Winterthur ZH: Gestellter Unfall: Garagist muss hinter Gitter
Aktualisiert

Winterthur ZHGestellter Unfall: Garagist muss hinter Gitter

Ein Winterthurer Garagist hat einen Autounfall gestellt und Versicherungsgelder für 32 000 Franken kassiert. Nun soll der nicht geständige Italiener für ein Jahr ins Gefängnis.

von
Attila Szenogrady

Es war am 21. November 2006, als die Stadtpolizei Winterthur zu einem Verkehrsunfall an der Bachtelstrasse ausrücken musste. Ein Personenwagen der Marke Hyundai hatte einem Fahrzeug der Marke Ferrari den Vortritt verweigert, worauf es zu einer Kollision kam. Zunächst sah es nach einem Routine-Fall aus. Die Polizei erstellte einen Unfallrapport, worauf der angeblich schuldlose Besitzer des beschädigten Ferraris bei der Versicherung des Unfallgegners finanzielle Ansprüche geltend machte. Tatsächlich erhielt der Winterthurer Garagist im Januar 2007 rund 32 000 Franken als Schadenersatz.

Erstes Geständnis widerrufen

Im September 2007 schöpfte die Winterthurer Polizei erstmals Verdacht und liess den früheren Ferrari-Besitzer für einen Tag festnehmen. Tatsächlich legte der heute 43-jährige Italiener spontan ein umfassendes Geständnis ab. So habe er den Unfall zusammen mit einem Komplizen bloss gestellt, gab er zu Protokoll. Unschön war zudem, dass der Autospengler bereits im März 2005 am Bezirksgericht Winterthur wegen eines Versicherungsbetrugs eine bedingte Gefängnisstrafe von zwölf Monaten kassiert hatte. Allerdings kam es diesmal anders. Der Angeklagte widerrief seine Zugaben und stellte die Betrugsvorwürfe plötzlich in Abrede.

Entlarvendes Polizeigutachten

Nun schaltete sich der Wissenschaftliche Dienst der Stadtpolizei Zürich ein und erstellte über die angebliche Kollision ein wissenschaftliches Gutachten. Mit einem klaren Ergebnis: Der von den Beteiligten geschilderte Unfallablauf konnte mit den Endstellungen der Personenwagen nicht übereinstimmen.

Das entlarvende Gutachten liess dem nicht geständigen Angeklagten keine Chance. Er wurde bereits im letzten Januar vom Bezirksgericht Winterthur wegen Betrugs sowie Irreführung der Rechtspflege zu einer unbedingten Freiheitsstrafe von elf Monaten verurteilt. Hinzu kam der Widerruf der zwölfmonatigen Vorstrafe.

Milderes Obergericht

Am Dienstag versuchte der inzwischen gescheiterte Garagist sein Glück vor dem Zürcher Obergericht. Vergebens, da auch die Oberrichter das Gutachten als überzeugend einstuften und von einem gestellten Unfall ausgingen. Zudem verwiesen sie auf etliche Widersprüche bei den Aussagen der Kollisionsbeteiligten. Bei der Strafzumessung zeigten sich die Oberrichter aber milder. Da der Angeklagte bisher noch nie eine Gefängnisstrafe verbüsst habe, genüge es im Sinne einer Schockwirkung, lediglich die zwölf Monate des Widerrufs zu vollziehen, zeigte sich der Referent überzeugt. Die bestätigte Hauptstrafe von elf Monaten wurde dagegen neu bedingt festgelegt. Ein Entscheid, den die Oberrichter als sehr wohlwollend betrachteten.

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