Softporno-Szene vor 18 Uhr: Gestöhne am TV stösst sauer auf
Aktualisiert

Softporno-Szene vor 18 UhrGestöhne am TV stösst sauer auf

SF1 zeigt nackte Brüste und orgastisches Gestöhne – zu einer Zeit, in der vor allem Kinder vor dem Bildschirm sitzen. Dies sorgt bereits für Unmut.

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hal
Im Nachmittagsprogramm: Szene aus dem Film «Die Zeit, die man Leben nennt».

Im Nachmittagsprogramm: Szene aus dem Film «Die Zeit, die man Leben nennt».

So manche Eltern dürften am Dienstagnachmittag ihren Augen nicht getraut haben: Kurz nach 17 Uhr zeigte SF1 einen Film, in dem ein junger Mann ins Puff geht und mit einer Prostituierten schläft. Dabei stöhnt die Frau laut in die Kamera und kommt zum Orgasmus, während immer wieder ihre Brüste zu sehen sind.

Die dreiminütige Softporno-Szene ist Teil der deutschen TV-Produktion «Die Zeit, die man Leben nennt», in der ein junger Pianist nach einem Unfall gelähmt ist. Dass das SF diese am Nachmittag zeigt, stösst CVP-Nationalrat Pius Segmüller sauer auf: «So etwas gehört für mich nicht ins Nachmittagsprogramm.» Manfred Pfiffner, Präsident des SRG-Publikumsrats, meint, «dass kleine Kinder solche Szenen nicht sehen sollten».

Dass das Nachmittagspublikum die Sex-Szene richtig einschätzen kann, zweifelt auch Urs Kiener von Pro Juventute an. SF traut diesem jedoch mehr zu: «Der Film wurde von der FSK für ein Publikum ab sechs Jahren freigegeben. Die Szene ist unserer Ansicht nach feinfühlig inszeniert und nicht aus dem Kontext gerissen. Zudem spricht das Thema des Films ein kindliches Publikum gar nicht an», so Sprecher Martin Reichlin. Der Anteil des Publikums unter 14 Jahren sei gegen Null gegangen.

Für Pfiffner entbindet dies das SF aber nicht von seiner Verantwortung: «Kinder stellen den Fernseher einfach ein oder zappen rum.» Für ihn und Segmüller wäre mindestens eine Warnung angebracht gewesen. «SF hat die Pflicht, von sich aus Altersempfehlungen zu machen», so Segmüller. Dass dies möglich ist, hat SF bei den Simpsons vorgemacht: Dort unterlegt es das Logo mit einem roten Warn-Balken.

SF 3,1% weniger Marktanteil

In der Deutschschweiz schalteten von Januar bis Juni 2011 durchschnittlich 2,9 Millionen Hörer eines der sechs Radioprogramme der SRG ein. Im selben Zeitraum erreichten die TV-Kanäle des SF im Ganztagesschnitt einen Marktanteil von 30,7 Prozent. Damit büssten sie innert eines halben Jahres 3,1 Prozentpunkte ein. Beim Schweizer Radio und Fernsehen ist man trotzdem zufrieden: Die Angebote seien anhaltend beliebt.

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