Nach Schiffbruch: Geschwister schwimmen 13 Kilometer an Land
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Nach SchiffbruchGeschwister schwimmen 13 Kilometer an Land

Für zwei Amerikaner wurde eine Hochseeangeltour in der Karibik zum Horrortrip: Nachdem ihr Boot sank, mussten sie bei Dunkelheit an Land schwimmen – 13 Kilometer weit.

von
kri
Dan (30) und Kate (39) Suski in einer Aufnahme aus dem Jahr 2009.

Dan (30) und Kate (39) Suski in einer Aufnahme aus dem Jahr 2009.

Für das amerikanische Geschwisterpaar Dan (30) und Kate (39) Suski war es zunächst ein Ausflug wie aus dem Bilderbuch: Hochseeangeltour vor der Karibikinsel Saint Lucia, die See rau, das Wetter sonnig und ein mächtiger Marlin am Haken. Dann plötzlich eine Panne: Die Elektronik stieg aus und das Boot begann mit Wasser vollzulaufen. Der Kapitän setzte über Funk noch einen Hilferuf ab und warf den beiden eine Schwimmweste zu: «Springt über Bord», erinnerte sich Kate später gegenüber der Nachrichtenagentur AP. Der Kapitän und sein Erster Offizier folgten ihnen. In weniger als fünf Minuten war das Boot gesunken.

Zu diesem Zeitpunkt am vergangenen Sonntag waren die vier Schiffbrüchigen mindestens 13 Kilometer von der Küste Saint Lucias entfernt. «Der Kapitän befahl uns zusammenzubleiben und versicherte uns, dass Hilfe unterwegs sei», sagte Kate. Als nach einer Stunde noch immer niemand gekommen war, entschieden die Geschwister, an Land zu schwimmen. «Wir können nicht einfach hier bleiben», fand Kate. Also begannen sie zu schwimmen. Die beiden Crew-Mitglieder verloren sie in den hohen Wellen bald aus den Augen – ebenso wie die Küste, denn es begann zu regnen. In der Ferne sahen sie einen Helikopter, doch der sah sie nicht.

Erinnerungen an Horrorstreifen «Open Water»

Mehrere Stunden vergingen, die Sonne ging unter. «Da wurde uns klar, dass unsere Lage sehr ernst ist», sagte Kate. Sie begannen zu überlegen, wie sie sterben würden: ertrinken, erfrieren, ein Hai-Angriff. Vielleicht würden sie bald Krämpfe bekommen und nicht mehr weiterschwimmen können. Und irgendwo im Hinterkopf erinnerten sie sich an den Horrorstreifen «Open Water», in dem ein Paar auf offenem Meer zurückgelassen wird und einen qualvollen Tod stirbt. «Ich dachte, ich müsse erbrechen, so sehr fürchtete ich mich», sagte Kate.

Dann endlich nach 14 Stunden hatten sie die Küste erreicht. Sie waren noch rund zehn Meter entfernt, als sie realisierten, dass sie an dieser Stelle das Wasser nicht verlassen konnten: Sie würden den Aufprall auf den Felsen nicht überleben. Dan wollte es trotzdem versuchen, doch seine Schwester Kate überzeugte ihn weiterzuschwimmen. Schliesslich erreichten sie einen kleinen Sandabschnitt und kletterten völlig entkräftet aus dem Wasser. Es war Mitternacht und sie sahen kein einziges Haus in der Umgebung.

Bittere Mangos, grüne Bananen

Zunächst galt es, sich aufzuwärmen. Kate trug nur noch ihr Bikini, Dan hatte sogar seine Shorts ausgezogen, um besser schwimmen zu können. Auf dem Weg ins Landesinnere sammelten sie Gräser und Büsche, um sich zu bedecken und warm zu halten. Als sie auf einen Fluss stiessen, war die Versuchung gross, daraus zu trinken. Sie entschieden sich dagegen: Ohne Tageslicht war es unmöglich abzuschätzen, ob das Wasser trinkbar war. Zu Essen fanden sie bittere Mangos und grüne Bananen. «Das war vermutlich die schlechteste und beste Banane, die ich je hatte», erinnerte sich Dan.

Als die Sonne aufgegangen war, stiessen sie endlich auf einen Bauern. Er gab ihnen Cracker und Trinkwasser und alarmierte die Polizei. Sie fragten, ob die beiden Crew-Mitglieder gefunden worden seien. Er verneinte. «Darauf waren wir nicht vorbereitet», sagte Kate. Im Spital erhielten sie Infusionen, und sie erfuhren, dass der Kapitän und der Erste Offizier nach 23 Stunden im Wasser ebenfalls gerettet worden waren.

Vom Hotel gabs ein Upgrade

Der Tourismus-Minister von Saint Lucia hat eine Untersuchung angekündigt. Dan und Kate sehen allerdings kein Verschulden bei irgendjemandem: «Wir sind einfach nur froh, am Leben zu sein», sagte Kate. Seit Anfang Woche erholen sie sich in ihrem Hotel von den Strapazen: Schnittwunden an den Füssen, schwere Sehnenentzündung an den Fussgelenken und von der Schwimmweste wundgeriebene Hautstellen. Als kleines Pflaster erhielten sie vom Hotel ein Upgrade in eine der Suiten.

Werbefilm des Angeltour-Veranstalters «Reel Irie»:

(Video: Youtube/nobe52)

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