Luzern: Gericht verurteilt Sex-Bande von Reiden
Aktualisiert

LuzernGericht verurteilt Sex-Bande von Reiden

Mehr als ein Jahr lang zwangen 14 Schüler im Alter von 13 bis 17 Jahren eine Schülerin (14) in öffentlichen WCs in Reiden (LU) zu Sex. Jetzt sind auch die Haupttäter verurteilt.

von
mme/gwa
Eines der öffentlichen WCs in der luzernerischen Gemeinde Reiden.

Eines der öffentlichen WCs in der luzernerischen Gemeinde Reiden.

Die Tat schockte ein Dorf: Zwischen Oktober 2010 und November 2011 haben 14 Schüler in öffentlichen WCs der luzernischen Gemeinde Reiden eine damals 14-jährige Schülerin zu Oral- und Geschlechtsverkehr gezwungen. Das Opfer wurde mit einer Videoaufnahme erpresst, wie die Polizei damals mitteilte (20 Minuten berichtete). Einige Jugendliche haben das Mädchen während der Vergewaltigungen festgehalten, damit es sich nicht wehren konnte. Die Fälle kamen ans Licht, nachdem sich das Opfer im November 2011 an Schulverantwortliche wandte, die dann die Polizei einschalteten, teilte die stellvertretende Infobeauftragte des Gerichtswesens Luzern am Dienstag mit.

Gericht verurteilte Haupttäter

Acht der Täter wurden bereits früher mit bedingten Freiheitsstrafen und Arbeitsleistung bestraft. Am Dienstag nun teilte das Luzerner Gerichtswesen mit, dass auch die restlichen sechs Täter rechtskräftig verurteilt worden seien. Es handelt sich um Personen, die zu Beginn der Straftat zwischen 14 und 15 Jahre alt waren. Das Jugendgericht bestrafte sie wegen mehrfacher und gemeinsam verübter sexueller Nötigung. Zudem verurteilte es zwei Jugendliche wegen Vergewaltigung und einen wegen versuchter Vergewaltigung.

Bedingte Freiheitsstrafen und Therapien

Das Jugendgericht bestrafte sie – je nach ihrer Beteiligung an den Taten – mit bedingten Freiheitsentzügen zwischen vier und elf Monaten. «Diese Strafen liegen teilweise nahe beim gesetzlichen Maximum von einem Jahr. Das Jugendgericht folgte mit diesen Strafen weitgehend den Anträgen der Jugendanwaltschaft», teilte die stellvertretende Infobeauftragte des Gerichtswesens mit.

Die verurteilten Jugendlichen müssen ausserdem ambulante Therapien antreten. «Ziel ist es, dass von den Jugendlichen keine Gefahr mehr ausgeht und sie wieder ins Leben einsteigen können», sagt Staatsanwaltschaftssprecher Simon Kopp. Zeige eine Therapie keine Wirkung, würde der Fall neu beurteilt. Bei fünf von sechs Tätern ist diese Therapie bereits beendet.

Höhe der Genugtuung noch unklar

Noch nicht abgeschlossen ist das zivilrechtliche Verfahren, in dem über die Genugtuungsanpsrüche des Opfers entschieden wird. Das Opfer ist seit 2011 in Therapie und geht nicht mehr in Reiden zur Schule.

Weitere Angabe zu den Tätern machte das Gerichtswesen am Dienstag nicht. Gemäss Polizeimeldung vom letzten April stammen die 14 beteiligten Jugendlichen aus der Schweiz (2), aus Bosnien-Herzegowina (1), Kosovo (5), Serbien (3) und Mazedonien (3).

Deine Meinung