Aktualisiert 16.02.2005 20:52

Stoos, Samstag 19.2.Gespräche mit der Wurfhand

Frust mit dem Mobiltelefon? Dann gesellen Sie sich doch zu den Handyweitwerfern! Die machen nämlich nichts lieber, als das ungeliebte Teil mit Schmackes in die Ferne zu schmeissen.

Die spinnen, die Finnen! Glaubt man nämlich Insidern, so will das eigenbrötlerische Volk nichts lieber, als seinen prestigeträchtigsten Export-Artikel loswerden. Kännykänheiton, zu Deutsch Handyweitwurf, heisst der Volkssport, der im hohen Norden derzeit boomt – und schon fast den klassichen nordischen Skisport überflügelt. Bereits sechs Weltmeisterschaften wurden im schmucken Städtchen Savonlinna durchgeführt, der aktuelle Rekord im Mobiltelefon-Weitwurf liegt bei 82,55 Metern.

Dass man aus der Not eine Tugend machen und das tückische Teil nicht nur aus Wut wegschleudern kann, haben in der Zwischenzeit auch die Helvetier entdeckt. Einer von ihnen ist Thomas Wüthrich. Trotz klirrender Kälte findet er sich am letzten Januarwochenende mit 37 anderen Einzelkämpfern auf der Sportanlage Hard ein, um für die erste Schweizermeisterschaft im Handyweitwurf zu üben. Einmal kurz die Arme schwingen, drei schnelle Schritte – hoch schnellt der Wurfarm und weit fliegt sein Siemens. Das heisst: Natürlich ist es nicht sein eigenes. Gesponsert wurde es von einer Handy-Reparatur-Firma, nachdem die Telekommunikationsbranche ihre Unterstützung der neuen Disziplin aus imagetechnischen Gründen verweigert hatte.

Die Mitstreiter im Hardturm kümmert das wenig. Vor den Augen einer hochkarätigen Jury, darunter Fernsehfrau Monika Schärer und Nati-A-Handballer Thomas Gautschi, setzen sie nicht nur zum Weitwurf, sondern sogar zum Freestylen an. Aspekte wie «Innovationsgrad», «technisches Niveau» oder «intellektuell-ethischer Wert» werden beurteilt, und entsprechend wundersam muten die Performances an. Höhepunkt des Spektakels ist eine aus drei Personen bestehende Pyramide – mal abgesehen vom folgenden Apéro. Immerhin ist es von den 55,65 Metern vom Tagesbesten Thomas Wüthrich bis zu den 82,55 Metern Weltrekord noch ein langer Weg. Und schliesslich können die Finnen auch punkto Alkoholgenuss ganz schön starke Vorbilder sein.

Claudia Schlup

SchMeis – die erste Schweizer Meisterschaft im Handyweitwurf: 19. Februar, auf dem Stoos.

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