Aktualisiert 16.03.2011 18:03

Erdbeben in Japan

Gespenstische Ruhe in Tokio

Knapp eine Woche nach der Katastrophe in Japan ist die sonst lärmende Millionenmetropole Tokio extrem ruhig. Derweil versinkt der Nordosten unter dem Schnee.

Die Strassen sind leer, viele Büros und Schulen geschlossen. «Es ist wie Sonntag», sagt der 62-jährige Taxifahrer Kazushi Arisawa. «Keine Autos weit und breit.» Normalerweise findet er in den nahen Bürotürmen innerhalb weniger Minuten einen Kunden. Nun wartet er schon seit einer Stunde vergebens.

Aus Angst vor radioaktiver Verseuchung bleiben immer mehr Menschen zu Hause. Sie fürchten, dass der Wind Strahlung vom 240 Kilometer entfernten Katastrophen-Kraftwerk Fukushima nach Tokio weht. Die starken Böen der vergangenen Tage haben die Angst noch verstärkt.

Leere Läden

Die ständigen Stromausfälle und der ausgedünnte Fahrplan der Eisenbahn tun ein Übriges. Grund sind die Energieausfälle infolge der Atomkatastrophe nach Erdbeben und Tsunami. Viele Firmen haben ihren Mitarbeitern empfohlen, daheim zu bleiben. Deshalb herrscht zur Mittagszeit in den sonst brechend vollen Sushi- und Nudel- Restaurants gähnende Leere.

In Elektroläden gehen die Vorräte an tragbaren Geigerzählern zu Ende. Auch andere Geschäfte werden leergekauft, da Menschen sich mit Lebensmitteln, Milch und den 1000 Dingen des täglichen Lebens eindecken.

Wer es sich leisten kann, versucht in andere Städte oder gleich ins Ausland zu kommen. Jackie Wu von dem noch jungen Flugunternehmen Hong Kong Jet bekam am Dienstag eine Anfrage, 14 Menschen nach Hongkong zu fliegen. «Der Preis war ihnen egal», berichtet der Manager. Andere fahren auf gut Glück zu den Flughäfen.

Schnee und Kälte

Im Nordosten Japans, dem eigentlichen Katastrophegebiet nach dem Tsunami vom Freitag, erschweren Schneeschauer die Rettungsarbeiten. Rettungskräfte kämpfen sich mühsam durch die überflutete Einöde, in der vorige Woche noch Häuser und Fabriken standen. Sie suchen weiter nach Überlebenden, obwohl die Chancen mit jeder Minute sinken.

Nach Medienberichten wurden zwar zwei Menschen gerettet, doch meistens ziehen die Soldaten und Freiwilligen Leichen unter den Trümmern hervor. «Der starke Verwesungsgeruch und das dreckige Meerwasser machen die Suche extrem schwierig», sagt Helfer Yin Guanghui.

Feuerwehr stellt Arbeit ein

Als sei die Lage nicht schon schlimm genug liegen die Temperaturen unter dem Gefrierpunkt. Die Feuerwehr hat ihre Arbeit eingestellt. Die Brandbekämpfer befürchten, wegen der starken Schneefälle nicht zur Feuerwache zurückkehren zu können.

«Wir können gerade mal 40 Meter weit gucken», beschreibt ein Mitarbeiter des Roten Kreuzes die Wetterlage. Wahrscheinlich sind durch das Erdbeben und den Tsunami 10'000 Menschen getötet worden, Tausende wurden am Mittwoch noch immer vermisst.

(sda)

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