«Verurteilt ihn» - Geschworene vertagen Urteil im Prozess R. Kelly
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«Verurteilt ihn»Geschworene vertagen Urteil im Prozess R. Kelly

Nach vier Stunden hat die Jury im Prozess gegen R. Kelly wegen sexueller Misshandlung die Beratung vertagt. Man habe am Freitag noch keinen Schuldspruch fällen können.

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Dem einstigen Popstar R. Kelly wird vorgeworfen, Frauen, Mädchen und Jungen misshandelt zu haben.

Dem einstigen Popstar R. Kelly wird vorgeworfen, Frauen, Mädchen und Jungen misshandelt zu haben.

AFP
Im Prozess wegen sexueller Misshandlung gegen R. Kelly müssen nun die Geschworenen über schuldig oder unschuldig entscheiden.

Im Prozess wegen sexueller Misshandlung gegen R. Kelly müssen nun die Geschworenen über schuldig oder unschuldig entscheiden.

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Die Anwälte beider Seiten haben ihre Abschlussplädoyers gehalten.

Die Anwälte beider Seiten haben ihre Abschlussplädoyers gehalten.

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Darum gehts

  • R. Kelly wird vorgeworfen, über Jahre Mädchen, Frauen und Jungen sexuell misshandelt zu haben.

  • Staatsanwaltschaft und Verteidigung hielten ihre Abschlussplädoyers.

  • Die Geschworenen ziehen sich zur Beratung vor der Urteilsverkündung zurück.

  • Nach mehrstündiger Beratung kommen sie am Montag wieder zusammen.

Eine Richterin in New York hat die Beratungen der Geschworenen über das Urteil im Prozess gegen R. Kelly wegen sexueller Misshandlung eingeleitet. US-Bezirksrichterin Ann Donnelly unterrichtete am Freitag in New York die sieben Männer und fünf Frauen der Jury über ihre anstehende Aufgabe.

Zu einem Urteil aber kam es noch nicht. Nach vier Stunden vertagte die Jury ihre Beratung, wie es auf CNN heisst: «Wir, die Juroren, haben noch kein Urteil gefällt.» Am Montag soll es weiter gehen.

Zuvor sagte Anwältin Elizabeth Geddes, die das Abschlussplädoyer für die Staatsanwaltschaft hielt: «Über Jahrzehnte hat der Angeklagte Frauen, Mädchen und Jungen für seine eigene sexuelle Befriedigung rekrutiert und gepflegt. Mit der Hilfe seiner engsten Vertrauten hat er diese Opfer langsam isoliert, Regeln aufgestellt und ihnen Strafen auferlegt.» Es sei nun an der Zeit, «dass der Angeklagte für seine Verbrechen bezahlt. Verurteilt ihn.»

Kelly weist Vorwürfe zurück

Der Musiker sei selbst Opfer – von ausgedachten Geschichten und ausgeschmückten Erzählungen über Misshandlungen, sagte im Anschluss Kellys Anwalt Deveraux Cannick im Abschlussplädoyer der Verteidigung. Ausserdem sei er schlicht ein erwachsener Superstar gewesen, der sein Sexleben genossen habe. «Sein Label hat angefangen, ihn als Sexsymbol zu verkaufen, als einen Playboy, also hat er angefangen, ein Sexsymbol- und Playboy-Leben zu leben», sagte Cannick. «Wo ist daran das Verbrechen? Manche Menschen mögen verrückten Sex – das ist kein Verbrechen.» Die Zeugenaussagen von Klägern seien voller Lügen, sagte Kellys Anwalt Deveraux Cannick weiter. Es gebe keine Beweise, dass die Kläger jemals etwas gegen ihren Willen hätten tun müssen.

Die stellvertretende Staatsanwältin Nadia Shihata hat das Schlussplädoyer der Verteidigung zurückgewiesen. Kelly habe «geglaubt, dass die Musik, der Ruhm und die Bekanntheit bedeuteten, dass er tun konnte, was immer er wollte», sagte Shihata im Gericht in Brooklyn. «Er ist kein Genie, er ist ein Krimineller.»

Zehn Jahre bis lebenslange Haft

Kelly, der unter anderem wegen sexueller Ausbeutung Minderjähriger, Kidnapping und Bestechung angeklagt ist, hatte zuvor angekündigt, nicht selbst aussagen zu wollen. Bei einer Verurteilung drohen dem Musiker, der seit seiner Festnahme im Sommer 2019 im Gefängnis sitzt, eine Haftstrafe von zehn Jahren bis lebenslang. Das Verfahren ist – nach Fällen wie denen von Filmproduzent Harvey Weinstein und Komiker Bill Cosby – die nächste in den USA und weltweit viel beachtete juristische Aufarbeitung der #MeToo-Ära.

Erste Anschuldigungen gegen den 1967 in Chicago als Robert Sylvester Kelly geborenen Musiker wurden bereits vor rund 25 Jahren bekannt. 2008 stand er wegen des Besitzes von Bildern schwerer sexuellen Kindesmisshandlung vor Gericht – und wurde freigesprochen. Unabhängig vom Ausgang des New Yorker Verfahrens wird es vor Gericht weitergehen: Der Sänger muss sich auch in weiteren Verfahren in Illinois und Minnesota zu ähnlichen Anklagepunkten verantworten.

Bist du oder ist jemand, den du kennst, von sexualisierter, häuslicher, psychischer oder anderer Gewalt betroffen?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Lilli.ch, Onlineberatung für Jugendliche

Frauenhäuser in der Schweiz und Liechtenstein

Zwüschehalt, Schutzhäuser für Männer

Agredis, Gewaltberatung von Mann zu Mann, Tel. 078 744 88 88

LGBT+ Helpline, Tel. 0800 133 133

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du minderjährig und von sexualisierter Gewalt betroffen? Oder kennst du ein Kind, das sexualisierte Gewalt erlebt?

Hier findest du Hilfe:

Polizei nach Kanton

Kokon, Beratungsstelle für Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene

Castagna, Beratungsstelle bei sexueller Gewalt im Kindes- und Jugendalter

Beratungsstellen der Opferhilfe Schweiz

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Bist du selbst pädophil und möchtest nicht straffällig werden? Hilfe erhältst du bei Forio und bei den UPK Basel.

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(DPA/roa)

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