Geschwisterinzest: Zahl der Übergriffe hat zugenommen
Aktualisiert

Geschwisterinzest: Zahl der Übergriffe hat zugenommen

Die Anzahl Fälle sexueller Ausbeutung unter Geschwistern hat erneut zugenommen. Dabei sind Übergriffe vorpubertärer Brüder auf ihre jüngeren Geschwister am meisten verbreitet.

«Geschwisterinzest wird in unserer Gesellschaft immer noch stark tabuisiert», sagt Regula Schwager von Castagna, der Beratungsstelle für sexuell ausgebeutete Kinder. Mit 1004 Gesprächen haben die Psychologen 2005 neun Prozent mehr Beratungen geführt als im Vorjahr. Davon knapp drei Prozent wegen sexueller Ausbeutung unter Geschwistern. «Die Dunkelziffer liegt aber viel höher», ist Schwager überzeugt.

Sobald alters- oder kräftemässig ein Machtgefälle bestehe, könne von «Dökterle» keine Rede mehr sein. «Die sexuellen Übergriffe gehen bis zu Geschlechts- oder Analverkehr», sagt die Psychologin.

Aus Scham und Schuldgefühlen würden die Opfer das Erlebte meist für sich

behalten: «Neben der Bindung und Loyalität zum Geschwister können sie oft nicht einordnen, was passiert ist», sagt Schwager.

Das habe für die Betroffenen schwerwiegende Folgen: «Ihre psychosexuelle Entwicklung wird nachhaltig erschüttert», so Schwager. Aber auch die Täter seien Opfer. «Ihre Übergriffe müssen als Hilferufe angesehen werden. Oft haben sie schwere Defizite in ihrer Identitätsentwicklung», sagt Schwager.

Romina Lenzlinger

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