St. Moritz: Gerüchte um Fälschung bei 10'000-Franken-Whisky
Aktualisiert

St. MoritzGerüchte um Fälschung bei 10'000-Franken-Whisky

Ein Chinese leistete sich das vermeintlich teuerste Glas Whisky der Welt in St. Moritz. Doch nun behaupten Kritiker, es handle sich um eine Fälschung.

von
S. Spaeth und K. Wolfensberger
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Prosit! Der Gast aus China (Mitte) und Hotelier Sandro Bernasconi (rechts). Der Macallan-Sammler aus Asien hat sich soeben ein Glas Whisky für 9999 Franken gegönnt.

Prosit! Der Gast aus China (Mitte) und Hotelier Sandro Bernasconi (rechts). Der Macallan-Sammler aus Asien hat sich soeben ein Glas Whisky für 9999 Franken gegönnt.

Der Macallan-Whisky aus dem Jahr 1878: Der Sammlerwert für die Flasche lag bei rund 50'000 Franken.

Der Macallan-Whisky aus dem Jahr 1878: Der Sammlerwert für die Flasche lag bei rund 50'000 Franken.

So titelte der Blog Whiskyexperts.net und monierte, der Macallan aus dem Jahr 1878 könnte eine Fälschung sein. Diese sei schon im Jahr 2004 aufgedeckt worden.

So titelte der Blog Whiskyexperts.net und monierte, der Macallan aus dem Jahr 1878 könnte eine Fälschung sein. Diese sei schon im Jahr 2004 aufgedeckt worden.

Die Geschichte hat weltweit für Aufsehen gesorgt: Ein Gast aus China trank am Wochenende im Hotel Waldhaus am See in St. Moritz einen Whisky für 9999 Franken. Der Single Malt aus dem Jahr 1878 der Marke Macallan war die einzige noch ungeöffnete Flasche dieses Jahrgangs.

Doch nun äussern Whiskykenner Zweifel an der Geschichte. Wie das Portal Whiskyexpertes.net berichtet, disktutieren Whiskykenner um den renommierten Experten Serge Valentin die Möglichkeit, dass es sich beim teuren Destillat um eine Fälschung handeln könnte.

Sie behaupten: Die Flasche, deren Wert Hotelier Sandro Bernasconi auf 50'000 Franken schätzt, sei höchstwahrscheinlich eine eigentlich gut bekannte Fälschung, die schon im Jahr 2004 aufgedeckt wurde (hier ein Artikel aus Whiskymag, der das beschreibt).

Auch historisch betrachtet könne die Flasche so nicht existiert haben. Denn auf ihr stehe «Macallan and Talisker Distilleries ltd», obwohl im fraglichen Zeitraum die beiden Produzenten nicht im Besitz des gleichen Eigentümers gewesen seien.

Flasche für fünfstelligen Betrag gekauft

Im Gespräch mit 20 Minuten sagt Hotelier Sandro Bernasconi, er habe am Donnerstagabend auf einem Whisky-Blog von den Vorwürfen erfahren. «Ich nahm den Umstand zur Kenntnis, war aber weder schockiert noch verärgert.» Im Moment handle es sich nur um eine Vermutung. Es sei nun wichtig, die Wahrheit herauszufinden. Zudem hat Bernasconi bereits probiert, den Kritiker zu kontaktieren. Bisher aber ohne Erfolg.

Das Hotel hat in einer Stellungnahme bereits auf die Fälschungsvorwürfe reagiert. In einem Communiqué schreibt das Waldhaus am See: «Die Macallan-1878-Flasche wurde von meinem Vater und früheren Hotel-Gastgeber Claudio Bernasconi vor 25 Jahren zu einem fünfstelligen Betrag gekauft», sagt Bernasconi junior. Danach sei die Flasche eingelagert worden und während der ganzen Zeit auf der Barkarte des Hotels gelistet gewesen.

Aufwändiges Testverfahren

Während der ganzen Zeit habe man nie den Verdacht gehabt, dass es sich nicht um ein Original handeln könnte. Das Hotel nehme die Gerüchte aber sehr ernst und werde die offene Flasche nun in einem aufwändigen Verfahren testen lassen. «Wir sind dazu mit einem der renommiertesten Whiskytester aus Schottland im Kontakt», so Bernasconi.

Da das Verfahren sehr aufwändig sei, könne es mehrere Monate dauern, bis die definitiven Resultate vorlägen. Grund sind unter anderem die langen Wartezeiten im Speziallabor: «Wir versuchen aber unser Möglichstes, damit wir den Prozess beschleunigen können», so Bernasconi.

Gast nimmt es locker

Sollte es sich um eine Fälschung handeln, wird das Hotel seinem chinesischen Gast den vollen Preis zurückerstatten und rechtliche Schritte gegen den damaligen Verkäufer in Erwägung ziehen. «Ich sprach schon mit dem Gast aus China. Er hat von den Fälschungsgerüchten ebenfalls gehört, macht uns aber keine Vorwürfe, da die Flasche noch ungeöffnet war und die Echtheit nicht überprüft werden konnte.»

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