14.09.2020 10:09

Kriminalgericht LuzernGeschichtenerzähler soll neun Millionen Franken ergaunert haben

Vor Luzerner Kriminalgericht musste sich ein Mann wegen Betrugs verantworten. Mit hohen Summen soll er sich ein Luxus-Leben inklusive Privatjet geleistet haben. Nun soll er das

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Das Kriminalgericht Luzern hat einen mutmasslichen Berufsbetrüger zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 11 Monaten verurteilt. Er soll seine Opfer um Millionen geprellt haben.
Das Kriminalgericht Luzern hat einen mutmasslichen Berufsbetrüger zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 11 Monaten verurteilt. Er soll seine Opfer um Millionen geprellt haben.
Foto: Keystone
Der Beschuldigte lebte auf grossem Fuss, besass teure Autos und ein Flugzeug, mit dem er in die USA jettete. Er sei ein guter Geschichtenerzähler, habe den erfolgreichen Investor gespielt und so seine Opfer anfüttern können, hiess es am Prozess.
Der Beschuldigte lebte auf grossem Fuss, besass teure Autos und ein Flugzeug, mit dem er in die USA jettete. Er sei ein guter Geschichtenerzähler, habe den erfolgreichen Investor gespielt und so seine Opfer anfüttern können, hiess es am Prozess.
Foto: Gericht Luzern
Der Beschuldigte wies vor Gericht diese Darstellung eloquent und selbstsicher zurück. Es sei kein Verwendungszweck für die investierten Gelder vereinbart gewesen, sagte er, er habe sich stets an die Verträge gehalten. Sein Verteidiger sagte, die angeblichen Opfer seien die Investitionsrisiken aus eigenem Willen eingegangen.
Der Beschuldigte wies vor Gericht diese Darstellung eloquent und selbstsicher zurück. Es sei kein Verwendungszweck für die investierten Gelder vereinbart gewesen, sagte er, er habe sich stets an die Verträge gehalten. Sein Verteidiger sagte, die angeblichen Opfer seien die Investitionsrisiken aus eigenem Willen eingegangen.
Foto: Gericht Luzern

Darum geht es

  • Ein Mann (51) stand vor dem Luzerner Kriminalgericht, weil ihm Betrug vorgeworfen wird. Er wurde zu fast sieben Jahren Haft verurteilt.
  • Er wollte einen Freispruch. Sein Verteidiger sagte, die angeblichen Opfer seien die Investitionsrisiken aus eigenem Willen eingegangen.
  • In der Schweiz summieren sich seine Verlustscheine auf 40 Millionen Franken.

Das Luzerner Kriminalgericht hat einen mutmasslichen Berufsbetrüger zu einer Freiheitsstrafe von 6 Jahren und 11 Monaten verurteilt. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass der 51-Jährige seine Geschäftspartner um mehrere Millionen Franken geprellt hatte. Er soll diesen Schadenersatz in Millionenhöhe zahlen.

Das Gericht sprach den Deutschen des gewerbsmässigen Betrugs, der Veruntreuung, des Pfändungsbetrugs sowie der mehrfachen Urkundenfälschung und gewerbsmässigen Geldwäscherei schuldig. Zur Freiheitsstrafe verhängte es eine Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 400 Franken, total 36’000 Franken.

Das Kriminalgericht verpflichtete den Beschuldigten zu Schadenersatzzahlungen. Allein seinen beiden Hauptopfern schuldet er demnach 1,7 Millionen Franken respektive 3,1 Millionen Franken. Weiteren Opfern muss er Schadenersatz von insgesamt 0,7 Millionen Franken leisten. Noch nicht eingerechnet sind die Zinsen.

Den Opfern muss der Beschuldigte Anwaltskosten von insgesamt mehreren Zehntausend Franken entschädigen. Ferner stellt ihm das Gericht Verfahrenskosten von 67’000 Franken in Rechnung.

Das Gericht veröffentlichte sein Urteil erst im Dispositiv und noch ohne Begründung. Es ist nicht rechtskräftig. Die Staatsanwaltschaft hatte eine strengere Bestrafung, nämlich acht Jahre Gefängnis und eine Geldstrafe von 270 Tagessätzen, gefordert.

Die Verteidigung hatte sich für einen Freispruch starkgemacht. Der Beschuldigte lebt in England. Für den Prozess vom 25. August war ihm vom Kanton Luzern freies Geleit zugesichert worden.

Vermögen der Gattin übertragen

Der Beschuldigte lebte von 2008 bis 2014 bei Luzern. Er wurde pauschalbesteuert und ging damit keiner Erwerbsarbeit nach, kümmerte sich aber um diverse Firmen der Familie. Er besitzt kein eigenes Vermögen – dieses hatte er seiner Frau übertragen, gemäss Staatsanwaltschaft, um einer Pfändung zu entgehen.

Der Beschuldigte ist in Deutschland einschlägig vorbestraft, ein weiteres Verfahren ist dort hängig. Ein Rechtsanwalt sagte vor Gericht, er hinterlasse «verbrannte Erde»: In der Schweiz summieren sich seine Verlustscheine auf 40 Millionen Franken.

Guter Geschichtenerzähler

Der Beschuldigte lebte auf grossem Fuss, besass teure Autos und ein Flugzeug, mit dem er in die USA jettete. Er sei ein guter Geschichtenerzähler, habe den erfolgreichen Investor gespielt und so seine Opfer anfüttern können, hiess es am Prozess.

Die Deliktsumme, um die es bei dem Prozess vor dem Kriminalgericht ging, belief sich auf 9 Millionen Franken. Die beiden Hauptopfer sollen je rund 4 Millionen Franken verloren haben. Es handelt sich bei diesen um einen Angestellten des Beschuldigten sowie um einen deutschen Prinzen. Beiden bot der Deutsche Investitionen an. Das Geld floss in das Firmengeflecht seiner Familie, wo er es nicht für die abgemachten, sondern für eigene Zwecke verwendet haben soll.

Der Beschuldigte wies vor Gericht diese Darstellung eloquent und selbstsicher zurück. Es sei kein Verwendungszweck für die investierten Gelder vereinbart gewesen, sagte er, er habe sich stets an die Verträge gehalten. Sein Verteidiger sagte, die angeblichen Opfer seien die Investitionsrisiken aus eigenem Willen eingegangen.

(SDA)

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