HMO-Modelle: Geringeres Sparpotenzial als behauptet

Aktualisiert

HMO-ModelleGeringeres Sparpotenzial als behauptet

HMO-Modelle dämpfen den Anstieg der Gesundheitskosten viel weniger, als uns Politiker bislang weismachen wollten.

von
Elisabeth Rizzi

Comparis frohlockte letzte Woche: Angesichts des Prämienschocks würden immer mehr Personen zu den vermeintlich kostengünstigen Grundversicherungsmodellen Hausarzt und HMO-Netzwerke wechseln. In diesen Modellen sehen die Politiker Heilungspotenzial für den rasanten Kostenanstieg im Gesundheitswesen. Die Höhe des Einsparungspotenzials wird auf 25 bis 40 Prozent beziffert. «Tatsächlich ist das Sparpotenzial aber viel kleiner», kontert nun der Privatdozent für Gesundheitsökonomie an der Uni Zürich, Konstantin Beck. In einer neuen Studie zeigt er, dass Ärztenetzwerke teilweise sogar Zusatzkosten von bis zu 6 Prozent verursachen.

Durchschnittlich sparen die HMOs heute bloss 18 Prozent ein. Und ein Grossteil dieser Einsparungen beruht auf der speziellen Klientel, die solche Versicherungsmodelle wählt: nämlich Junge und Gesunde. «Berücksichtigt man diesen Faktor, dann beträgt das Sparpotenzial nur noch knapp 9 Prozent», sagte Beck am diesjährigen Kongress für Gesundheitsökonomie. Das Gesundheitswesen laufe zudem Gefahr, dass diese Einsparungen vom Verwaltungsaufwand wieder geschluckt werden. Ein Obli­gatorium, wie es aktuell in den eidgenössischen Räten diskutiert werde, bringe deshalb nichts.

Alternative Versicherung

Alternative Modelle der Grundversicherung beschränken die Arztwahl. Dafür sind die Prämien günstiger. Durch die Gatekeeperfunktion der Ärzte erhofft sich die Politik einen kostendämpfenden Effekt. Mehr als 1,8 Millionen Personen haben sich bislang für ein solches Modell entschieden. Am weitesten verbreitet sind Hausarzt-Modelle und HMO-Ärztenetzwerke. Zunehmend kommen auch Modelle mit Ärztelisten und Telemed-Anlaufstellen auf den Markt.

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