Gerold Bührer soll neuer economiesuisse-Präsident werden
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Gerold Bührer soll neuer economiesuisse-Präsident werden

Der Schaffhauser FDP-Nationalrat Gerold Bührer soll Präsident des Wirtschaftsdachverbands economiesuisse werden.

Das hat der Vorstandsausschuss am Montag beschlossen, wie economiesuisse mitteilte. Die Wahl durch den Vorstand findet am 20. November statt.

Mit Gerold Bührer soll ein sturmerprobter «Mann der Wirtschaft» das Ruder bei economiesuisse übernehmen und den Verband wieder in ruhigere Gewässer führen. Seine engen Verflechtungen mit der Wirtschaft sind dem Georg-Fischer-Mann dabei sehr dienlich.

Allerdings standen sie ihm auch schon mal im Weg: Im April 2001 als Nachfolger von Franz Steinegger als Präsident der FDP Schweiz angetreten, um die Partei wieder aus einem Tief herauszuführen, geriet der heute 58-Jährige zusehends unter Druck.

Seine Tätigkeit im Verwaltungsrat bei der angeschlagenen Rentenanstalt sorgte für negative Schlagzeilen und Kritik aus den eigenen Reihen. Vor den Entscheid zwischen Politik und Wirtschaft gestellt, entschied er sich für das Mandat bei der Rentenanstalt.

FDP-Präsidium als Belastung

Im November 2002 trat er als FDP-Präsident zurück - weil das Doppelmandat zur Belastung geworden sei. Ein Jahr vor den eidgenössischen Wahlen wollte Bührer wohl auch seine Partei von einer Hypothek befreien.

Denn die Rentenanstalt war unter anderem wegen des umstrittenen Analge-Vehikels Long Term Strategy (LTS) für ihre Manager unter Beschuss geraten. Bührer selbst wusste um diese Geschäfte, die zum Rücktritt von Konzernchef Roland Chlapowski und Präsident Andres Leuenberger führten. Letzterer war übrigens bis Juli 2001 Präsident von economiesuisse.

Heute sitzt der studierte Ökonom Bührer wieder als gewöhnlicher Nationalrat im Parlament. Dort tritt er vor allem als Finanz- und Wirtschaftspolitiker in Erscheinung, zuletzt im Kampf gegen die KOSA-Initiative, die Nationalbankgewinne der AHV zuführen wollte.

«Ein Marktwirtschafter»

Diese - von den Stimmenden deutlich verworfene - Verknüpfung von Geldpolitik und Finanzierung von Sozialwerken passte gar nicht in sein Verständnis von Wirtschaft und Staat. Bührer bezeichnet sich selbst als «Marktwirtschafter vom Scheitel bis zur Sohle».

Er ist allerdings auch der Ansicht, dass die Politik Leitlinien vorgeben muss, innerhalb derer der Markt spielen kann. In diesem Spannungsfeld zwischen Markt und Staat bewegt sich auch die economiesuisse, die sich als Interessenvertreterin der Wirtschaft in die politischen Prozesse einbringt.

Bührers starke Verwurzelung in Schaffhausen und seine Treue zum Industriekonzern Georg Fischer sollten auch jene Mitglieder von economiesuisse besänftigen können, die dem Verband vorwerfen, er richte sich zu sehr nach den Bedürfnissen der global ausgericheten Finanz- und Pharmabranche und vernachlässige den Werkplatz Schweiz.

GF-Finanzchef und Berater

Von 1979 bis 1990 arbeitete Bührer bei der Schweizerischen Bankgesellschaft (SBG). Danach wechselte er zu Georg Fischer (GF), wo er bis September 2000 Finanzchef war. Dann machte er sich als Wirtschaftsberater selbstständig und wechselte in den GF- Verwaltungsrat - auch um mehr Zeit für sein politisches Engagement zu haben.

Bührer war 1991 als Vertreter der FDP Schaffhausen in den Nationalrat gewählt worden, wo er auch die Finanzkommission präsidierte. Derzeit gehört er der Kommission für Wirtschaft und Abgaben (WAK-NR) und der Aussenpolitischen Kommission (APK-NR) an.

Zahlreiche Mandate

Bührer sitzt in den Verwaltungsräten zahlreicher Unternehmen: neben Georg Fischer und Swiss Life/Rentenanstalt beispielsweise auch bei der Swiss-Life-Tochter Banca del Gottardo und bei der Immobiliengesellschaft Züblin.

Aktiv ist der im schaffhausischen Thayngen wohnhafte Bührer auch im Bodenseerat. Er ist verheiratet und Vater zweier erwachsener Kinder.

(sda)

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