Aktualisiert 05.11.2019 18:36

BaselGeschulte Zuhörer sollen Suizide verhindern

Mit baulichen Massnahmen soll die Münsterpfalz gegen Suizidsprünge gesichert werden. Im Münster selbst verfolgt man einen ganz anderen präventiven Ansatz.

von
lha
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Die Basler Pfalz soll gesichert  werden. Jedes Jahr versuchen Menschen, ihr Leben mit einem Sprung zu beenden.

Die Basler Pfalz soll gesichert werden. Jedes Jahr versuchen Menschen, ihr Leben mit einem Sprung zu beenden.

Keystone/Andreas Frossard
Doch nicht für alle endet der Sprung mit dem Tod, weiss der Basler Arzt und LDP-Grossrat Felix Eymann. «Zum grössten Teil überleben diese mit Querschnittslähmungen oder anderen Verletzungen, welche zu einer lebenslangen Behinderung führen», schreibt er in einer Interpellation.

Doch nicht für alle endet der Sprung mit dem Tod, weiss der Basler Arzt und LDP-Grossrat Felix Eymann. «Zum grössten Teil überleben diese mit Querschnittslähmungen oder anderen Verletzungen, welche zu einer lebenslangen Behinderung führen», schreibt er in einer Interpellation.

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Er fordert, dass der viel besuchte Ort gesichert wird.

Er fordert, dass der viel besuchte Ort gesichert wird.

Leser-Reporter

Kommendes Jahr soll die Situation an der Pfalzmauer entschärft werden, liess die Basler Regierung Anfang November in der Beantwortung einer entsprechenden Interpellation. Interpellant Felix Eymann verlangte darin zeitnah die 18 Meter tiefe Mauer mit Sicherheitseinrichtungen aufzurüsten. Die Münsterpfalz ist seit Jahren als Hotspot für Suizidsprünge bekannt und seit Jahren wurden dagegen keine Massnahmen ergriffen. Dabei sind bauliche Sicherungen durchaus wirksam, wie Studien belegen.

«In Bern kam es nach der Sicherung der Kirchenfeld- und Kornhausbrücke 2010 zu einem deutlichen Einbruch der Suizidsprünge», heisst es in einer 2014 veröffentlichten Studie, die das Bundesamt für Strassen in Auftrag gab. Die Sicherung der Brücken geschah in Bern erst auf öffentlichen Druck hin. Zuvor wurde in der Bundeshauptstadt bereits 1998 die Münsterplattform gesichert. «Suizide konnten seither verhindert werden», hielt die Schweizerische Ärztezeitung fest. Nicht nur das: Überraschenderweise sei auch die Suizidrate an benachbarten Sprungorten zurückgegangen.

Erfolgreicher Versuch mit geschulten Zuhörern

Im Basler Münster, wo die Münstertürme nach Suizidversuchen nicht mehr alleine bestiegen werden dürfen, setzt man derweil auf eine ganz andere Methode: Zuhören. Dieses Jahr waren versuchsweise erstmals geschulte Zuhörer, sogenannte Listener, im Einsatz. Diese Zuhörer sind Freiwillige, die speziell ausgebildet wurden und erkennbar sind. «Der Versuch war sehr erfolgreich», sagt Münsterpfarrerin Caroline Schröder Field. Ab kommenden Frühling sollen die Listener nun permanent im Einsatz stehen. Man sei diesbezüglich in Gesprächen mit der Dargebotenen Hand.

Freiwillige Listener zu finden, scheint kein Problem zu sein, so das vielversprechende Fazit aus dem Pilotversuch. «Sehr viele Personen waren bereit, sich schulen zu lassen», sagt Schröder Field. «Und die Leute werden gebraucht, sie wurden immer wieder angesprochen.»

Auch Prostiuierte könnten zuhören

«Das ist eine sehr gute Idee», lobt Sabine Basler, Geschäftsführerin der Dargebotenen Hand die Initiative des Basler Münsters. Sie kann sich gut vorstellen, dieses Projekt noch auszuweiten. «Heutzutage suchen in Krisensituationen längst nicht mehr alle einen Seelsorger in die Kirche auf», sagt sie. «Auch Coiffeure, Taxifahrer oder Barkeeper wären geeignete Zuhörer. Vielleicht sogar Prostituierte», so Basler. Diese Leute könnten von der Dargebotenen Hand geschult werden.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)

Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

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