Aktualisiert 08.12.2008 12:04

Krawalle in GriechenlandGespannte Ruhe - Schulen bleiben geschlossen

Nach dem Tod eines 15-Jährigen durch eine Polizeikugel sind die Strassenschlachten in Athen und anderen Städten abgeebbt.
Alle jugendlichen Demonstranten hätten das Polytechnikum in Athen verlassen, in dem sie sich verbarrikadiert hatten. Von Entwarnung könne jedoch nicht die Rede sein. Autonome haben für heute Abend bereits neue Demos angekündigt.

Das meldete das griechische Fernsehen.

Aus Protest blieben am Montag alle Schulen geschlossen. «Viele Schüler haben die Gebäude besetzt. Wir Lehrer streiken für drei Tage», sagte der Präsident der Lehrergewerkschaft, Dimitris Bratis.

Für den Abend und die kommenden Tage wurden neue Demonstrationen autonomer Gruppen gegen die Polizei angekündigt. Bei den Strassenkämpfen waren seit Samstagabend rund 40 Menschen verletzt worden.

Vermummte verbarrikadieren sich

Zuvor hatten am Montagmorgen rund 150 Vermummte, die sich in der Polytechnischen Universität in Athen aufhielten, die Ordnungskräfte mit Brandsätzen und Steinen beworfen. Die Polizei, deren Tränengasvorräte offensichtlich erschöpft waren, hätten sich mit Steinwürfen verteidigt, hiess es in Medienberichten.

Hunderte Studenten, die sich an den Unruhen beteiligt hatten, hatten im Polytechnikum und der Wirtschaftsuniversität Zuflucht gesucht. Nach griechischem Gesetz darf das Gelände nicht von der Polizei betreten werden.

Wie nach einem Krieg

Strassenzüge in Athen und im nordgriechischen Thessaloniki glichen Kriegsgebieten. Die Krawalle hinterliessen ausgebrannte Autowracks, zerstörte Bankfilialen, Polizeiwachen, Autohäuser, Regierungsgebäude, Privatwohnungen, Geschäfte sowie brennende Barrikaden. In einigen Strassen hingen dicke Tränengasschwaden.

Der 37 Jahre alte Polizist, der den tödlichen Schuss abgegeben haben soll, sagte aus, er habe lediglich drei Warnschüsse abgefeuert. Einer davon habe den Jugendlichen als Querschläger getroffen. Zuvor habe eine Gruppe Autonomer seinen Streifenwagen, in dem er zusammen mit einem Kollegen gesessen habe, mit Steinen angegriffen.

Die Staatsanwaltschaft wirft dem einen Polizisten Totschlag und dem anderen Beihilfe zum Totschlag vor. Die Beamten wurden in Untersuchungshaft genommen, berichtete der griechische Rundfunk weiter.

«Kaltblütiger Mord»

Nach Darstellung von Augenzeugen soll es jedoch nur zu einer verbalen Auseinandersetzung zwischen den Autonomen und der Besatzung des Streifenwagens gekommen sein. Anschliessend habe der Polizist direkt in die Richtung des Jungen geschossen.

«Es war kaltblütiger Mord», meinte ein Augenzeuge im Radio. Der griechische Staatspräsident Karolos Papoulias übte indirekt Kritik an dem Vorgehen der Polizei. Die Rechtstaatlichkeit sei durch diese Ereignisse verletzt worden.

Innenminister Prokopis Pavlopoulos wies vorschnelle Schuldzuweisungen zurück und erklärte: «Wir warten auf die gerichtsmedizinischen Ergebnisse.» Die Verantwortlichen würden zur Rechenschaft gezogen. Ministerpräsident Kostas Karamanlis sprach der Familie des Opfers sein Beileid aus. Ein Rücktrittsangebot des Innenministers lehnte er ab.

Zu Zusammenstössen nach dem tödlichen Schuss kam es auch in der zweitgrössten griechischen Stadt Thessaloniki. Auch in Komotini und Ioannina im Norden des Landes gab es wie auf der Mittelmeerinsel Kreta und in der Hafenstadt Patras Ausschreitungen.$$VIDEO$$

(Quelle: APTN-Video)

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(sda)

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