Airline-Insolvenz: Germania-Schweiz-Chef verlangt jetzt Mehrarbeit
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Airline-InsolvenzGermania-Schweiz-Chef verlangt jetzt Mehrarbeit

Germania hat in Deutschland Insolvenz angemeldet. Die Germania Flug AG in der Schweiz fliegt aber weiter. Kann sie überleben?

von
V. Sadecky
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Der Ferienflieger Germania hat in Deutschland Insolvenz angemeldet. In der Schweiz bleibt Germania bis auf weiteres aktiv.

Der Ferienflieger Germania hat in Deutschland Insolvenz angemeldet. In der Schweiz bleibt Germania bis auf weiteres aktiv.

Keystone/Steffen Schmidt
In der Schweiz ist Germania mit der Tochtergesellschaft Germania AG weiterhin aktiv. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Antworten rund um das Airline-Debakel.

In der Schweiz ist Germania mit der Tochtergesellschaft Germania AG weiterhin aktiv. Wie geht es nun weiter? Die wichtigsten Antworten rund um das Airline-Debakel.

Keystone/Steffen Schmidt
Wie kam es zur Germania-Insolvenz in Deutschland?Germania steckte schon länger in einer Finanznot. Hauptgrund dafür waren steigende Treibstoffpreise, die die kurzfristige Zahlungsfähigkeit beeinträchtigten. Auch rückläufige Ticketkäufe dürften eine Rolle gespielt haben. So meldete der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Mitte Januar, dass Kunden nur noch auf eigenes Risiko Tickets kaufen könnten.

Wie kam es zur Germania-Insolvenz in Deutschland?Germania steckte schon länger in einer Finanznot. Hauptgrund dafür waren steigende Treibstoffpreise, die die kurzfristige Zahlungsfähigkeit beeinträchtigten. Auch rückläufige Ticketkäufe dürften eine Rolle gespielt haben. So meldete der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Mitte Januar, dass Kunden nur noch auf eigenes Risiko Tickets kaufen könnten.

Christoph Schmidt

Der Ferienflieger Germania ist pleite. In der Schweiz ist die Tochter Germania Flug AG aber weiterhin aktiv. Doch die Verunsicherung ist gross. Daher hat die Gesellschaft in Glattbrugg am Dienstagabend ihre rund 120 Mitarbeiter zusammengetrommelt. In einem Saal gab das Management der Crew Durchhalteparolen durch. Germania-Schweiz-Präsident Urs A. Pelizzoni sagte nach dem Anlass zu 20 Minuten, es habe sich um eine normale Infoveranstaltung gehandelt. Der Flugbetrieb in der Schweiz gehe wie gewohnt weiter. Die hiesigen Mitarbeiter müssten aber nun mehr arbeiten, da sie die Flüge von Deutschland nun übernehmen müssten.

Ist also alles gut mit der Gesellschaft in der Schweiz? Die wichtigsten Antworten:

Wie kam es zur Germania-Insolvenz in Deutschland?

Germania steckte schon länger in einer Finanznot. Hauptgrund dafür waren steigende Treibstoffpreise, die die kurzfristige Zahlungsfähigkeit beeinträchtigten. Auch rückläufige Ticketkäufe dürften eine Rolle gespielt haben. So meldete der Schweizer Reiseanbieter Hotelplan Mitte Januar, dass Kunden nur noch auf eigenes Risiko Tickets kaufen könnten. Seit der Warnung hat Hotelplan kein einziges Germania-Ticket mehr verkauft, wie eine Sprecherin zu 20 Minuten sagt.

Wieso kann Germania in der Schweiz weiter geschäften?

Germania agiert in der Schweiz mit der nun eigenständigen Tochterfirma Germania Flug AG. Im Gegensatz zur deutschen Mutterfirma hat die Germania Schweiz ihren Mitarbeitern im Januar die Löhne ausbezahlt, wie Chef Urs A. Pelizzoni in einem Interview mit dem Brachenportal Travelinside sagte. Die Schweizer Germania verfügt aber nur über einen Bruchteil der Germania-Flotte mit 40 Fliegern: Laut der Germania Flug AG sind es drei Flugzeuge, die von Zürich Destinationen wie Palma de Mallorca oder Teneriffa anfliegen. Ob die Flieger geleast oder gekauft sind, will die Germania Flug AG gegenüber 20 Minuten nicht kommentieren.

Wie stehen die Chancen, dass Germania in der Schweiz überlebt?

Aviatik-Experte Andreas Wittmer von der Hochschule St. Gallen prophezeit der Germania Flug AG einen steinigen Weg: «Um mit einer so kleinen Flotte auf dem hart umkämpften Flugmarkt zu überleben, sind Airline-Partnerschaften verschiedener Arten unterstützend.» Germania könnte laut Wittmer mit grossen Airlines Kontakt aufnehmen. «Es ist eher unwahrscheinlich, dass es die Germania Flug AG im Alleingang schafft.» Walter Kunz, Geschäftsführer des Schweizer Reise-Verbands wählt vorsichtigere Worte: «Es ist für uns schwierig abzuschätzen, ob die Schweizer Gesellschaft auf eigenen Beinen überlebensfähig ist.» Aus Konkurrenzgründen habe die Branche ein grosses Interesse am Überleben von Germania. Den dem Verband angeschlossenen Reisebüros werde in solchen Situationen jeweils geraten, ihre Kunden transparent über die entsprechenden Risiken aufzuklären.

Droht Germania Schweiz das gleiche Schicksal wie Skywork?

Ende 2017 groundete die Schweizer Fluggesellschaft Skywork, weil ihr das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) die Betriebsbewilligung entzogen hatte. Beim Bazl heisst es auf Anfrage von 20 Minuten, man könne zurzeit nicht sagen, wie sich die deutsche Insolvenz auf den Betrieb der Germania Flug AG auswirke. «Die Germania Flug AG verfügt nach wie vor über eine gültige Betriebsbewilligung und ein Air Operator Certificate», heisst es in einem E-Mail. Das Air Operator Certificate kann der Germania Flug AG allerdings wie anderen Airlines auch aus wirtschaftlichen Gründen entzogen werden.

Was bedeutet die deutsche Insolvenz für Germania-Kunden in der Schweiz?

Wer bei der Mutterfirma Germania in Deutschland Tickets gekauft hat, kann wahrscheinlich keine Entschädigung erwarten. Auf der Germania-Website können Schweizer Kunden weiterhin Flüge ab Zürich buchen. Sollte die Germania ihren Betrieb in der Schweiz aber bald einstellen, hätten sie das Nachsehen. Zwar hat man bei einem Airline-Konkurs als Kunde Anrecht auf Entschädigung, doch Passagiere stehen immer zuletzt auf der Schuldnerliste. Aus diesem Grund bekommt man selten sein Geld zurück.

Was bedeutet die Insolvenz für Schweizer Reisebüros, die über Germania Tickets bezogen haben?

Die Schweizer Reiseanbieter Kuoni und TUI Schweiz arbeiten bis auf weiteres mit der Germania Flug AG zusammen. Von TUI Schweiz heisst es, man beobachte die Lage laufend. Und: «Germania Schweiz ist weiterhin ein wichtiger Partner. Der Flugplan wird eingehalten und die Lage ist ruhig.» Bei der Konkurrentin Kuoni klingt es ähnlich: «Unabhängig von Germania sind wir auf Insolvenzen von Fluggesellschaften vorbereitet und bieten unseren Kunden dann kurzfristig alternative Lösungen an.» Flugpleiten haben für Reiseanbieter hohe Kosten zur Folge. Wie Hotelplan-CEO Thomas Stirnimann im Rahmen eines Gesprächs an einer Tourismus-Messe im Oktober 2018 sagte, sollen die Pleiten von Fluggesellschaften im Jahr 2018 den Konzern rund eine halbe Million Franken gekostet haben.

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