Gescheiterter Hanfkönig als Geldeintreiber
Aktualisiert

Gescheiterter Hanfkönig als Geldeintreiber

«Wie Pitbulls, einmal festgebissen, lassen die nicht mehr los», preist Michael Hauser seine Schuldeneintreiber an. Die Methoden seiner Inkasso-Firma sind speziell.

von
Maurice Thiriet

Michael Hauser war um die Jahrtausendwende eine schillernde Gestalt im Schweizer Hanfhandel. So hat er etwa im Jahr 2000 mit seiner Firma Hierba AG Hanfblüten-Müsterchen verschickt, ohne sich um das Alter der Empfänger zu kümmern. Laut Zeitungsberichten hatten auch Minderjährige den Gratis-Stoff bestellt.

Nun meldet sich Hauser zurück. Und zwar mit einer Firma namens Frontliner Inkasso. Das Geschäftsmodell ist einfach und erinnert an das umstrittene Inkasso Team Moskau, das mit Einschüchterungstaktik und Drohgebärden säumige Schuldner zum Zahlen bringt. Doch statt russischstämmiger Bodybuilder setzt Hauser Mitarbeiter der Wetzikoner Firma Fox Security ein. «Diese suchen die Schuldner am Arbeitsplatz, zu Hause oder am jeweiligen Aufenthaltsort auf und sprechen die Leute auf ihre Schulden an», sagt Hauser.

Man werde im «halböffentlichen Bereich» die Schulden diskutieren, schreibt Hauser in einer Eigenwerbung. Und: «Unsere Leute sind wie Pitbulls, einmal festgebissen, lassen die nicht mehr los.» Was ihn für das Inkasso-Business qualifiziere, seien «die Erfahrung und die Kontakte aus seiner früheren Tätigkeit», schreibt Hauser. Die da waren: Anbau und Verkauf von Hanf. Da sei er «Pionier» gewesen, habe aber wegen der ausbleibenden Hanflegalisierung seine Geschäfte einstellen müssen.

Persönlichkeitsverletzend und an Nötigung grenzend

Beim Verband Schweizerischer Inkassotreuhandinstitute (VSI) ist man ob dem Firmenauftritt von Hausers Frontliner Inkasso nicht erfreut. Solche Methoden schadeten einer ganzen Branche. «Diese Firma würde sicher nicht im VSI aufgenommen», sagt VSI-Geschäftsführer Robert Simmen. Strafrechtlich bewege sich Hauser mit dem Aufsuchen von Schuldnern am Arbeitsplatz und zu Hause ohne Voranmeldung oder dem Nachfragen bei Nachbarn in einer Grauzone: «Eine solche Vorgehensweise mit übertriebenen Mitteln ist inadäquat. Darüber hinaus ist es persönlichkeitsverletzend und grenzt an Nötigung.»

Fast die Hälfte der eingetriebenen Gelder zurückbehalten

Hauser hat nach eigenen Angaben wegen seiner Inkasso-Tätigkeit noch nie strafrechtliche Probleme gehabt. «Wir ziehen nötigenfalls Anwälte bei, wenn wir sehen, dass jemand wirklich zahlungsunfähig ist, dann suchen wir selbstverständlich zusammen mit dem Gläubiger andere Lösungen», sagt Hauser. So oder so: Die Dienste des ehemaligen Hanfkönigs sind nicht günstig und werden wohl nur im äussersten Notfall in Anspruch genommen. Von eingetriebenen Geldern behält Hauser nach eigenen Angaben 45 Prozent ein.

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