«Time-Out»: Geschichte und Statistik sprechen für die Schweiz

Aktualisiert

«Time-Out»Geschichte und Statistik sprechen für die Schweiz

Heute Abend spielt die Schweiz im Final gegen Schweden. Es ist unheimlich: Die Schweiz ist sogar der Favorit.

von
Klaus Zaugg
Stockholm

Die Geschichte spricht gegen die Schweden. Seit 1986 hat der Gastgeber nie mehr die WM gewonnen. 1986 holten die Sowjets in Moskau den Titel. Seither sind alle Titanen gescheitert: Schweden, Finnland, Kanada, Russland, Tschechien und die Slowakei. Nur die Amerikaner haben seit 1986 keine WM durchgeführt.

Ganz bitter sind die Finalniederlagen der Schweden 1995 in Stockholm, im Globen gegen Finnland (1:4). Es war der erste Titel für Finnland und bei der gleichen WM sind die Schweizer nach einem 4:4 gegen Österreich im gleichen Stadion schmählich in die B-WM abgestiegen. 2008 verloren die Kanadier in Quebec gegen Russland (4:5 nach Verlängerung).

Auch die Schweiz kennt den «Heimnachteil»: Bei der WM 2009 in Bern und Kloten prägte der damalige Nationaltrainer dieses «Unwort». Tatsächlich verpassten die Schweizer das Viertelfinale. Noch unheimlicher sind die Statistiken aus dieser WM. Auch sie sprechen für die Schweiz.

Chancenauswertung

3. Schweiz, 11.76 % aller Schüsse im Tor

14. Schweden, 7,08 % aller Schüsse im Tor

Powerplay

1. Schweiz 32,26 % Erfolgsquote

10. Schweden, 15,38 % Erfolgsquote

Boxplay

1. Schweden, 91,67 % Erfolgsquote

2. Schweiz 88,57 % Erfolgsquote

Torhüter

1. Schweiz, 95,40 % Fangquote

2. Schweden, 94,83 % Fangquote

In der Plus-Minus-Statistik liegt erstmals in der Geschichte der WM-Statistik ein Schweizer auf Platz 1: Julien Vauclair mit +10 – vor Mathias Seger mit +9. Martin Plüss (+8), Simon Moser und Nino Niederreiter (je +7) stehen noch vor dem besten Schweden (Fredryk Pettersson/+5).

Wer also ganz neutral die Chancen für das Finale analysiert, kommt zum Schluss: Vorteil Schweiz.

Der optische Eindruck bestätigt die Statistik: Die Schweizer sind die spielerisch beste Mannschaft in diesem Turnier. Sie haben auch die Amerikaner im Halbfinale dominiert (31:29 Torschüsse). Die Schweizer haben alle Partien dieser WM gewonnen, auch das Auftaktspiel gegen die Schweden NHL-Stars nachgerüstet: Vor allem die Zwillinge Daniel und Henrik Sedin, Schwedens Antwort auf Claudio und Sadro Moggi, machen die Mannschaft besser.

Zum ersten Mal als Favorit im Final

Sedin hin, Sedin her: Wir stehen wir vor einer verrückten Ausgangslage: Die Schweden müssen mit guter Defensivleistung versuchen, das Tempospiel der Schweizer zu blockieren. Der Schlüssel ist also die Taktik, mit der die Schweizer jahrelang die Titanen herausgefordert haben. Die Schweizer stehen nicht nur zum ersten Mal in einem WM-Finale. Die Schweizer sind auch zum ersten Mal an einer WM gegen einen Titanen favorisiert.

Nun, Eishockey ist ein unberechenbares Spiel, das auf einer rutschigen Unterlage gespielt wird. Statistiken und Geschichte sind letztlich nur die Krücken der Unwissenden auf dem langen Marsch zur Wahrheit. Die Chancen fürs WM-Finale stehen 50:50. Nicht mehr. Aber eben auch nicht weniger.

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