Kunstprojekt in Zürcher Club: Geschlachtetes Rind wird vor Live-Publikum zerlegt
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Kunstprojekt in Zürcher ClubGeschlachtetes Rind wird vor Live-Publikum zerlegt

In Zürich wird am Donnerstag ein Rind zerlegt und zubereitet. Die Kunstaktion soll zeigen, wie ein Tier würdevoll geschlachtet und verarbeitet wird. Tierschützerin Esther Geisser sieht das anders.

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vro
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Katahrina Lütscher
Dieses Rind wurde für ein Kunstprojekt geschlachtet. Im Kaufleuten soll es am Donnerstag nach und nach zerteilt und zubereitet werden.

Dieses Rind wurde für ein Kunstprojekt geschlachtet. Im Kaufleuten soll es am Donnerstag nach und nach zerteilt und zubereitet werden.

Katahrina Lütscher
In etwa so wird das Rind an der Decke des Kaufleuten hängen. Die Köche – nebst der Food-Künstlerin Sandra Knecht auch Spitzenkoch Moritz Stiefel – bereiten dann Stück für Stück zu und servieren das Essen an die Besucher. Im Vorfeld haben sie das Rind künstlerisch in Szene gesetzt. Wie es dazu kam, sehen Sie im Video unten.

In etwa so wird das Rind an der Decke des Kaufleuten hängen. Die Köche – nebst der Food-Künstlerin Sandra Knecht auch Spitzenkoch Moritz Stiefel – bereiten dann Stück für Stück zu und servieren das Essen an die Besucher. Im Vorfeld haben sie das Rind künstlerisch in Szene gesetzt. Wie es dazu kam, sehen Sie im Video unten.

Katahrina Lütscher

Protestierende Tierschützer und ein Ex-Pfarrer, der sich selbst geisselt – die Säulimetzgete in Sissach BL hat heftige Diskussionen über das Schlachten ausgelöst. Während dem Metzger der Respekt vor dem Tier am Herzen lag, kritisierten die Tierschützer das Töten an sich.

Immer wieder streiten sich die Akteure über Sinn und Nutzen von Tierschlachtungen. In Zürich wird das Fleischessen nun zum Kunstprojekt. Ein vorab geschlachtetes Rind wird am Donnerstagabend im Kaufleuten nach und nach zerlegt und zubereitet. Interessierte können dann direkt vor Ort das Fleisch essen. Ziel sei es, das ganze Rind komplett zu verarbeiten, sagt Lars Feldmann, CEO von Betty Bossi und verantwortlich für das Kunstprojekt «Boeuf Sous-Vide».

Künstlerin Sandra Knecht erklärt das Projekt:

Geschlachtetes Rind wird zum Kunstobjekt

In Zürich wird am Donnerstag ein Rind zerlegt und zubereitet. Die Kunstaktion soll zeigen, wie ein Tier würdevoll geschlachtet und verarbeitet wird.

«Moment der Tötung ist intim»

«Die Schweiz isst viel Fleisch. Wir wollen keine Sensationsgeschichte, sondern ehrlich und nachhaltig darüber reden», sagt Feldmann. «Als Wertschätzung gegenüber dem wertvollen Lebensmittel Fleisch zeigen wir am Anlass bewusst das gesamte Rind und verwerten es konsequent nach der Nose-to-tail-Philosophie.» Es gehe um Ehrlichkeit und Transparenz, das soll künstlerisch umgesetzt werden. «Damit der Eigengeschmack möglichst erhalten bleibt, wird ein Grossteil des Fleisches schonend mit sous-vide gegart.»

Die Künstlerin Sandra Knecht hat das Bild des geschlachteten Rindes kunstvoll arrangiert (siehe Bildstrecke). Den Prozess, den das Tier von der Weide bis zu seiner Verarbeitung im Kaufleuten durchgemacht hat, wurde auf Video festgehalten. Die Tötung selbst wurde jedoch nicht aufgezeichnet. «Das ist ein intimer Moment. Wir haben uns entschieden, diesen nicht zu zeigen», sagt Feldmann.

Für ein zubereitetes Stück des Rindes zahlen Interessierte fünf Franken, der Eintritt ist sonst frei. Auch Kinder dürfen am Anlass teilnehmen. Bis das Rind fertig zerlegt ist, hängt es gekühlt an einem Haken – dort, wo sonst die Diskokugel hängt.

«Im Schlachthaus ist es anders»

Für Esther Geisser, Präsidentin der Tierschutzorganisation Netap, hat das Projekt wenig mit der Würde des Tieres zu tun. «Dass es sich um ein Kunstprojekt handelt, finde ich eher entwürdigend. Es geht hier nicht um Kunst, sondern um das Töten. Man nimmt einem Lebewesen das Leben weg, alles nur für einen kurzen Moment des Genusses.»

Zwar begrüsst es Geisser, wenn überzeugte Fleischesser wissen, woher ihr Steak kommt. «Das sollte man aber nicht mit so einer theatralischen Veranstaltung vermitteln.» Für die Tierschützerin sind öffentliche Metzgeten Augenwischerei. «Die Veranstalter geben sich extra viel Mühe und weisen auf die Würde des Tieres hin. Ich habe selbst schon Schlachttransporter begleitet oder war in Schlachthäusern. Dort ist es ganz anders.» Die Tiere seien gestresst und Fehler beim Bolzenschuss kämen immer wieder vor. «Im Schlachthaus wird oft im Akkord gearbeitet. Die Tiere leiden sehr», sagt Geisser.

Schaufenster für Schlachthäuser

Öffentliche Schauschlachten scheinen für Geisser derzeit einen Boom zu erleben – auch im Ausland, wo etwa Zootiere vor Zuschauern zerlegt werden. Da dies jedoch nicht der Realität entspreche, wünscht sich Geisser andere Massnahmen: «Ich fände es besser, wenn Schlachthäuser Schaufenster bekämen, wo jeder hineinsehen könnte.» Das sei viel transparenter.

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