01.01.2016 22:53

DJ WhizkidGestern Zürich, heute New York, morgen Los Angeles?

Der Zürcher DJ Whizkid lebt seit einem halben Jahr in New York. Nach einem zähen Start hat er dort wöchentlich Bookings und schon das nächste Ziel vor Augen: die Westküste.

von
rom

Kleine Brötchen backen, das ist nicht sein Ding. Darum hat DJ Whizkid seine Karriere vor sechs Jahren auch nicht in einem Agglo-Jugendhaus lanciert, sondern gleich im Zürcher Kaufleuten. Nun will der 26-Jährige einer der ganz Grossen in der elektronischen Musikszene werden, sozusagen in die Champions League aufsteigen.

«Ein schwieriger, langer Weg», sagt Whizkid,«aber ist es nicht menschlich, grosse Ziele zu avisieren?» Diese Einstellung hat ihn im Sommer nach New York gebracht. Nachdem seine Freundin dort ein Jobangebot erhalten hatte, zögerte er keine Sekunde, sie für drei Jahre zu begleiten, um sich dort hinter den Plattentellern durchzusetzen.

«Viel versprechen, wenig halten»

Die ersten Monate waren für den vollbärtigen Zürcher allerdings hart. Kein Wunder: Niemand hatte in der US-Metropole auf einen DJ aus der Schweiz gewartet. Hinzu kommt die US-Mentalität. Whizkid: «Die Leute sind zwar supernett, nur versprechen sie oft viel und halten wenig.» Doch er sei hartnäckig geblieben und inzwischen zählten zuverlässige und einflussreiche Personen zu seinen Förderern.

Dazu gehören etwa Jungs aus dem Umfeld der Tao Group, eines der grössten Nightlife-Unternehmen der USA mit bekannten Clubs wie Marquee, Avenue oder PH-D in Manhattan und Las Vegas. Whizkid: «Ich bin mich zwar immer noch am Beweisen, aber 2016 habe ich mindestens einmal wöchentlich Bookings.»

Darunter war bereits eines im angesagten Marquee, bei dem internationale EDM-Grössen wie DJ Dimitri Vegas & Like Mike aus Belgien oder US-Rapper Busta Rhymes als Gäste auftauchten, derweil Whizkid an den Turntables stand. «Das machte mich schon ein bisschen nervös», sagt er.

Securitys schirmen DJs ab

Grundsätzlich sei Auflegen in den USA aber etwas entspannter als in der Schweiz. Dafür sorgten laut Whizkid nicht zuletzt Securitys, die den DJ abschirmen, damit er in Ruhe arbeiten kann. «Das war zu Beginn zwar ein bisschen merkwürdig, da ich die Masse eigentlich gerne spüre. Der Vorteil dafür ist, dass ich nicht die ganze Zeit mit Musikwünschen bombardiert werde.»

Trotzdem musste Whizkid sein Set an den US-Markt anpassen. Zwar spielt er auch EDM, House und Deep House: «Doch die neuesten Hip-Hop-Tracks aus den USA sind oft Pflicht.» Letzteres gilt erst recht für Eigenproduktionen. «Children of the Sun» wurde sogar von Zürcher Radios gespielt, war in den Beatport-Charts vertreten – für eine Platzierung in den Schweizer Charts reichte es dann doch nicht.

Whizkid nimmt das locker: Für eine erfolgreiche Karriere brauche man nicht nur Talent und die richtigen Leute, sondern auch viel Glück und Geld. «Ich habe in den letzten Jahren einen Grossteil meines Lohnes in mein Studio und in meine Vermarktung reinvestiert», sagt er und man hört darin seine berufliche Vergangenheit als Banker durchdringen. Mit dem Schritt nach Übersee habe sich dies nun ein erstes Mal ausbezahlt.

Hallenstadion beschallt

Wobei New York für Whizkid ohnehin nur eine Zwischenetappe sein soll: «Mittelfristig möchte ich auch in anderen US-Staaten Fuss fassen, in Los Angeles klappt dies wohl schon in den nächsten Monaten.» Mit anderen Worten: So schnell bringt ihn niemand aus den USA weg.

In die Schweiz zieht es ihn dennoch regelmässig, so wie über die Festtage. Familie, Freunde und Bookings sind die Gründe. Dabei brachte Whizkid an Silvester im Hallenstadion und im Kaufleuten mal schnell Tausende zum Tanzen. Er sagt: «Das war unglaublich geil.» Und eben alles andere als kleine Brötchen backen.

Vom Banker zum DJ

DJ Whizkid heisst eigentlich Tobias Wedermann, ist 1989 geboren und am Zürichsee aufgewachsen. Nach einer KV-Ausbildung arbeitete er zunächst an der Börse, ehe er 2009 auf die Karte DJ setzte. Es folgten bald Gigs in diversen Schweizer Städten, aber auch in München, London oder auf Ibiza. Ab 2012 startete er im Kaufleuten seine eigene Partyreihe Bazinga. Zudem ist er derzeit für einen Swiss Nightlife Award nominiert - zum dritten Mal in Folge.

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