Tod von George Floyd - Geschworene sprechen Ex-Polizisten Derek Chauvin schuldig

Tod von George FloydGeschworene sprechen Ex-Polizisten Derek Chauvin schuldig

In einem der meistbeachteten Fälle von Polizeigewalt der jüngeren Geschichte der USA haben die Geschworenen das Urteil gefällt.

von
newsdesk
Freudige Reaktionen in ganz Amerika

Der Ex-Polizeibeamte Derek Chauvin tötete George Floyd, in dem er ihm minutenlang sein Knie in den Nacken drückte. Familie, Demonstrierende und gar Präsident Joe Biden freuen sich nun über den Schuldspruch.

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Mittwoch, 21.04.2021

Biden: «Schandfleck auf der Seele unserer Nation»

Nach dem Schuldspruch wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd hat US-Präsident Joe Biden eindringlich zu einem weiteren Kampf gegen Rassismus und Polizeigewalt aufgerufen. Struktureller Rassismus sei «ein Schandfleck auf der Seele unserer Nation», sagte Biden im Weissen Haus. Mit Blick auf die Familie Floyds betonte der Präsident: «Nichts kann jemals ihren Bruder, ihren Vater zurückbringen. Aber dies kann ein riesiger Schritt vorwärts auf dem Marsch zur Gerechtigkeit in Amerika sein.» Das reiche aber nicht aus. Nötig seien echter Wandel und echte Reformen, damit Vorfälle wie die Tötung Floyds nicht mehr geschehen.

Man dürfe nach dem Schuldspruch nicht wegschauen und denken, «unsere Arbeit ist getan», betonte Biden. Der Präsident erinnerte an Floyds letzte Worte «I can’t breathe» («Ich kann nicht atmen») und sagte: «Wir können diese Worte nicht mit ihm sterben lassen.» Der Demokrat forderte den Kongress zur Verabschiedung eines nach George Floyd benannten Gesetzes für Polizeireformen auf, das allerdings an den Republikanern im Senat scheitern könnte. Biden hat den Kampf gegen den Rassismus zu einem seiner zentralen Anliegen erklärt. (dpa)

Harris: Problem für alle Amerikaner

US-Vizepräsidentin Kamala Harris hat Reformen angemahnt, um strukturellen Rassismus in den USA zu überwinden. Die institutionalisierte Diskriminierung sei nicht nur ein Problem des schwarzen Amerikas oder anderer Minderheiten, sagte Harris im Weissen Haus im Beisein von US-Präsident Joe Biden, der sich im Anschluss äusserte. «Es ist ein Problem für jeden Amerikaner. Denn es hält uns davon ab, das Versprechen von Freiheit und Gerechtigkeit für alle zu erfüllen. Und es hält unsere Nation davon ab, unser volles Potenzial auszuschöpfen.»

Der Schuldspruch gegen den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin lasse aufatmen, sagte Harris. Nach dem Urteil der Jury in Minneapolis müsse die Arbeit aber weitergehen. «Wir müssen immer noch das System reformieren», sagte Harris. Die Aufgabe der Vereinigten Staaten sei es nun, George Floyds Vermächtnis und ihn als Person zu ehren. Sie warb für einen Gesetzesentwurf für weitreichende Polizeireformen. (dpa)

Bruder: «Heute können wir wieder atmen»

Die Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd hat sich erleichtert über den Schuldspruch für den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin gezeigt. «Gerechtigkeit für George bedeutet Freiheit für alle», sagte sein Bruder Philonise Floyd am Dienstag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota. «Heute können wir wieder atmen.» George Floyds Worte kurz vor seinem Tod – «I Can’t Breathe» («Ich kann nicht atmen») – sind zu einem Inbegriff von Polizeigewalt und Rassismus in den USA geworden.

Philonise Floyd betonte, der Kampf gegen Ungerechtigkeit gehe weiter. Er hoffe nach dem Schuldspruch, dass er nun wieder schlafen könne. Er und weitere Angehörige von George Floyd dankten ihren Unterstützern und erinnerten an andere Opfer von Rassismus und Polizeigewalt. (dpa)

Biden ist «erleichtert»

US-Präsident Joe Biden hat sich «erleichtert» über den Schuldspruch im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd geäussert. Biden rief am Dienstag Floyds Familie an, nachdem die Geschworenen in der Stadt Minneapolis den angeklagten Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Punkten schuldig gesprochen hatten.

«Wir sind alle so erleichtert», sagte der Präsident in dem Telefonat, das der Anwalt der Familie Floyd öffentlich machte. «Es ist wirklich wichtig.» Biden versprach zugleich Massnahmen im Kampf gegen Polizeigewalt gegen Schwarze – und stellte der Familie scherzhaft in Aussicht, sie an Bord der Präsidentenmaschine Air Force One nach Washington einzuladen.

An dem Telefonat nahm auch Vizepräsidentin Kamala Harris teil. «Das ist ein Tag der Gerechtigkeit in Amerika», sagte die erste schwarze Vizepräsidentin des Landes. Die Geschichte werde «auf diesen Moment zurückblicken». (AFP)

Demokraten begrüssen Urteil

Die führenden Demokraten im US-Kongress haben das Urteil im Prozess um die Tötung des Afroamerikaners George Floyd begrüsst. Die demokratische Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sagte am Dienstag in Washington, Floyds Name werde von nun an für immer ein Synonym für Gerechtigkeit sein. An Floyd gerichtet sagte sie: «Danke, George Floyd, dass Sie Ihr Leben für die Gerechtigkeit geopfert haben.»

Der demokratische Mehrheitsführer im US-Senat, Chuck Schumer, sagte, er sei für Floyds Familie und Freunde dankbar, dass der Gerechtigkeit Genüge getan worden sei. Schumer mahnte zugleich: «Wir sollten einen Schuldspruch in diesem Fall nicht irrtümlich als Beleg dafür halten, dass das Problem von Polizei-Fehlverhalten gelöst ist.» Man müsse weiter daran arbeiten, die Polizeidienststellen im Land grundlegend zu verändern. (dpa)

Obama fordert Umdenken

Ex-US-Präsident Barack Obama hat tiefgreifendes Umdenken und Reformen angemahnt. «Wahre Gerechtigkeit erfordert, dass wir die Tatsache einsehen, dass schwarze Amerikaner anders behandelt werden, jeden Tag», erklärte Obama auch im Namen seiner Frau Michelle. «Wir müssen anerkennen, dass Millionen unserer Freunde, Familienangehörigen und Mitbürger in Angst leben, dass ihre nächste Begegnung mit der Polizei ihre letzte sein könnte.»

Es brauche konkrete Reformen, um die Ungleichbehandlung im Strafrechtssystem verringern und letztendlich ganz beseitigen zu können. «Das heutige Urteil mag zwar ein notwendiger Schritt auf dem Weg zu einem Fortschritt gewesen sein, aber bei weitem kein ausreichender.» Bei wahrer Gerechtigkeit gehe es um viel mehr als um ein einzelnes Urteil in einem einzelnen Prozess. (dpa)

Dienstag, 20.04.2021

Anwalt sieht Urteil als Wendepunkt

Der Anwalt der Familie des getöteten Afroamerikaners George Floyd hat den Schuldspruch gegen den Ex-Polizisten Derek Chauvin als «Wendepunkt in der Geschichte» bezeichnet. «SCHULDIG!», schrieb Ben Crump am Dienstag auf Twitter, nachdem die Geschworenen im Prozess um den Tod Floyds Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden hatten.

«Endlich ist schmerzlich verdiente Gerechtigkeit für George Floyds Familie eingetroffen. Dieses Urteil ist ein Wendepunkt in der Geschichte.» Es sende eine klare Botschaft, dass auch die Strafverfolgung zur Rechenschaft verpflichtet sei. Crump schrieb weiter: «Gerechtigkeit für das schwarze Amerika ist Gerechtigkeit für ganz Amerika!» Mit dem Urteil sei es aber nicht getan – es müsse nun eine Polizeireform geben. (dpa)

Strafmass soll in acht Wochen verkündet werden

Nach dem Schuldspruch wegen der Tötung des Afroamerikaners George Floyd ist der weisse Ex-Polizisten Derek Chauvin in Handschellen aus dem Gerichtssaal geführt worden. Chauvin werde in Gewahrsam des Bezirks-Sheriffs genommen, sagte Richter Peter Cahill am Dienstag in Minneapolis im US-Bundesstaat Minnesota.

Mord zweiten Grades

Er hatte die Kaution nach dem Schuldspruch auf Antrag der Staatsanwaltschaft widerrufen. Eine Jury hatte Chauvin zuvor in allen drei Anklagepunkten für schuldig befunden – der schwerwiegendste davon lautete Mord zweiten Grades ohne Vorsatz.

Ein Strafmass soll nach Angaben des Richters in acht Wochen verkündet werden. Chauvin war nach Floyds Tod Ende Mai vergangenen Jahres aus der Untersuchungshaft entlassen worden. Er befand sich gegen Kaution auf freiem Fuss und war während des ganzen Prozesses anwesend.

20 Dollar und neun Minuten

Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie gut neun Minuten lang auf Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen.

Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb wenig später. Die Beamten hatten ihn wegen des Verdachts festgenommen, mit einem falschen 20-Dollar-Schein bezahlt zu haben. (dpa)

Schuldig: Derek Chauvin hört das Urteil im Gerichtssaal.

Schuldig: Derek Chauvin hört das Urteil im Gerichtssaal.

REUTERS

Das Urteil

Richter Peter Cahill liest das Urteil der Geschworenen vor.

Richter Peter Cahill liest das Urteil der Geschworenen vor.

via REUTERS

Die Geschworenen haben den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin in allen Anklagepunkten für schuldig befunden. Ihm droht eine lange Haftstrafe.

Proteste in Minneapolis

Vor dem Gerichtsgebäude haben sich Demonstrantinnen und Demonstranten versammelt. Es sind Sprechchöre zu hören wie: «Was ist Chauvin? Schuldig, Schuldig!»

Sollte Chauvin freigesprochen werden, würden sie das als rassistischen Urteilsspruch sehen, sagt eine Demonstrantin zu NBC.

AFP

Biden hält sich raus

Am Dienstag liess US-Präsident Joe Biden durchblicken, dass er auf einen Schuldspruch gegen Chauvin hofft. «Ich bete, dass das Urteil das richtige Urteil wird», sagte Biden im Weissen Haus. Die Beweislage sei seiner Ansicht nach «überwältigend».

Biden sagte damit zwar nicht direkt, dass er auf einen Schuldspruch gegen Chauvin setzt; die Richtung seiner Äusserungen war aber eindeutig – zumal der Präsident am Vortag mit Floyds Angehörigen telefoniert hatte.

Die Anklagepunkte

Der schwerwiegendste Anklagepunkt gegen Chauvin lautet Mord zweiten Grades ohne Vorsatz. Darauf stehen in Minnesota bis zu 40 Jahre Haft. Nach Schweizer Recht entspräche dies eher dem Totschlag.

Zudem wird Chauvin auch Mord dritten Grades vorgeworfen, was mit bis zu 25 Jahren Haft geahndet werden kann.

Auch muss er sich wegen Totschlags zweiten Grades verantworten, worauf zehn Jahre Haft stehen. Dieser Anklagepunkt entspräche nach Schweizer Recht der fahrlässigen Tötung.

Derek Chauvin hat auf nicht schuldig plädiert.

Sicherheitsmassnahmen erhöht

In Minneapolis wurden drastische Sicherheitsvorkehrungen getroffen, im Einsatz ist unter anderem die Nationalgarde.

Derek Chauvin ist im Gerichtsaal angekommen

Der Angeklagte ist im Gerichtssaal angekommen, wie CNN berichtet. In wenigen Minuten wird das Urteil angekündigt. Auch der Bruder des getöteten George Floyd, Philonise Floyd, befindet sich im Saal.

Experten gehen davon aus, dass der nicht vorbestrafte Chauvin im Fall einer Verurteilung ein deutlich geringeres Strafmass bekommen dürfte als maximal zulässig.

Wann wird das Urteil verkündet?

Laut US-Medien soll das Urteil zwischen 15.30 und 16.00 Uhr Ortszeit verkündet werden. In der Schweiz ist das zwischen 22.30 und 23.00 Uhr.

Der Angeklagte

Ex-Polizist Derek Chauvin steht wegen Mordes vor Gericht.

Ex-Polizist Derek Chauvin steht wegen Mordes vor Gericht.

AFP

Urteil gesprochen

Im Prozess um den gewaltsamen Tod des Afroamerikaners George Floyd ist ein Urteil gefallen. Die Entscheidung der Geschworenen im Verfahren gegen den weissen Ex-Polizisten Derek Chauvin sollte in Kürze verkündet werden, wie das Gericht in Minneapolis am Dienstag mitteilte. Chauvin ist wegen Mordes zweiten Grades, Mordes dritten Grades und Totschlags zweiten Grades angeklagt.

Die Erwartungen an das Verfahren sind in den USA immens: Viele Menschen hoffen auf ein Urteil, das ein Zeichen gegen Rassismus und Polizeigewalt setzen wird.

Sollte Chauvin aber freigesprochen werden oder eine kurze Haftstrafe bekommen, dürfte es zu massiven Protesten kommen. Der Gouverneur des Bundesstaats Minnesota, Tim Walz, hat die Nationalgarde mobilisiert und mehr Hilfe angefordert. Er und der Bürgermeister von Minneapolis, Jacob Frey, forderten die Menschen auf, nach der Bekanntgabe des Urteils friedlich zu demonstrieren und kein «Chaos» zu erlauben.

Wie Floyd starb

Der 46 Jahre alte Floyd war am 25. Mai vergangenen Jahres in Minneapolis bei einer Festnahme ums Leben gekommen. Videos dokumentierten, wie Polizisten den unbewaffneten Mann zu Boden drückten. Chauvin presste dabei sein Knie rund neun Minuten lang in Floyds Hals, während dieser flehte, ihn atmen zu lassen. Floyd verlor der Autopsie zufolge das Bewusstsein und starb wenig später.