Geschlecht gegen Hautfarbe
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Geschlecht gegen Hautfarbe

Wer immer der Kandidat - ein Sieg der Demokraten bei der Präsidentenwahl im November würde eine historische Neuheit mit sich bringen.

Hillary Clinton wäre die erste Frau an der Spitze der Vereinigten Staaten, Barack Obama der erste schwarze US-Präsident. Welchen dieser beiden historischen Fälle die Demokraten anstreben, wird spätestens auf dem Nominierungsparteitag im August entschieden. Auch dort dürften die Faktoren Geschlecht oder Hautfarbe eine grosse Rolle spielen, obwohl die Demokraten dies stets herunterspielen.

«Den meisten Wählern ist es egal, ob der Kandidat männlich oder weiblich, schwarz, weiss oder rosa ist. Sie orientieren sich an konkreten Themen und wollen, dass unser Land eine positive Richtung einschlägt», erklärt James Richardson aus Kalifornien, der für Clinton gestimmt hat. Wählernachfragen am sogenannten Super Tuesday widerlegen jedoch diese sachbezogene Argumentation und beweisen, dass die Faktoren Geschlecht und Hautfarbe sehr wohl eine Rolle gespielt haben.

Laut Erhebungen unter rund 18.000 Wählern der Demokraten gaben zwei Drittel der Weissen und fast ebenso viele Frauen ihre Stimme für Clinton ab. Nur etwa die Hälfte dieser Klientel stimmte für Obama. Weisse und Frauen beteiligten sich auch am häufigsten an den Vorentscheidungen in mehr als 20 US-Staaten, nämlich mit einer Wahlbeteiligung von 61 Prozent beziehungsweise 57 Prozent. Daraus ergibt sich insgesamt ein Vorteil für die Senatorin aus New York.

Andererseits ist es Obama den Umfragen zufolge besser gelungen als Clinton, beim Klientel des jeweiligen Konkurrenten Boden gut zu machen. So konnte der Senator aus Illinois mehr Weisse und Frauen für sich gewinnen als in früheren Erhebungen. Sein grösstes Stimmenpotenzial kommt jedoch eindeutig aus der schwarzen Bevölkerung, die ihn am «Superdienstag» zu 80 Prozent unterstützte. Bei den weiblichen Wählern kam Obama insgesamt nur auf gut 40 Prozent, weil nur ein Drittel weisser Frauen ihn wählte.

Weisse Männer unterstützten die beiden Kandidaten etwa zu gleichen Teilen. Da US-Bürger afrikanischer Abstammung nur ein Fünftel aller Wähler am «Superdienstag» ausmachten, ist ohnehin klar, dass Obama viele Stimmen von Weissen erhalten haben muss, umso erfolgreich im Rennen zu bleiben. Insgesamt machte der Anteil der Schwarzen am Wahlergebnis für Obama 30 Prozent aus, bei Clinton lediglich fünf Prozent.

Sie erhielt dafür die Unterstützung von 53 Prozent aller Weissen sowie von 63 Prozent der Wähler lateinamerikanischer Abstammung. Dies sicherte ihr die Siege in den bevölkerungsreichen Staaten Kalifornien und New York sowie New Jersey. Vor allem um die sogenannten Latinos wird sich Obama bemühen müssen, wenn er Clinton die Nominierung streitig machen will. Des weiteren spielt die Bildung der Wähler eine grosse Rolle. Clinton hat grössere Unterstützung bei den ärmeren Schichten unter den demokratischen Wählern, während Obama die Intellektuellen stärker auf seiner Seite hat. Dieser Trend setzt sich auch dann noch fort, wenn man die Faktoren Geschlecht und Hautfarbe berücksichtigt.

Dass hier mitunter Druck ausgeübt wird, beklagt Nicole Brown aus Georgia. Die schwarze Haushälterin unterstützt Clinton und ist deshalb von ihrer Familie mehrfach angefeindet worden. «Man fühlt sich richtig verpflichtet, der eigenen Rasse nicht in den Rücken zu fallen», sagt sie. «Aber ich folge nicht einfach nur der Masse.»

Insgesamt sagen rund 70 Prozent aller demokratischen Wähler, dass sie letztlich beiden Bewerbern die Kandidatur gönnen würden. Die Frage ist dann, wie die Erfolgsperson im November bei den Wechselwählern ankommt, die für einen Wahlsieg entscheidend sind. Unter den Anhängern der Republikaner äusserten bei Umfragen 40 Prozent Bedenken gegen eine Frau im Weissen Haus und 23 Prozent gegen einen Schwarzen. Beobachter werteten diese Aussage allerdings als nicht ganz objektiv, da sich die Befragten darüber im Klaren waren, dass sie hier letztlich über demokratische Kandidaten urteilen. (dapd)

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