23.03.2019 09:31

Rover 100 P4

Gestatten, das langlebige britische Tantchen

Der Rover P4 war eines der erfolgreichsten Nachkriegsautos Europas – weil es zuverlässig und sympathisch war.

von
B.v.Rotz
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Der Rover 100 konnte auch als Rolls-Royce für Aufsteiger gesehen werden.

Der Rover 100 konnte auch als Rolls-Royce für Aufsteiger gesehen werden.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
In über 15 Jahren Produktion wurden immer wieder kleine stilistische Anpassungen vorgenommen, so wurde 1954 die Hecklinie zugunsten eines grösseren Kofferraums angehoben.

In über 15 Jahren Produktion wurden immer wieder kleine stilistische Anpassungen vorgenommen, so wurde 1954 die Hecklinie zugunsten eines grösseren Kofferraums angehoben.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
Die Türen öffnen gegenläufig.

Die Türen öffnen gegenläufig.

Bruno von Rotz / www.zwischengas.com

Die Entwicklung des Rover P4 begann kurz nach dem Krieg, vorgestellt wurde er dann Ende 1949 und bis 1964 wurde er gebaut. Damit war er der Grundstein für den Nachkriegserfolg der Traditionsmarke Rover.

Zwar hatte man bei Rover eigentlich weitgehend für die Nachkriegszeit auf einen aufgefrischten Rover P3 setzen wollen. Doch es zeigte sich schnell, dass umfangreiche Anpassungen an die deutlich modernere Ponton-Karosserie nötig waren.

Fast eine Neukonstruktion

Immerhin konnte der Reihensechszylinder-Motor mit seiner besonderen Ventilanordnung vom Vorgänger übernommen werden. Auch die Vorderachse wurde vererbt. Das massiv dimensionierte Chassis, das fast an eine Lastwagenkonstruktion erinnerte, war aber neu.

Der Passagierraum wurde komplett zwischen die Achsen vorverlegt und im Heck Platz für einen 320 Liter grossen Kofferraum geschaffen. Hinten sorgte eine Starrachse mit Halbelliptikfedern für die Radführung. Vier Gänge, wovon zwei synchronisiert waren, mussten beim Rover 75 genügen.

Der neue Rover kam gut an. Britische Fachzeitschriften berichteten vollmundig von der überragenden Konstruktion: «Es handelt sich hier um einen Typ von Wagen, den zu verlieren Grossbritannien sich nie wird leisten können, weil er ein Beispiel bester britischer Werksmannarbeit darstellt.»

Stufenweise Verbesserung

1106 britische Pfund kostete der Rover 75 zu Beginn, in der Schweiz waren es 13'500 Franken. Doch nicht jeder kam sofort in den Genuss des neuen Wagens – auch wenn er das Geld hatte. Wegen Materialengpässen und Nachkriegswirren mussten einige Käufer monatelang warten, bis sie ihr Auto erhielten.

Rover begnügte sich nicht mit dem initialen Wurf. Bereits 1950 wurden voll hydraulische Bremsen eingeführt und Rundinstrumente montiert. 1952 fiel der Zentralscheinwerfer weg. 1953 wanderte der Schalthebel vom Lenkrad zum Kardantunnel.

Im gleichen Jahr wurde auch eine Vierzylinderversion (Rover 60) eingeführt. Mit dem Modell 90 wurden Hubraum und Leistung angehoben. 1954 gab es stilistische Modifikationen, die zu einem grösseren Kofferraum und einer besseren Rundumsicht führten.

Es folgten weitere Varianten und 1959 schliesslich der Rover 100 mit neuem Motor und Scheibenbremsen.

Fast wie ein SUV?

Mit über 1,6 Metern Höhe lässt sich der Rover 100 entern wie ein heutiger SUV, jedenfalls steigt man nicht hinunter. Überraschend weit rechts ist die Sitzposition, man fühlt sich, als sässe man zwischen den rechts liegenden Rädern. Der Schalthebel hat beeindruckende Ausmasse, führt dafür aber direkt ins Getriebe.

Der erste Gang ist auch beim 59er-Rover 100 noch unsynchronisiert, während die übrigen Gänge auch ohne Zwischengas geschaltet werden können. Die leichtgängige Kupplung und die exakte Schaltung machen einem den Gangwechsel leicht, während das Lenken durchaus in Arbeit ausarten kann.

Die Platzverhältnisse sind formidabel, auch hinten. Die Rundumsicht ist gut, aber nicht überragend, dazu sind vor allem die Seitenscheiben etwas zu klein geraten. Dank dem komfortablen Fahrwerk gleitet man elegant über die Kieszufahrt zum eigenen Anwesen, wenn man denn eines hat.

Überhaupt fühlt man sich gut im Rover 100. Das Interieur mit etwas Holz und viel Leder sowie umfangreicher Teppichausstattung wirkt sympathisch und urenglisch. Dazu tragen auch die schlicht gezeichneten Rundinstrumente und das grosse Lenkrad mit Signalring ihren Teil bei.

Man kann gut verstehen, dass dieser Wagen Vielfahrern damals fast 18'000 Franken wert war.

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster zum Rover 100 gibt es auf www.zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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