegen Gotteslästerung vor Gericht, weil sie Koranverse verbrannt haben soll. Nun hat die Justiz die Anklage fallengelassen.

Die pakistanische Justiz hat die Anklage gegen die junge Christin Rimsha wegen Gotteslästerung aus Mangel an Beweisen fallengelassen. «Der Hohe Gerichtshof in Islamabad hat alle Vorwürfe gegen meine Mandantin verworfen», sagte der Anwalt der Jugendlichen am Dienstag.

Die Verteidigung habe das Gericht darauf hingewiesen, dass es keinen Zeugen gebe, der Rimsha beim Verbrennen von Koranversen gesehen habe. Zudem hätten die Anwälte geltend gemacht, dass das Mädchen noch jung sei und nicht lesen könne.

Rimsha war Mitte August festgenommen worden und sass bis zu ihrer Freilassung gegen Kaution Anfang September in einem Gefängnis für Erwachsene. Dem Mädchen wurde vorgeworfen, Seiten aus dem Koran verbrannt zu haben. In Pakistan steht darauf lebenslange Haft.

Laut einem medizinischen Gutachten soll das Mädchen aus einem ärmlichen Vorort Islamabads 14 Jahre alt sein und einen niedrigen Intelligenzquotienten haben. Einigen Berichten zufolge soll Rimsha aber erst elf Jahre alt sein und am Down-Syndrom leiden.

Der für den Dialog mit den religiösen Minderheiten zuständige Minister Paul Bhatti sagte am Dienstag, die Entscheidung der Justiz werde «ein positives Bild Pakistans an das Ausland senden».

Überraschende Wendung

Das Verfahren hatte eine überraschende Wendung genommen, als die Polizei einem Imam aus der Nachbarschaft der Familie vorwarf, die beschädigten Seiten in die Tasche des Mädchens geschmuggelt zu haben. Der Mann war Anfang September in Gewahrsam genommen und im Oktober auf Kaution freigelassen worden. Gegen ihn wird weiterhin ermittelt, er streitet die Vorwürfe ab.

Es wird vermutet, dass der Imam Christen aus dem Armenviertel vertreiben wollte. Nach der Festnahme des Mädchens flohen denn auch die meisten Christen aus Angst vor Übergriffen von Muslimen aus dem Stadtteil.

Die Einstellung des Verfahrens gegen Rimsha kann vor dem Verfassungsgericht angefochten werden. Das Mädchen und ihre Familie halten sich unter dem Schutz der Regierung an einem unbekannten Ort auf. Die Festnahme Rimshas hatte international, aber auch unter muslimischen Klerikern in Pakistan für Proteste gesorgt.

Umstrittenes Gesetz

Am vergangenen Donnerstag hatte ein pakistanisches Gericht erstmals seit zwei Jahren wieder ein Todesurteil wegen Blasphemie verhängt. Verurteilt wurde ein Mann, der im März vergangenen Jahres festgenommen worden war, weil er angeblich den Propheten Mohammed verunglimpft hatte.

Zuvor war im November 2010 die Christin Asia Bibi wegen Blasphemie zum Tode verurteilt worden. Sie ist seitdem inhaftiert. Ihr Fall hatte ebenfalls weltweit für Schlagzeilen gesorgt. Papst Benedikt XVI. setzte sich erfolglos für ihre Freilassung ein.

Zwar wurde in Pakistan bisher kein Todesurteil wegen Blasphemie vollstreckt, mehrere Angeklagte wurden aber nach ihrer Freilassung gelyncht. In seiner jetzigen Form wurde das Blasphemie-Gesetz 1986 vom Militärdiktator Muhammad Zia ul-Haq eingeführt.

Islamisten laufen Sturm gegen eine Änderung des Gesetzes, das sie für gottgemacht halten. Das umstrittenes Gesetz verbietet die Beleidigung jeder Religion, wird aber in der Praxis nur bei angeblicher Herabsetzung des Islam angewandt. (sda)

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