Aktualisiert 25.06.2017 21:54

Mini CountrymanGestatten, Maxi Landmann

Der Mini Countryman ist zum stattlichen Kompakt-SUV herangewachsen. Zeit, sich über eine Namensänderung Gedanken zu machen.

von
NVE
1 / 4
Den Mini Countryman gibts als Benziner oder Diesel mit 136 bis 231 PS.

Den Mini Countryman gibts als Benziner oder Diesel mit 136 bis 231 PS.

Mini
Erstmals bei der Marke ist auch ein 224 PS Plug-in-Hybrid im Angebot, der mit einem Normverbrauch von 2,3 Litern glänzt.

Erstmals bei der Marke ist auch ein 224 PS Plug-in-Hybrid im Angebot, der mit einem Normverbrauch von 2,3 Litern glänzt.

Mini
Die zweite Generation des Countryman ist mit 4,3 Metern der grösste Mini aller Zeiten.

Die zweite Generation des Countryman ist mit 4,3 Metern der grösste Mini aller Zeiten.

Mini

Schon die erste Modellgeneration widersprach der Bedeutung des Markennamens. Doch die um 20 Zentimeter auf stolze 4,3 Meter gewachsene zweite Generation wirft nun endgültig Fragen auf. Sollte der Mini Countryman nicht eher Maxi Countryman heissen? Oder – seit 2001 gehört der britische Hersteller bekanntlich zum deutschen BMW-Konzern – Maxi Landmann?

Immerhin sorgt der Grössenzuwachs für Maxi-Platzverhältnisse: Das Raumgefühl ist luftig, im Fond sitzen nicht nur Miniatur-Menschen bequem und der variable Gepäckraum fasst ordentliche 450 bis 1390 Liter. Der Name Landmann klingt zudem nach Hochadel und passt hervorragend zur erhöhten Sitzposition, überraschend vornehmen Materialanmutung und guten Geräuschdämmung. Gerade als Cooper S mit 192 PS, Allradantrieb, 8-Gang-Automatik und elektronischer Dämpferkontrolle gibt sich der Maxi Landmann sehr souverän, sehr erwachsen. So erwachsen, dass man den Herrn Landmann zunächst siezen möchte.

Und klar stecken da noch reichlich Mini-Gene drin. Sieht man ja am verspielten Exterieur- und Interieur-Design. Spürt man dank der straffen Lenkung und dem knackigen Fahrverhalten an der markentypischen Agilität. Allerdings macht sich in schnellen Kurven auch das Maxi-Gewicht von rund 1,6 Tonnen bemerkbar – der Allradler tendiert zum Untersteuern. Und vom Maxi-Preis, der mit reichlich Extras auf über 60'000 Franken steigt, wollen wir schon gar nicht reden.

Oder wie wär's mit Maxi Stadtmann? (Wer geht mit dem schicken Kompakt-SUV schon ins Gelände?) Maxi Landjunge? (Wegen den umfassenden Connectivity-Features, die eine junge Zielgruppe ansprechen.) Maxi Ballermann? (Die Abgasanlage knallt im Sportmodus ganz schön laut.) Das mit dem Namen liesse sich nun – ähnlich wie es der Hersteller mit dem ursprünglichen Mini-Gedanken tut – ad absurdum führen. Aber lassen wir das. Unter dem Strich handelt es sich um einen nicht gerade günstigen, dafür hochwertigen, agilen, variablen und gut verarbeiteten Kompakt-SUV, egal wie er heisst.

Mini Cooper S All4 Countryman

Karosserie: 4,3 Meter langer, 5-türiger Kompakt-SUV.

Antrieb: 2,0-Liter-R4-Turbo mit 192 PS (141 kW) und 280 Nm.


Getriebe: 8-Gang-Automatik (optional).


Fahrleistungen: 0-100 km/h in 7,2 Sekunden; 222 km/h Spitze.


Verbrauch: 7,0 L/100 km (Werksangabe), 9,1 L/100 km (Testverbrauch).


CO2-Ausstoss: 159 g CO2/km (Werksangabe).


Preis: Ab Fr. 37'700 (Basismodell ab Fr. 31'300).


Infos:www.mini.ch

IN KÜRZE

Der Hersteller sagt:

«Der neue Mini Countryman ist das grösste und vielseitigste Modell in der 57-jährigen Geschichte der Marke. Seine vollständige Neuentwicklung ist mit deutlichen Fortschritten in den Bereichen Raumangebot, Funktionalität, Sportlichkeit und Premium-Charakteristik verbunden.»

Wir sagen:

In Sachen Raumangebot, Funktionalität und Premium-Charakteristik hat der neue Countryman in der Mini-Palette die Nase vorn. Aber die Sportfreuden werden durch das hohe Gewicht ein wenig geschmälert – vom markentypischen «Go-Kart-Feeling» kann hier keine Rede sein.

Das gefällt:

Die Vielseitigkeit des Modells. Es ist geräumig, immer noch genügend handlich für die Stadt, modern ausgerüstet und fährt sich sowohl auf der Autobahn wie auch auf einer kurvigen Landstrasse souverän.

Das eher weniger:

Grösser heisst schwerer, was wiederum durstiger bedeutet. Bei engagierter Fahrweise lässt sich der Verbrauch des 192 PS starken 4-Zylinders kaum unter neun Liter drücken.

Spannendes Detail:

Optional gibt es die Picnic Bench, eine aus dem Kofferraum herausklappbare flexible Auflagefläche, die einen Sitzplatz für zwei Personen bietet.

Wer fährt so was?

Mini-Fans mit erhöhtem Platzbedürfnis. Oder aber SUV-Freunde, denen das rundliche Blechkleid sympathischer ist als der martialische Look vieler Konkurrenzmodelle. So oder so sind es Leute, die gewillt sind, für ein 4,3-Meter-Auto tief ins Portemonnaie zu langen.

Alternativen dazu:

BMW X1, Audi Q3, Seat Ateca, Range Rover Evoque, Mercedes-Benz GLA und Co.

Am Steuer:

Nina Vetterli-Treml, Mitarbeiterin der Textlab GmbH und Testexpertin in der SRF2-Autosendung «Tacho».

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.